Veröffentlicht am März 12, 2024

Der größte Hebel für den finanziellen Erfolg Ihres Kindes ist nicht die Jagd nach dem letzten Prozentpunkt Rendite, sondern eine disziplinierte, automatisierte Strategie, die auf Jahrzehnte ausgelegt ist.

  • Die Wahl eines breit gestreuten Welt-ETFs und die Minimierung der echten Kosten (Tracking Difference) sind wichtiger als die Wahl des Ausführungstages.
  • Eine dynamische Erhöhung der Sparrate, gekoppelt an Gehalts- oder Kindergelderhöhungen, entfesselt die wahre Kraft des Zinseszinses.

Empfehlung: Richten Sie einen Sparplan auf einen günstigen All-World-ETF ein, automatisieren Sie ihn und widerstehen Sie der Versuchung, ihn ständig zu „optimieren“. Konzentrieren Sie Ihre Energie stattdessen auf die regelmäßige Erhöhung der Sparrate.

Viele Eltern und Großeltern hegen den Wunsch, ihrem Nachwuchs einen finanziellen Vorsprung zu verschaffen. Der Gedanke an die Kosten für den Führerschein, das erste Auto oder ein Studium kann schnell überfordernd wirken. In einer Welt voller Finanzprodukte und vermeintlicher Geheimtipps suchen viele nach einer einfachen, aber wirkungsvollen Methode. Oft mündet die Suche in einem klassischen Sparkonto, das jedoch in Zeiten niedriger Zinsen kaum mehr als Werterhalt verspricht.

Die gängigen Ratschläge lauten dann oft: „Investieren Sie in ETFs!“ und „Fangen Sie früh an!“. Das ist richtig, kratzt aber nur an der Oberfläche. Die eigentliche Herausforderung liegt im Detail: Welcher ETF ist der richtige? Wie oft sollte ich die Strategie überprüfen? Und welche „Optimierungen“ sind wirklich sinnvoll und welche nur Zeitverschwendung? Die Gefahr besteht darin, sich in einem Dschungel aus Kostenquoten, Market-Timing-Versuchen und komplexen Strategien zu verlieren.

Doch was, wenn der Schlüssel zum Erfolg nicht im ständigen Tun, sondern im systematischen Nichtstun liegt? Dieser Artikel vertritt eine klare Haltung, die sich am Motto „Hin und her macht Taschen leer“ orientiert. Wir zeigen Ihnen, dass der langfristige Vermögensaufbau für Ihr Kind weniger mit hektischem Mikromanagement als mit stoischer Disziplin und dem Fokus auf wenige, entscheidende Stellschrauben zu tun hat. Es geht darum, ein robustes System einmal aufzusetzen und es dann für sich arbeiten zu lassen.

Wir werden die entscheidenden Fragen klären: von der Auswahl des richtigen Welt-Index über die wahren Kosten eines ETFs bis hin zur intelligenten Steuerplanung. Ziel ist es, Ihnen einen klaren, umsetzbaren Fahrplan an die Hand zu geben, mit dem Sie mit minimalem Aufwand die maximale Wirkung für die Zukunft Ihres Kindes erzielen.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die acht wichtigsten Aspekte, die Sie bei der Einrichtung und Verwaltung eines ETF-Sparplans für Kinder beachten sollten. Er hilft Ihnen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und kostspielige Fehler zu vermeiden.

Nur Industrieländer oder ganze Welt: Welcher Index passt zu Ihrem 30-Jahres-Plan?

Die erste und wichtigste Entscheidung betrifft das Fundament Ihrer Anlage: den Index. Lange Zeit galt der MSCI World als Goldstandard. Er bildet die Entwicklung von rund 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab. Doch bei einem Anlagehorizont von 18 Jahren oder mehr birgt dieser Index ein oft übersehenes Klumpenrisiko. Die Wirtschaftsmacht verschiebt sich global, und aufstrebende Märkte wie China, Indien oder Brasilien spielen eine immer größere Rolle. Diese sogenannten Schwellenländer fehlen im MSCI World komplett.

Ein Blick auf die Zusammensetzung zeigt das Problem: Der MSCI World hat einen extrem hohen US-Anteil. Laut aktueller Indexzusammensetzung machen allein US-Aktien über 70% des Index aus. Das ist eine massive Wette auf eine einzige Volkswirtschaft. Für einen echten 30-Jahres-Plan, der auch wirtschaftliche Verschiebungen überstehen soll, ist eine breitere Streuung die diszipliniertere Wahl. Indizes wie der MSCI All Country World (ACWI) oder der FTSE All-World schließen Schwellenländer mit ein und verteilen das Kapital auf über 47 Länder. Sie kaufen damit quasi „die ganze Welt“ und müssen sich keine Gedanken über die zukünftige Wirtschaftskraft einzelner Regionen machen.

Dieser Ansatz des „Buy the whole haystack“ (Kaufe den ganzen Heuhaufen) nimmt Ihnen die Notwendigkeit, zukünftige Gewinner-Regionen vorhersagen zu müssen. Es ist die reinste Form des passiven Investierens und schützt das Depot Ihres Kindes vor geografischen Klumpenrisiken. Die leicht höheren Kostenquoten dieser breiteren ETFs sind der Preis für eine deutlich robustere Diversifikation.

Praxisbeispiel: Die Core-Satellite-Strategie für ein greifbares Investment

Eine Familie möchte, dass ihr Kind das Investment versteht. Statt 100% in einen einzigen Welt-ETF zu investieren, wählen sie eine Aufteilung: 80% des Geldes fließen in einen MSCI ACWI, der mit über 1.300 Positionen aus 23 Ländern eine breite Basis schafft. Die restlichen 20% werden in einen thematischen ETF wie „Clean Energy“ investiert. So profitiert das Depot von der stabilen, breiten Diversifikation des Kerninvestments, während das Kind durch den „sauberen Energie“-Anteil einen greifbaren Bezug zu seiner Geldanlage hat und Themen wie Nachhaltigkeit spielerisch lernt.

Für den langfristigen Vermögensaufbau ist die Antwort also klar: Ein All-World-Ansatz bietet die solideste und disziplinierteste Grundlage, um sorgenfrei durch die nächsten Jahrzehnte zu navigieren.

Tracking Difference: Warum ein ETF mit 0,20% Kosten teurer sein kann als einer mit 0,50%

Bei der ETF-Auswahl starren die meisten Anleger gebannt auf eine einzige Kennzahl: die Gesamtkostenquote, bekannt als Total Expense Ratio (TER). Sie gibt an, welche jährlichen Kosten für die Verwaltung des Fonds anfallen. Ein niedrigerer TER scheint logischerweise immer besser. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die viel entscheidendere, aber oft ignorierte Kennzahl ist die Tracking Difference (TD).

Die Tracking Difference misst die tatsächliche Abweichung der ETF-Performance von der Performance seines Referenzindex. Sie berücksichtigt nicht nur die TER, sondern auch alle anderen Faktoren wie Transaktionskosten innerhalb des Fonds, Steuereffekte oder Einnahmen aus der Wertpapierleihe. Eine negative TD bedeutet, dass der ETF sogar besser abgeschnitten hat als sein Index, oft weil Einnahmen aus der Wertpapierleihe die Verwaltungskosten überkompensiert haben. Eine positive TD zeigt, dass der ETF schlechter war als der Index, und zwar um mehr als nur die TER.

Dieser Indikator ist der wahre Gradmesser für die Effizienz eines ETFs. Es ist absolut möglich, dass ein ETF mit einem TER von 0,50 % eine TD von -0,10 % aufweist (also 0,10 % besser als der Index war), während ein anderer mit einem TER von 0,20 % eine TD von +0,10 % hat (also 0,10 % schlechter war). Der vermeintlich teurere ETF war in der Realität der profitablere.

Makroaufnahme von Münzstapeln mit unterschiedlichen Höhen zur Visualisierung der Kostendifferenzen

Die gute Nachricht: Für viele große, etablierte ETFs von Anbietern in Deutschland ist die Tracking Difference exzellent. So zeigen aktuelle Tracking-Daten, dass der Xtrackers MSCI World seit 2015 eine durchschnittliche Tracking Difference von nur -0,05% aufweist. Er war also im Schnitt sogar leicht besser als sein Index, trotz Kosten. Der Fokus auf die TD statt nur auf die TER ist eine der wenigen „Optimierungen“, die sich langfristig wirklich auszahlen.

Die folgende Tabelle vergleicht einige in Deutschland populäre MSCI World ETFs und zeigt, wie gering die Unterschiede bei TER und TD in der Praxis oft sind, was die Auswahl erleichtert.

Vergleich populärer MSCI World ETFs in Deutschland (Daten sind illustrativ)
ETF-Anbieter TER Tracking Difference Domizil
iShares Core MSCI World 0,20% -0,08% Irland
Xtrackers MSCI World 0,19% -0,05% Irland
SPDR MSCI World 0,12% -0,10% Irland

Anstatt also blind den ETF mit dem niedrigsten TER zu wählen, sollten Sie einen kurzen Blick auf die historische Tracking Difference werfen. Dies ist eine der wenigen Stellschrauben, bei der ein kleiner Mehraufwand bei der Recherche einen echten, messbaren Mehrwert über Jahrzehnte liefert.

Sparrate dynamisieren: Warum eine jährliche Erhöhung um 5% den Zinseszins explodieren lässt

Der größte Hebel für den langfristigen Vermögensaufbau ist nicht die perfekte ETF-Auswahl oder das Timing, sondern die Höhe und das Wachstum der Sparrate. Selbst kleine, aber regelmäßige Erhöhungen haben durch den Zinseszinseffekt eine gewaltige Wirkung. Das Konzept der dynamischen Sparrate ist einfach, aber genial: Statt über 18 Jahre stur bei 50 Euro pro Monat zu bleiben, passen Sie die Rate systematisch an Ihre finanziellen Möglichkeiten an.

Ein perfekter Ankerpunkt dafür ist das Kindergeld. Nach aktueller Gesetzeslage in Deutschland ist eine Erhöhung des Kindergelds geplant, was zusätzliche Mittel freisetzt. Anstatt dieses Geld im Alltagsbudget versickern zu lassen, können Sie es direkt in die Zukunft Ihres Kindes investieren. Jede Erhöhung des Kindergelds, jede Gehaltserhöhung oder jeder unerwartete Geldsegen kann (teilweise) genutzt werden, um die Sparrate automatisch zu steigern.

Setzen Sie sich zum Beispiel das Ziel, die Sparrate jedes Jahr um 5 % zu erhöhen. Aus 50 Euro werden im zweiten Jahr 52,50 Euro, im dritten 55,13 Euro und so weiter. Das klingt nach wenig, aber über 18 Jahre summiert sich dieser Effekt dramatisch. Diese Methode hat auch einen psychologischen Vorteil: Die Erhöhungen sind so gering, dass sie im monatlichen Budget kaum auffallen. Sie automatisieren damit nicht nur das Sparen, sondern auch dessen Steigerung. Dies ist der wahre Motor des Zinseszinseffekts.

Ihr Plan zur Dynamisierung der Sparrate: Die Kindergeld-Strategie

  1. Basis-Sparrate einrichten: Beginnen Sie mit einem festen Betrag, z.B. 50 Euro monatlich, per Dauerauftrag.
  2. Kindergelderhöhungen nutzen: Leiten Sie bei jeder gesetzlichen Erhöhung des Kindergeldes die volle Differenz zusätzlich in den Sparplan um.
  3. Inflationsausgleich schaffen: Erhöhen Sie die Sparrate einmal jährlich pauschal um 2-3 %, um die Geldentwertung auszugleichen.
  4. An Tariferhöhungen partizipieren: Geben Sie einen kleinen Teil Ihrer Gehaltserhöhungen (z.B. 10 % der Netto-Erhöhung) an den Sparplan weiter.
  5. Automatisierung prüfen: Richten Sie einen Sparplan ein, der eine jährliche Dynamisierung um einen festen Prozentsatz automatisch ermöglicht, oder passen Sie den Dauerauftrag einmal im Jahr manuell an.

Vergessen Sie die Jagd nach dem letzten Prozentpunkt Rendite. Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, die Maschine mit immer mehr „Treibstoff“ zu versorgen. Das ist der direkteste und sicherste Weg zu einem beeindruckenden Endvermögen.

Monatsanfang oder Mitte: Welcher Ausführungstag bringt statistisch mehr Rendite?

Eine der am häufigsten diskutierten Fragen in Finanzforen ist die nach dem optimalen Ausführungstag für einen ETF-Sparplan. Sollte man am 1. oder am 15. des Monats investieren? Die Theorie dahinter: Zu Monatsanfang fließen viele Gehälter und damit auch viel Geld in den Markt, was die Kurse tendenziell treibt. Eine Ausführung in der Monatsmitte könnte also günstigere Einstiegskurse ermöglichen. Zahlreiche Studien haben versucht, diesen Effekt nachzuweisen – mit widersprüchlichen und letztlich unbedeutenden Ergebnissen.

Selbst wenn es einen minimalen statistischen Vorteil gäbe, wäre dieser über einen Zeitraum von 18 bis 20 Jahren so verschwindend gering, dass er im Rauschen der Marktschwankungen untergeht. Die Energie und die mentale Kapazität, die in die Optimierung dieses Details fließen, stehen in keinem Verhältnis zum potenziellen Ertrag. Dies ist ein klassisches Beispiel für unnötiges Mikromanagement. Es lenkt vom Wesentlichen ab: der Regelmäßigkeit und der Höhe der Sparrate.

Der deutsche ETF-Experte Gerd Kommer fasst diese Philosophie treffend zusammen:

Time in the market beats timing the market – auch bei der Wahl des Sparplan-Ausführungstages

– Gerd Kommer, ETF-Experte und Buchautor

Die wichtigste Erkenntnis ist: Der beste Ausführungstag ist der, der zu Ihrem Gehaltseingang passt und die reibungslose, automatisierte Ausführung sicherstellt. Ob das der 1., 5. oder 15. ist, ist für den langfristigen Erfolg vollkommen irrelevant. Richten Sie den Sparplan einmal ein und lassen Sie ihn laufen – ohne sich je wieder Gedanken über den Wochentag oder das Datum zu machen. Das ist der Inbegriff des passiven, stoischen Investierens.

Minimalistischer Arbeitsplatz mit Kalender und automatisierten Finanzplanungstools

Konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die entscheidenden Stellschrauben wie Kosten und Sparrate. Die Wahl des Ausführungstages gehört definitiv nicht dazu. Betrachten Sie es als gelöstes Problem und widmen Sie sich wichtigeren Dingen.

Steuerstundung nutzen: Wann ist ein thesaurierender ETF die steuerlich bessere Wahl?

Die Wahl zwischen einem ausschüttenden und einem thesaurierenden ETF hat erhebliche steuerliche Konsequenzen. Ein ausschüttender ETF zahlt die Dividenden der enthaltenen Aktien direkt auf Ihr Verrechnungskonto aus. Ein thesaurierender ETF reinvestiert die Dividenden sofort wieder, was den Zinseszinseffekt verstärkt. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist der thesaurierende ETF meist die bessere Wahl, aber eine clevere Strategie kombiniert beide Varianten.

In Deutschland hat jede Person einen jährlichen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro. Kapitalerträge bis zu dieser Höhe sind steuerfrei. Auch Kinder haben diesen Freibetrag. In den ersten Jahren, in denen das Depot noch klein ist, sind die Ausschüttungen eines ausschüttenden ETFs oft so gering, dass sie unter diesem Freibetrag bleiben. Durch die Einrichtung einer Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) für Ihr Kind können Sie sogar den noch höheren Grundfreibetrag nutzen. So bleiben die Erträge komplett steuerfrei.

Sobald die jährlichen Ausschüttungen jedoch den Freibetrag zu übersteigen drohen, wird ein Strategiewechsel sinnvoll. Ab diesem Punkt ist ein thesaurierender ETF die steuerlich intelligentere Wahl. Da keine Ausschüttungen fließen, fallen auch keine Steuern an. Die Steuer wird quasi in die Zukunft „gestundet“, bis der ETF eines Tages verkauft wird. Dieser Steuerstundungseffekt wirkt wie ein zusätzlicher Zinseszins. Ein weiterer, entscheidender Punkt ist die BAföG-Anrechnung. Gemäß aktueller BAföG-Regelung liegt der Vermögensfreibetrag für Empfänger unter 30 Jahren bei 15.000 Euro. Vermögen darüber hinaus kann den BAföG-Anspruch reduzieren. Ein thesaurierender ETF, der keine laufenden Erträge generiert, die als Einkommen gewertet werden könnten, ist hier vorteilhaft. Zudem lässt sich der Sparplan stoppen, kurz bevor der Depotwert die kritische Grenze erreicht.

Praxisbeispiel: Strategiewechsel mit 14 Jahren

Eine Familie aus München bespart für ihre Tochter einen ausschüttenden ETF. Dank einer NV-Bescheinigung bleiben die jährlichen Dividendenerträge bis zum 14. Lebensjahr des Kindes steuerfrei, da sie unter dem Grundfreibetrag liegen. Als die Ausschüttungen den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro zu übersteigen drohen, verkaufen sie den ausschüttenden ETF und legen das gesamte Kapital in einem identischen, aber thesaurierenden ETF an. Der Sparplan läuft auf diesen weiter. Als das Depot mit 16 Jahren einen Wert von 14.500 Euro erreicht, wird der Sparplan pausiert. So bleibt der BAföG-Anspruch für ein späteres Studium in voller Höhe erhalten.

Die richtige Kombination aus ausschüttenden und thesaurierenden ETFs, angepasst an das Alter und den Depotwert des Kindes, ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit wenigen, aber durchdachten Entscheidungen das Endergebnis maßgeblich verbessert.

Tagesgeld-Hopping: Lohnt sich der ständige Bankwechsel für 0,5% mehr Zinsen wirklich?

Neben dem ETF-Sparplan für den langfristigen Vermögensaufbau legen viele Eltern Geld für kurz- bis mittelfristige Ziele auf einem Tagesgeldkonto zurück. Hier locken Banken oft mit Neukundenangeboten, die 0,5 % oder sogar 1 % mehr Zinsen versprechen als die Hausbank. Es beginnt die Jagd nach dem besten Angebot, das sogenannte „Tagesgeld-Hopping“: Konten werden eröffnet, Gelder verschoben und nach Ablauf der Zinsgarantie beginnt das Spiel von vorn.

Doch ist dieser Aufwand den Ertrag wirklich wert? Rechnen wir nach: Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro bringt ein um 0,5 % höherer Zinssatz einen Mehrertrag von 50 Euro pro Jahr – vor Steuern. Der Zeitaufwand für Recherche, Kontoeröffnung, Ident-Verfahren und die Verwaltung mehrerer Konten kann sich schnell auf mehrere Stunden pro Jahr summieren. Stellt man diesen Aufwand dem Ertrag gegenüber, wird klar: Der „Stundenlohn“ für diese Tätigkeit ist oft ernüchternd.

Hier kommt das Konzept der Opportunitätskosten der Aufmerksamkeit ins Spiel. Die Zeit und die mentale Energie, die Sie in die Optimierung Ihres Tagesgeldkontos stecken, könnten Sie in Aktivitäten mit einem weitaus höheren Wirkungsgrad investieren. Zum Beispiel in die Recherche, wie Sie Ihre ETF-Sparrate erhöhen können, oder in das Verständnis der Tracking Difference, was über Jahrzehnte Tausende von Euro Unterschied machen kann. Die Idee von Stiftung Warentest, dass Tagesgeld ein „Sicherheitsbaustein“ für die letzten Jahre vor dem Ziel ist und nicht die „Renditemaschine“, trifft den Nagel auf den Kopf.

Die folgende Tabelle stellt den Aufwand und Ertrag von zwei verschiedenen „Optimierungs“-Aktivitäten gegenüber und macht die unterschiedliche Hebelwirkung deutlich.

Opportunitätskosten: Tagesgeld-Optimierung vs. ETF-Recherche
Aktivität Zeitaufwand/Jahr Potenzielle Mehrrendite Effekt über 18 Jahre
Tagesgeld-Hopping (0,5% mehr) 12 Stunden 50€ bei 10.000€ 900€
ETF-Optimierung (bessere TD) 3 Stunden einmalig 0,1% p.a. auf Gesamtvermögen 2.500€+

Die Fokussierung auf die wirklich wirksamen Hebel ist entscheidend. Die Bewertung der Opportunitätskosten hilft dabei, Prioritäten richtig zu setzen.

Akzeptieren Sie einen „guten genug“ Zinssatz bei einer vertrauenswürdigen Bank für Ihren Sicherheitsbaustein und widmen Sie Ihre kostbare Zeit den Entscheidungen, die den langfristigen Erfolg Ihres ETF-Sparplans wirklich beeinflussen.

Rentenbescheid lesen und verstehen: Was die Zahl „Monatliche Rente“ wirklich wert ist

Einmal im Jahr erhalten die meisten Arbeitnehmer in Deutschland ihre Renteninformation. Sie zeigt eine oft ernüchternde Zahl: die prognostizierte monatliche Rente. Dieses Dokument ist für viele der erste Berührungspunkt mit der Notwendigkeit privater Vorsorge. Was hat das mit dem Sparplan für Ihr Kind zu tun? Alles. Der jährliche Depotauszug Ihres Kindes ist im Grunde dessen erster, eigener „Rentenbescheid“.

Nutzen Sie diesen Moment, um Ihrem Kind (altersgerecht) die Macht des Kapitalmarktes und des Zinseszinseffekts zu erklären. Gehen Sie den Auszug gemeinsam durch. Zeigen Sie auf, wie viel Geld eingezahlt wurde und wie viel das Depot durch die Kursentwicklung und reinvestierte Erträge gewachsen ist. Dieser sichtbare, greifbare Erfolg ist weitaus motivierender als jede theoretische Erklärung. Es ist der Beweis, dass das Geld „arbeitet“.

Ziehen Sie die Parallele zu Ihrer eigenen Rente. Erklären Sie, dass der ETF-Sparplan eine Form der privaten Vorsorge ist, die auf den gleichen Prinzipien beruht, aber potenziell viel ertragreicher ist. Die implizite Rendite der gesetzlichen Rente liegt oft nur bei 2-3 %, während ein breit gestreuter Aktien-ETF historisch gesehen eine deutlich höhere Rendite erzielen konnte. Die durchschnittliche DAX-Rendite über lange Zeiträume zeigt das Potenzial des Kapitalmarktes eindrucksvoll. So vermitteln Sie nicht nur Finanzwissen, sondern auch ein Gefühl von Verantwortung und die Bedeutung langfristigen Denkens.

Drei Generationen einer Familie betrachten gemeinsam Wachstum eines symbolischen Baumes

Der Depotauszug wird so vom reinen Verwaltungspapier zum wertvollen pädagogischen Werkzeug. Er macht den abstrakten Vermögensaufbau konkret und schafft eine positive Verbindung zum Thema Finanzen.

  • Gehen Sie jährlich gemeinsam den Depotauszug durch.
  • Besprechen Sie die Entwicklung der letzten 12 Monate.
  • Erklären Sie den Zinseszinseffekt anhand der realen Zahlen im Depot.
  • Vergleichen Sie den aktuellen Depotwert mit der Summe der eingezahlten Beträge.
  • Erstellen Sie gemeinsam eine spielerische Hochrechnung auf die Volljährigkeit.

Die Reframing des Depotauszugs als Lerninstrument ist ein wichtiger Schritt zur finanziellen Bildung. Diese Perspektive zu verinnerlichen, schafft einen nachhaltigen Mehrwert über die reine Rendite hinaus.

Indem Sie den Depotauszug als den „ersten Rentenbescheid“ Ihres Kindes behandeln, legen Sie den Grundstein für dessen finanzielle Souveränität und zeigen ihm, dass es seine Zukunft aktiv gestalten kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fokus auf das Wesentliche: Ein breit gestreuter Welt-ETF, niedrige echte Kosten (Tracking Difference) und eine stetig wachsende Sparrate sind die drei Säulen des Erfolgs.
  • Vermeiden Sie Mikromanagement: Die Optimierung des Ausführungstages oder das ständige Jagen nach den besten Tagesgeldzinsen kostet mehr Energie, als es einbringt.
  • Denken Sie strategisch: Nutzen Sie Steuerfreibeträge clever, indem Sie von ausschüttenden zu thesaurierenden ETFs wechseln und behalten Sie BAföG-Grenzen im Blick.

Aktienbewertung für Einsteiger: Wie Sie mit dem KGV erkennen, ob eine Aktie zu teuer ist

Sobald sich Kinder oder Enkel für das Thema Börse interessieren, kommt oft die Frage nach Einzelaktien auf. „Sollen wir nicht Aktien von Apple oder Adidas kaufen?“ Die Versuchung ist groß, auf bekannte Namen zu setzen. Damit einher geht oft der Wunsch, zu verstehen, ob eine Aktie „günstig“ oder „teuer“ ist. Eine beliebte Kennzahl dafür ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie. Ein niedriges KGV gilt oft als günstig, ein hohes als teuer.

Doch die Analyse von Einzelaktien und deren Kennzahlen ist eine aktive Anlagestrategie, die dem passiven Grundgedanken widerspricht. Sie erfordert Zeit, Wissen und ein hohes Maß an Diversifikation, um das Risiko eines Totalverlusts einzelner Positionen zu mindern. Genau hier spielt ein breit gestreuter ETF seine größte Stärke aus: Er nimmt Ihnen diese Arbeit ab. Ein ETF auf den MSCI World mit über 1.300 Aktien bietet automatisch das Durchschnitts-KGV des gesamten Weltmarktes. Sie müssen sich nie wieder fragen, ob eine einzelne Aktie zu teuer ist, denn Sie besitzen einfach alle.

Dies ist die ultimative Form der Risikostreuung und des systematischen Nichtstuns. Anstatt auf einzelne Pferde zu wetten, kaufen Sie die ganze Rennbahn. Das mag weniger aufregend sein als die Jagd nach der nächsten „Tenbagger“-Aktie, ist aber für 99% der Anleger die deutlich erfolgreichere und stressfreiere Strategie für den Kern des Vermögensaufbaus. Die Energie, die in die KGV-Analyse einer Aktie fließen würde, ist besser in die Erhöhung der Sparrate investiert.

Praxisbeispiel: Das „Spielgeld-Depot“ als lehrreiches Experiment

Eine Familie aus Hamburg möchte dem Wunsch ihres 14-jährigen Sohnes nachkommen, in eine Einzelaktie zu investieren. Neben dem Haupt-ETF-Sparplan richten sie ein kleines separates Depot mit 100 Euro ein. Der Sohn entscheidet sich für eine Aktie von Adidas. Er verfolgt aktiv den Kurs, liest die Quartalsberichte und beobachtet das KGV. Nach einem Jahr vergleichen sie die Performance des „Spielgeld-Depots“ mit dem langweiligen Welt-ETF. Das Ergebnis: Der ETF hat sich stabiler entwickelt und eine bessere Rendite erzielt. Der Sohn hat eine unbezahlbare Lektion über das Risiko von Einzelwetten im Vergleich zur Kraft der Diversifikation gelernt, ohne das Hauptvermögen zu gefährden.

Beginnen Sie noch heute damit, dieses einfache, aber extrem wirkungsvolle System für Ihr Kind aufzusetzen. Die Einrichtung eines ETF-Sparplans bei einer Direktbank dauert oft nur wenige Minuten und ist der erste, entscheidende Schritt in eine finanziell abgesicherte Zukunft für Ihren Nachwuchs.

Geschrieben von Michael Bauer, Bankkaufmann und geprüfter Immobilienökonom (ADI) mit 15 Jahren Erfahrung in der Baufinanzierung und Immobilienbewertung. Er berät Kapitalanleger und Eigenheimerwerber bei der Strukturierung optimaler Finanzierungskonzepte.