
Die oft kritisierte Unflexibilität der Basisrente ist in Wahrheit ihr stärkster Schutzmechanismus für Selbstständige und Gutverdiener.
- Sie ermöglicht massive Steuervorteile in der Ansparphase durch hohe absetzbare Beiträge.
- Sie erzwingt eine eiserne Disziplin, indem sie Kapitalentnahmen verhindert und so das Vermögen für Ihr zukünftiges Ich schützt.
Empfehlung: Betrachten Sie die Rürup-Rente nicht als alleinige Lösung, sondern als unumstößliches Fundament Ihrer Altersvorsorge, das Sie durch flexible Anlagen (z. B. private ETF-Sparpläne) ergänzen.
Als Selbstständiger oder Freiberufler jonglieren Sie täglich mit Freiheit und Verantwortung. Diese Freiheit erstreckt sich auch auf Ihre Altersvorsorge, was oft mehr Fluch als Segen ist. Während Angestellte automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, stehen Sie vor einem Dschungel an Möglichkeiten – und der ständigen Versuchung, die Vorsorge aufzuschieben. Die Basisrente, umgangssprachlich als Rürup-Rente bekannt, wird dabei oft als die einzige staatlich geförderte Option für Ihre Zielgruppe angepriesen. Der Köder ist verlockend: hohe Beiträge von der Steuer absetzen und so die aktuelle Last senken.
Doch die Kritik folgt auf dem Fuße. Die Rürup-Rente gilt als starr, unflexibel und im Todesfall als potenziell verloren für die Familie. Viele Berater warnen vor diesem „goldenen Käfig“, aus dem es kein Entrinnen gibt. Man kann den Vertrag weder kündigen noch beleihen oder sich das Kapital auf einmal auszahlen lassen. Diese Nachteile führen bei vielen ambitionierten Unternehmern, die Flexibilität gewohnt sind, zu einer sofortigen Abwehrhaltung. Man will sich nicht auf Jahrzehnte binden, schon gar nicht an ein Produkt, das so unbeweglich scheint.
Aber was wäre, wenn genau dieser größte Nachteil – die Unflexibilität – in Wahrheit Ihr stärkster Verbündeter wäre? Was, wenn die Rürup-Rente ein bewusst gestaltetes Disziplinierungs-Instrument ist, ein unkündbarer Vertrag mit Ihrem zukünftigen Ich, der Sie vor den kurzfristigen, oft unüberlegten Finanzentscheidungen Ihres heutigen Ichs schützt? Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Betrachtung von Vor- und Nachteilen. Er analysiert die Basisrente aus der Perspektive eines strategischen Vorsorge-Planers und zeigt, warum sie für Selbstständige oft nicht nur eine Option, sondern das Fundament für finanzielle Sicherheit im Alter darstellt.
Wir werden die Mechanismen der Steuerersparnis durchleuchten, die Wahrheit über das „verlorene“ Kapital im Todesfall aufdecken und die Kombination mit renditestarken ETFs untersuchen. Vor allem aber werden wir den „goldenen Käfig“ von einer neuen Seite betrachten und ihn mit Alternativen wie der freiwilligen Einzahlung in die Rentenkasse oder riskanten Steuersparmodellen vergleichen.
Inhaltsverzeichnis: Strategien und Fallstricke der Basisrente für Selbstständige
- Wie Sie mit der Basisrente 25.000 € steuerwirksam absetzen und die Steuerlast sofort senken
- Rürup-Rente und Todesfall: Ist das eingezahlte Kapital für die Familie verloren?
- Basisrente mit ETFs: Wie Sie Steuerersparnis mit 7% Marktrendite kombinieren
- Der goldene Käfig: Warum Sie eine Basisrente nie wieder kündigen oder beleihen können
- Rürup vs. GRV: Sollten Selbstständige lieber freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse zahlen?
- Kann ein aktiver Manager den Markt schlagen oder ist der ETF immer überlegen?
- Basis, bAV, Privat: Welche Schicht wird im Alter wie hoch besteuert?
- Denkmalimmobilien: Steuersparmodell für Spitzenverdiener oder Sanierungsgrab?
Wie Sie mit der Basisrente 25.000 € steuerwirksam absetzen und die Steuerlast sofort senken
Der wohl schlagkräftigste Vorteil der Basisrente ist die unmittelbare steuerliche Entlastung in der Ansparphase. Als Selbstständiger können Sie Ihre Beiträge als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen und so Ihr zu versteuerndes Einkommen direkt reduzieren. Dies ist besonders für Gutverdiener attraktiv, da jeder abgesetzte Euro mit dem persönlichen Spitzensteuersatz „gefördert“ wird. Bei einem Steuersatz von 42 % bedeutet das: Für jeden eingezahlten Euro erhalten Sie 42 Cent vom Finanzamt zurück.
Für das Jahr 2025 ist der absetzbare Höchstbetrag für Vorsorgeaufwendungen beachtlich. Laut aktuellen Regelungen können Alleinstehende für das Jahr 2025 insgesamt 29.344 € aufwenden. Verheiratete, die gemeinsam veranlagt werden, können sogar den doppelten Betrag ansetzen. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass bereits gezahlte Beiträge in andere Altersvorsorgesysteme der ersten Schicht, wie beispielsweise in berufsständische Versorgungswerke, auf diesen Höchstbetrag angerechnet werden. Der verbleibende Betrag kann dann vollständig in einen Rürup-Vertrag fließen und die Steuerlast sofort spürbar senken. So wird die Altersvorsorge zu einem aktiven Instrument der Steuergestaltung.
Checkliste: Häufige Fehler bei der Angabe in der Steuererklärung vermeiden
- Zertifizierungsnummer prüfen: Stellen Sie sicher, dass Ihr Rürup-Vertrag zertifiziert ist. Nur dann werden die Beiträge vom Finanzamt automatisch anerkannt.
- Exakte Summe eintragen: Übertragen Sie die genaue Beitragssumme aus Ihrer jährlichen Rentenbescheinigung in die Anlage „Vorsorgeaufwand“ unter „Beiträge zu zertifizierten Basisrentenverträgen“.
- Andere Beiträge berücksichtigen: Denken Sie daran, eventuelle Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zu einem Versorgungswerk vom Höchstbetrag abzuziehen.
- Optimale Aufteilung bei Verheirateten: Prüfen Sie, wie der gemeinsame Höchstbetrag am steuergünstigsten auf beide Partner aufgeteilt werden kann.
- Sonderzahlungen nicht vergessen: Auch einmalige Sonderzahlungen sind bis zum Erreichen des Höchstbetrags im selben Jahr voll absetzbar.
Rürup-Rente und Todesfall: Ist das eingezahlte Kapital für die Familie verloren?
Die Angst, dass das über Jahrzehnte angesparte Kapital im Todesfall einfach an die Versicherung verfällt, ist einer der größten Hemmschuhe beim Abschluss einer Basisrente. Und tatsächlich: In der Grundkonfiguration ohne Zusatzvereinbarungen ist genau das der Fall. Stirbt der Versicherte vor oder während der Rentenphase, erhalten die Hinterbliebenen keine Leistungen. Dies ist der Preis für die steuerliche Förderung und den lebenslangen Rentenanspruch. Doch diese starre Regelung ist keineswegs alternativlos.
Die meisten Anbieter ermöglichen es, den Vertrag mit einem Hinterbliebenenschutz auszustatten. Dieser Zusatzbaustein sorgt dafür, dass im Todesfall eine Rente an den Ehepartner, den eingetragenen Lebenspartner oder an kindergeldberechtigte Kinder gezahlt wird. Eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt, dass ohne solche Zusatzvereinbarungen keine Leistungen an Hinterbliebene fließen. Die Absicherung der Familie ist also eine aktive Entscheidung bei Vertragsabschluss.

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind vielfältig. Eine Option ist die sogenannte „Rentengarantiezeit“. Stirbt der Versicherte innerhalb dieser vereinbarten Zeit (z.B. 10 Jahre nach Rentenbeginn), wird die Rente für die restliche Dauer an die berechtigten Hinterbliebenen weitergezahlt. Eine andere Möglichkeit ist die Beitragsrückgewähr, bei der die eingezahlten Beiträge (abzüglich der Kosten) als Rente an die Familie fließen. Diese Zusatzleistungen kosten zwar einen Teil der Rendite, verwandeln den starren Vertrag aber in ein flexibles Instrument zur Absicherung der Liebsten. Die Frage ist also nicht, *ob* das Kapital verloren ist, sondern *wie* man es effektiv schützt.
Basisrente mit ETFs: Wie Sie Steuerersparnis mit 7% Marktrendite kombinieren
Die klassische Rürup-Rente leidet oft unter dem Ruf, renditeschwach zu sein. Doch die Produktlandschaft hat sich enorm weiterentwickelt. Heute müssen Sie sich nicht mehr mit mageren Zinsen zufriedengeben. Sogenannte fondsgebundene Basisrenten ermöglichen es Ihnen, die eingezahlten Beiträge in den Kapitalmarkt zu investieren, insbesondere in kostengünstige und breit gestreute Exchange Traded Funds (ETFs). So kombinieren Sie den staatlichen Steuervorteil mit den Renditechancen der globalen Wirtschaft.
Ein Investment in einen weltweiten Aktien-ETF wie den MSCI World hat historisch eine durchschnittliche Rendite von etwa 7% pro Jahr erbracht. Durch die Integration in einen Rürup-Vertrag profitieren Sie doppelt: Ihre Beiträge senken Ihre Steuerlast, und das investierte Kapital kann über Jahrzehnte durch den Zinseszinseffekt wachsen. Anders als bei einem privaten ETF-Sparplan bleiben die Erträge und Kursgewinne während der gesamten Ansparphase abgeltungssteuerfrei. Die Besteuerung erfolgt erst im Rentenalter, dann aber meist zu einem niedrigeren persönlichen Steuersatz. Stiftung Warentest unterstreicht die Vorteile dieser Strategie. In einer Analyse heißt es klar:
Rürup-Fondssparpläne werden von DWS, Deka und Raisin Pension angeboten. Nur Raisin Pension erlaubt dabei auch in frei wählbare ETF zu investieren, was wir bei Fondssparplänen empfehlen.
– Stiftung Warentest, Test Rürup-Fondssparplan
Die Wahl des richtigen Anbieters und Tarifs ist entscheidend, da sich die Kostenstrukturen und die Auswahl an verfügbaren ETFs stark unterscheiden. Ein genauer Vergleich ist unerlässlich, um die Rendite nicht durch hohe Gebühren zu schmälern.
| Anbieter | Produkt | ETF-Auswahl | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Raisin Pension | ETF Rürup | Frei wählbare ETFs | Von Finanztip empfohlen |
| Europa | E-BRI | MSCI World ETFs verfügbar | 5 Sterne Morgen & Morgen |
| Condor | Congenial C79-H | iShares MSCI World | Nettotarif ohne Abschlusskosten |
Der goldene Käfig: Warum Sie eine Basisrente nie wieder kündigen oder beleihen können
Kommen wir zum Kern der Kritik: der Unflexibilität. Eine einmal abgeschlossene Basisrente ist unkündbar, nicht beleihbar, nicht übertragbar und nicht als Einmalkapital auszahlbar. Sie sind gefangen – allerdings in einem goldenen Käfig. Diese starren Regeln wurden vom Gesetzgeber bewusst so gestaltet, um das oberste Ziel zu sichern: eine lebenslange Rente. Genau diese Bevormundung, die viele Selbstständige abschreckt, ist in Wahrheit ein extrem wirksames Schutzinstrument.
Dieses Prinzip wird oft als „Vertrag mit dem Zukunfts-Ich“ bezeichnet. Es schützt Ihr angespartes Alterskapital vor den Versuchungen und Krisen des Lebens. Ein schlechtes Geschäftsjahr, eine teure Anschaffung oder einfach nur der Wunsch nach mehr Liquidität – bei einem privaten Sparplan wären Sie versucht, das Kapital anzutasten. Die Basisrente nimmt Ihnen diese Entscheidung ab. Sie ist ein Disziplinierungs-Instrument, das sicherstellt, dass Ihr Vorsorgevermögen auch wirklich für die Vorsorge verwendet wird.
Die „Hantel-Strategie“: Schutz vor sich selbst
Ein Experte von „Versicherungen mit Kopf“ erklärt den psychologischen Vorteil: „Es ist kein Geheimnis, dass wir in Deutschland Altersvorsorge nicht nur aufschieben, sondern auch schlichtweg nicht durchziehen. Und genau hier hilft die Basisrente, indem sie dich gar nicht in Versuchung bringt, Geld vorab aus dem Vertrag zu ziehen. Die Basisrente schützt quasi dein zukünftiges ‚Ich‘ vor den möglicherweise ‚dummen‘ Entscheidungen deines heutigen ‚Ichs‘.“
Zudem bietet dieser Käfig einen weiteren entscheidenden Vorteil: den Pfändungsschutz. Im Falle einer Insolvenz oder beim Bezug von Bürgergeld ist das in der Basisrente angesparte Kapital vollständig geschützt. Die eingezahlten Beiträge zur Basisrente werden nicht auf das Bürgergeld angerechnet und sind im Falle von Arbeitslosigkeit geschützt. Für Selbstständige, deren unternehmerisches Risiko immer mitschwingt, ist dies ein unschätzbarer Vorteil, der die eigene Existenz und die der Familie im Krisenfall sichert.

Rürup vs. GRV: Sollten Selbstständige lieber freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse zahlen?
Für viele Selbstständige stellt sich die Frage, ob eine freiwillige Einzahlung in die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) nicht die bessere Alternative zur privaten Basisrente ist. Beide Systeme gehören zur ersten Schicht der Altersvorsorge, und die Beiträge sind in beiden Fällen steuerlich absetzbar. Doch die zugrundeliegenden Mechanismen sind fundamental verschieden.
Die GRV funktioniert nach dem Umlageverfahren: Die heute eingezahlten Beiträge werden direkt zur Finanzierung der Renten der aktuellen Rentnergeneration verwendet. Sie erwerben damit einen Anspruch auf eine zukünftige Rente, deren Höhe jedoch von der demografischen Entwicklung und politischen Entscheidungen abhängt. Die Rürup-Rente hingegen basiert auf dem Kapitaldeckungsverfahren: Ihre Beiträge werden individuell für Sie am Kapitalmarkt angelegt und stehen Ihnen im Alter als verrentetes Kapital zur Verfügung. Sie sind also direkt am Erfolg Ihrer eigenen Anlage beteiligt.
Ein Vorteil der GRV sind die inkludierten Zusatzleistungen wie die Erwerbsminderungsrente und Rehabilitationsmaßnahmen, die bei Rürup separat abgesichert werden müssen. Demgegenüber steht bei der ETF-basierten Basisrente die Chance auf eine deutlich höhere Rendite durch die Partizipation am Kapitalmarkt. Während die GRV eine gewisse Grundsicherheit bietet, deren zukünftiger Wert aber unsicher ist (ein Eckrentner mit 45 Entgeltpunkten erhält aktuell eine Standardrente von etwa 1.835 Euro), hängt die Rürup-Rente von der Entwicklung der Märkte und den Kosten des Vertrags ab. Die Entscheidung ist somit auch eine Frage der persönlichen Risikotoleranz.
Entscheidungshilfe: GRV vs. Rürup für Selbstständige
- Alter bei Einstieg: Je jünger Sie sind, desto mehr Zeit hat der Zinseszinseffekt zu wirken, was für eine ETF-basierte Rürup-Rente spricht.
- Einkommenshöhe: Bei einem dauerhaft hohen Einkommen profitieren Sie stärker vom Rürup-Steuervorteil während der Ansparphase.
- Risikotoleranz: Die GRV bietet eine kalkulierbare, wenn auch potenziell sinkende Sicherheit. Rürup bietet Renditechancen, aber auch Kapitalmarktrisiken.
- Zusatzleistungen: Benötigen Sie eine integrierte Absicherung gegen Erwerbsminderung? Dann hat die GRV einen Vorteil.
- Flexibilität vs. Sicherheit: Rürup ist starr, aber insolvenz- und pfändungsgeschützt. Die GRV unterliegt politischen Risiken und Anpassungen.
Kann ein aktiver Manager den Markt schlagen oder ist der ETF immer überlegen?
Innerhalb der fondsgebundenen Rürup-Verträge stehen Sie vor einer weiteren Wahl: Sollen Sie auf aktiv gemanagte Fonds oder auf passive ETFs setzen? Aktive Fondsmanager versuchen, durch gezielte Aktienauswahl eine bessere Rendite als der Gesamtmarkt zu erzielen. Passive ETFs bilden lediglich einen Marktindex wie den MSCI World nach. Die Theorie klingt verlockend: Ein Experte wählt die Gewinner von morgen aus. Die Praxis sieht jedoch ernüchternd aus.
Zahlreiche Studien belegen, dass es den allermeisten aktiven Managern über lange Zeiträume nicht gelingt, den Markt nach Kosten zu schlagen. Der Hauptgrund dafür sind die hohen Kosten, die mit aktivem Management verbunden sind. Dazu gehören nicht nur die jährlichen Verwaltungsgebühren (TER), sondern oft auch Ausgabeaufschläge von bis zu 5 % auf jeden eingezahlten Beitrag sowie versteckte Provisionen („Kick-backs“). Diese Kosten fressen einen erheblichen Teil der potenziellen Überrendite auf und wirken wie eine ständige Bremse auf den Vermögensaufbau.
ETFs hingegen zeichnen sich durch ihre extrem niedrigen Kosten aus. Da sie lediglich einen Index passiv nachbilden, entfallen teure Analystenteams und Handelsaktivitäten. Die jährlichen Kosten liegen oft bei nur 0,1 % bis 0,3 %. Über einen Anlagehorizont von 20, 30 oder 40 Jahren kann dieser Kostenunterschied einen sechsstelligen Betrag in der Endsumme ausmachen. Für die langfristige Altersvorsorge, wie sie die Basisrente darstellt, ist die Kostenminimierung einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Aus diesem Grund empfehlen unabhängige Verbraucherschützer wie Finanztip fast ausnahmslos ETF-basierte Rürup-Verträge.
Basis, bAV, Privat: Welche Schicht wird im Alter wie hoch besteuert?
Um die Basisrente strategisch einordnen zu können, muss man das deutsche Drei-Schichten-Modell der Altersvorsorge verstehen. Jede Schicht wird vom Staat steuerlich unterschiedlich behandelt, sowohl in der Anspar- als auch in der Rentenphase.
Die 1. Schicht umfasst die Basisversorgung: die gesetzliche Rente, berufsständische Versorgungswerke und eben die Rürup-Rente. Hier gilt das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Das bedeutet: Die Beiträge sind in der Ansparphase bis zu hohen Höchstbeträgen steuerfrei, dafür werden die späteren Rentenzahlungen voll besteuert. Der Besteuerungsanteil steigt dabei schrittweise an. Eine Analyse von FragFina.de zeigt, dass von 50 % im Jahr 2005 gestartet, sind wir bei 85 % im Jahr 2025 und erreichen 2040 die 100 %. Die Logik dahinter: Im Alter ist der persönliche Steuersatz in der Regel niedriger als im Berufsleben, sodass unterm Strich ein Steuervorteil entsteht.
Die 2. Schicht beinhaltet die betriebliche Altersvorsorge (bAV) und die Riester-Rente. Auch hier gibt es staatliche Förderungen (Zulagen, Steuerersparnis), und die Renten sind später voll steuer- und sozialabgabenpflichtig. Die 3. Schicht ist die rein private Vorsorge, zum Beispiel ein ETF-Sparplan oder eine private Rentenversicherung. Hier erfolgt die Einzahlung aus bereits versteuertem Einkommen. Dafür ist die Besteuerung in der Auszahlungsphase sehr günstig: Bei Renten wird nur der geringe Ertragsanteil besteuert, bei Kapitalauszahlungen aus ETFs fällt die Abgeltungssteuer auf die Gewinne an.
Für Selbstständige ist die 1. Schicht über die Rürup-Rente oft die einzige Möglichkeit, von der vorteilhaften nachgelagerten Besteuerung in großem Stil zu profitieren. Der folgende Vergleich verdeutlicht die Unterschiede:
| Schicht | Produkt | Besteuerung Ansparphase | Besteuerung Rentenphase |
|---|---|---|---|
| 1. Schicht | Rürup/GRV | 100% absetzbar bis 29.344€ | 85% (2025) bis 100% (2040) |
| 2. Schicht | bAV/Riester | Förderung/Zulagen | Voll steuerpflichtig + KV-Beiträge |
| 3. Schicht | Private RV/ETF | Aus versteuertem Einkommen | Ertragsanteil/Abgeltungssteuer |
Das Wichtigste in Kürze
- Die Basisrente kombiniert hohe Steuerersparnis in der Ansparphase mit einer erzwungenen Spardisziplin.
- Die Unflexibilität ist ein bewusster Schutzmechanismus, der das Alterskapital vor Zugriffen und Insolvenz sichert.
- ETF-basierte Rürup-Verträge bieten die Chance, von Marktrenditen zu profitieren und Kosten zu minimieren.
Denkmalimmobilien: Steuersparmodell für Spitzenverdiener oder Sanierungsgrab?
Auf der Suche nach hohen Steuervorteilen stoßen Spitzenverdiener oft auf eine Alternative zur Basisrente: die Investition in eine Denkmalimmobilie. Durch die Denkmal-AfA (Absetzung für Abnutzung) können die Sanierungskosten über wenige Jahre vollständig von der Steuer abgesetzt werden, was zu einer massiven Steuerersparnis führt. Auf dem Papier wirkt dies oft noch attraktiver als die Rürup-Rente. Doch dieser Vergleich hinkt und vernachlässigt einen entscheidenden Aspekt: das Risiko.
Eine Immobilie stellt immer ein konzentriertes Klumpenrisiko dar. Ihr Investment ist an einen einzigen Standort, einen lokalen Mietmarkt und den Zustand eines einzigen Gebäudes gebunden. Unvorhergesehene Sanierungskosten, Mietausfälle oder eine negative Entwicklung der Region können die gesamte Kalkulation zunichtemachen. Die Denkmalimmobilie kann sich schnell vom Steuersparmodell zum Sanierungsgrab entwickeln. Ein ETF-basierter Rürup-Vertrag hingegen ermöglicht eine extrem breite globale Diversifikation. Ihr Kapital ist über tausende Unternehmen in dutzenden Ländern und Branchen gestreut. Das Risiko eines Totalausfalls eines einzelnen Unternehmens ist vernachlässigbar.
Das Prinzip der Risikodiversifikation spricht klar für die Rürup-Lösung als Fundament der Altersvorsorge. Die Denkmalimmobilie kann eine sinnvolle Ergänzung für sehr erfahrene und risikofreudige Investoren sein, die bereits eine solide Basisabsicherung haben. Als alleiniger Baustein für die Altersvorsorge ist sie jedoch hochriskant.
Eignungscheck: Denkmal-AfA vs. Rürup für Spitzenverdiener
- Faktor Zeit: Haben Sie die Zeit und Muße für Objektsuche, Sanierungsüberwachung und Vermietungsmanagement? → Wenn nein, ist Rürup die unkompliziertere Lösung.
- Faktor Expertise: Verfügen Sie über fundierte Immobilien- und Bauerfahrung, um Risiken realistisch einzuschätzen? → Wenn nein, ist Rürup sicherer.
- Faktor Liquidität: Benötigen Sie die Flexibilität, Ihre monatlichen Sparraten kurzfristig anzupassen oder zu pausieren? → Wenn ja, bietet Rürup mehr Spielraum als ein Immobilienkredit.
- Faktor Diversifikation: Soll dies Ihr einziger großer Altersvorsorgebaustein sein? → Wenn ja, spricht alles für die breite Streuung der Rürup-Lösung.
- Faktor Steuervorteil: Wollen Sie sofort, unkompliziert und mit kalkulierbarem Aufwand Steuern sparen? → Wenn ja, ist Rürup der direktere Weg.
Die Basisrente ist also weit mehr als ein starres Produkt mit Steuervorteil. Sie ist ein strategisches Instrument, das Disziplin erzwingt, vor Risiken schützt und gleichzeitig Renditechancen eröffnet. Der nächste logische Schritt besteht darin, eine fundierte Analyse Ihrer persönlichen Situation durchzuführen, um zu ermitteln, wie hoch Ihr Beitrag sein sollte und welche Produktvariante am besten zu Ihren Zielen passt.
Häufig gestellte Fragen zur Basisrente für Selbstständige
Warum empfiehlt Finanztip ETF-basierte Rürup-Verträge?
ETF-basierte Verträge ohne Garantie bieten die besten Renditechancen bei geringen Kosten. Finanztip empfiehlt weltweit gestreute ETFs wie den MSCI World, da sie eine breite Diversifikation sicherstellen und die teuren Gebühren aktiver Fondsmanager vermeiden.
Welche versteckten Kosten lauern bei aktiv gemanagten Rürup-Verträgen?
Die größten Kostenfresser sind Ausgabeaufschläge beim Kauf von Fondsanteilen, hohe laufende Verwaltungskosten (TER) und sogenannte Kick-backs (Provisionen, die an den Vermittler zurückfließen). Diese Gebühren können den Steuervorteil über die Jahre hinweg vollständig aufzehren.
Wie erkenne ich im Produktinformationsblatt die wahren Kosten?
Achten Sie auf die Effektivkostenquote. Diese Kennzahl fasst alle wesentlichen Kosten des Vertrags zusammen und drückt sie als prozentuale Minderung der Rendite pro Jahr aus. Bei guten und fairen ETF-Rürup-Verträgen liegt diese Quote deutlich unter 1 % pro Jahr.