Veröffentlicht am März 15, 2024

Der wahre Gewinn einer Kapitalanlage-Immobilie liegt nicht in der spekulativen Wertsteigerung, sondern im berechenbaren monatlichen Cashflow und der steuerlichen Optimierung.

  • Der Leverage-Effekt vervielfacht Ihre Eigenkapitalrendite durch den gezielten Einsatz von Fremdkapital.
  • Steuerliche Verluste aus Vermietung und Verpachtung können Ihr zu versteuerndes Einkommen aus anderen Quellen direkt reduzieren.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich bei der Objektauswahl ausschließlich auf die erzielbare Nettomietrendite nach allen Kosten und kalkulieren Sie die Wertentwicklung als optionalen Bonus, nicht als primäres Ziel.

Die Idee vom „Betongold“ ist tief in der deutschen Anlegerseele verankert: Eine Immobilie kaufen, vermieten und zusehen, wie der Wert über die Jahre steigt. Lange Zeit funktionierte dieses Modell dank niedriger Zinsen und stetig steigender Preise fast von allein. Doch die Zeiten haben sich geändert. Hohe Zinsen, stagnierende oder fallende Kaufpreise und regulatorische Unsicherheiten wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) haben die Spielregeln fundamental verändert. Wer heute noch auf das Prinzip „Kaufen und Hoffen“ setzt, betreibt reine Spekulation.

Die landläufige Meinung konzentriert sich oft auf oberflächliche Mantras wie „Lage, Lage, Lage“ oder die simple Annahme, dass Immobilienwerte quasi naturgegeben steigen. Doch was, wenn dieser Fokus auf eine ungewisse Wertsteigerung eine strategische Falle ist? Was, wenn der kluge Kapitalanleger heute nicht mehr hofft, sondern rechnet? Der entscheidende Paradigmenwechsel liegt darin, eine Immobilie nicht als Wertspeicher, sondern als präzise kalibrierte Rendite-Maschine zu betrachten. Es geht um den monatlichen, berechenbaren Überschuss, den die Immobilie generiert – den Cashflow.

Dieser Artikel demontiert den Mythos der Wertsteigerung als primäres Investitionsziel. Er führt Sie durch eine zahlenbasierte, emotionslose Analyse, die für jeden angehenden Investor essenziell ist. Wir werden untersuchen, wie Sie Standorte anhand von harten Daten bewerten, den Fremdkapitalhebel zu Ihrem Vorteil nutzen, Risiken wie Mietausfall einkalkulieren und die Immobilie als mächtigen Steuerhebel einsetzen, um Ihr hohes Gehalt effektiv zu entlasten. Das Ziel ist klar: eine Investitionsstrategie, die auf mathematischer Logik beruht, nicht auf vager Hoffnung.

Der folgende Leitfaden bietet Ihnen eine strukturierte Übersicht über die entscheidenden Faktoren, die eine Immobilie zu einer profitablen Kapitalanlage machen. Jeder Abschnitt liefert konkrete, zahlenbasierte Einblicke für Ihre Investitionsentscheidung.

Lage, Lage, Lage: Wie Sie C-Lagen mit Zukunftspotenzial von sterbenden Regionen unterscheiden

Die Plattitüde „Lage, Lage, Lage“ ist für den renditeorientierten Investor unbrauchbar. Es geht nicht darum, in der teuersten A-Lage mit minimaler Rendite zu kaufen, sondern darum, B- oder C-Lagen mit Entwicklungspotenzial zu identifizieren. Während die Preise in Metropolen wie München oft nur noch Mietrenditen von 3-4 % zulassen, bieten Städte mit 50.000 bis 200.000 Einwohnern häufig deutlich attraktivere Konditionen. Eine datenbasierte Analyse ist hier der Schlüssel, um eine aufstrebende Region von einer demografisch sterbenden zu unterscheiden. Der Fokus liegt auf harten Fakten: Bevölkerungsentwicklung, Arbeitslosenquote und Kaufkraft.

Die Standortanalyse ist keine Gefühlssache, sondern ein systematischer Prozess. Sie beginnt am Schreibtisch mit der Auswertung öffentlich zugänglicher Daten, beispielsweise vom Statistischen Bundesamt (Destatis). Ein positiver Wanderungssaldo (mehr Zuzug als Wegzug) und eine junge Altersstruktur sind starke Indikatoren für eine wachsende Nachfrage nach Wohnraum. Parallel dazu müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Eine niedrige Arbeitslosenquote und eine hohe Kaufkraft deuten auf eine stabile Mieterschaft hin. Geplante Infrastrukturprojekte, wie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder des Breitbandnetzes, können zukünftige Werttreiber sein. Erst nach dieser gründlichen Voranalyse folgt die unerlässliche Begehung vor Ort, um die „weiche“ Qualität des Mikrostandorts zu bewerten: Sauberkeit, gefühlte Sicherheit und die Qualität der lokalen Geschäfte.

Praxisbeispiel: B-Lagen als Renditetreiber

Eine Analyse von Immobilieninvestments in Deutschland zeigt einen klaren Trend: In B-Lagen lässt sich oft eine höhere Rentabilität erzielen. Ein konkretes Beispiel ist eine Wohnung in einer süddeutschen B-Stadt, die bei moderaten Kaufpreisen eine Mietrendite von 8,3 % erzielte. Vergleichbare Objekte in der nächstgelegenen A-Lage (München) erreichten zur gleichen Zeit kaum mehr als 3-4 %. Dies unterstreicht, dass eine datengestützte Suche abseits der überhitzten Märkte entscheidend für den Erfolg als Kapitalanleger ist.

Der Leverage-Effekt: Wie Sie mit 10% Eigenkapital Ihre Eigenkapitalrendite auf 20% hebeln

Der wohl mächtigste Mechanismus für Immobilieninvestoren ist der Leverage- oder Hebeleffekt. Er beschreibt, wie der gezielte Einsatz von Fremdkapital (also dem Geld der Bank) die Rendite auf Ihr eingesetztes Eigenkapital vervielfachen kann. Die Logik dahinter ist simpel: Wenn die Gesamtrendite Ihrer Immobilie (Mietrendite + potenzielle Wertsteigerung) höher ist als der Zinssatz, den Sie für Ihr Darlehen zahlen, erwirtschaftet das Fremdkapital einen Gewinn für Sie. Sie setzen also das Geld anderer Leute ein, um Ihr eigenes Vermögen überproportional zu steigern. Dies ist der Grund, warum es für einen Kapitalanleger unklug ist, eine Immobilie vollständig mit Eigenkapital zu kaufen.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Wohnung für 200.000 €, die eine Objektrendite von 5 % (10.000 € pro Jahr) abwirft. Würden Sie die Wohnung komplett selbst bezahlen, läge Ihre Eigenkapitalrendite ebenfalls bei 5 %. Finanzieren Sie jedoch 90 % (180.000 €) über ein Darlehen mit einem Zinssatz von beispielsweise aktuellen Marktdaten zufolge ca. 3,4 %, sieht die Rechnung anders aus. Sie zahlen jährlich 6.120 € Zinsen. Ihr Gewinn beträgt 10.000 € – 6.120 € = 3.880 €. Bezogen auf Ihr eingesetztes Eigenkapital von nur 20.000 € entspricht dies einer Eigenkapitalrendite von 19,4 %. Sie haben Ihre Rendite fast vervierfacht.

Visualisierung des Leverage-Effekts bei Immobilienfinanzierung mit steigender Eigenkapitalrendite

Die folgende Tabelle verdeutlicht, wie stark die Eigenkapitalquote die Rendite beeinflusst. Bei einer konstanten Objektrendite von 5% sinkt die Eigenkapitalrendite, je mehr eigenes Geld Sie einsetzen.

Hebelwirkung bei verschiedenen Eigenkapitalquoten
Eigenkapital Fremdkapital Objektrendite Eigenkapitalrendite
10% 90% 5% 14%
20% 80% 5% 9%
30% 70% 5% 7%
100% 0% 5% 5%

Mietnomaden und Leerstand: Wie Sie das Risiko eines Totalausfalls kalkulieren und absichern

Zwei der größten Ängste jedes Vermieters sind zahlungsunwillige Mieter, sogenannte Mietnomaden, und längerer Leerstand. Diese Risiken zu ignorieren, ist naiv. Sie als zahlenbasierter Investor betrachten diese Szenarien jedoch nicht als unkontrollierbare Katastrophen, sondern als kalkulatorisches Risiko. Das bedeutet, Sie quantifizieren die potenzielle Schadenshöhe und bauen von vornherein Puffer und Prozesse auf, um die finanziellen Folgen abzufedern. Der erste Schritt ist die Bildung einer ausreichenden Mietausfallrücklage. Eine gängige Faustregel ist, 1,5 bis 2 Monatskaltmieten pro Jahr als Rücklage für Mietausfälle und unvorhergesehene Instandhaltungen zur Seite zu legen. Bei einer monatlichen Miete von 800 € wären das 1.200 € bis 1.600 € pro Jahr.

Der weitaus wichtigere Hebel ist jedoch die Prävention. Eine professionelle und rigorose Mieterprüfung ist Ihr bester Schutz vor Zahlungsausfällen. Verlassen Sie sich niemals auf Ihr Bauchgefühl. Ein standardisierter Prozess ist unerlässlich. Dazu gehören die Anforderung einer Schufa-Auskunft, die Überprüfung der Einkommensnachweise der letzten drei Monate (die Miete sollte idealerweise nicht mehr als 30 % des Haushaltsnettoeinkommens ausmachen) und das Einholen einer Mietschuldenfreiheitsbescheinigung des Vorvermieters. Ein kurzer Anruf beim Vorvermieter kann oft mehr enthüllen als jedes Dokument. Ein persönliches Gespräch dient dazu, einen Eindruck von der Zuverlässigkeit und dem Umgangston des potenziellen Mieters zu gewinnen. Die Vereinbarung einer Kaution in Höhe von drei Monatskaltmieten ist der letzte Baustein dieses Sicherheitsnetzes.

Risikovorsorge in der Praxis

Ein erfahrener Vermieter aus München kalkuliert standardmäßig 1,5 Monatsmieten pro Jahr als Rücklage für Mietausfälle und Instandhaltung ein. Bei einer Kaltmiete von 1.000 € bedeutet dies 1.500 € jährliche Rücklage. In einem Zeitraum von 10 Jahren hatte er zwei Mietausfälle von jeweils 3 Monaten zu verzeichnen. Die entstandenen Kosten und Mietausfälle konnten durch die über die Jahre gebildete Rücklage vollständig abgedeckt werden, ohne die laufende Liquidität zu gefährden.

Ihr Plan zur professionellen Mieterprüfung

  1. Schufa-Auskunft und Bonitätsnachweis anfordern und auf Plausibilität prüfen
  2. Einkommensnachweise der letzten 3 Monate verifizieren (Miete max. 30% des Nettoeinkommens)
  3. Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vom Vorvermieter einholen und telefonisch nachfragen
  4. Arbeitsvertrag auf Befristung und Probezeit kontrollieren
  5. Persönliches Gespräch führen, um Zahlungsmoral und Zuverlässigkeit einzuschätzen

Werbungskosten und AfA: Wie Sie Verluste aus Vermietung mit Ihrem hohen Gehalt verrechnen

Für Kapitalanleger mit hohem Einkommen ist die Immobilie nicht nur eine Rendite-Quelle, sondern auch ein mächtiger steuerlicher Hebel. Der Trick besteht darin, durch gezielte Kosten einen buchhalterischen Verlust aus Vermietung und Verpachtung (VuV) zu erzeugen. Dieser Verlust wird direkt mit Ihren positiven Einkünften, zum Beispiel aus Ihrem Gehalt, verrechnet und senkt so Ihre gesamte Steuerlast. Ihr Partner ist dabei das Finanzamt, das Ihnen zwei wesentliche Instrumente an die Hand gibt: die Werbungskosten und die Absetzung für Abnutzung (AfA).

Alle Kosten, die Ihnen im Zusammenhang mit der Vermietung entstehen, sind als Werbungskosten sofort abzugsfähig. Dazu zählen unter anderem die Zinsen für Ihr Darlehen (nicht die Tilgung!), Grundsteuer, Versicherungen, Kosten für die Mietersuche, Kontoführungsgebühren und vor allem Erhaltungsaufwendungen (Reparaturen und Modernisierungen). Die AfA hingegen ist die buchhalterische Abbildung des Wertverlustes des Gebäudes. Für Neubauten, die nach dem 1. Januar 2023 fertiggestellt wurden, ermöglicht die erhöhte steuerliche Abschreibung, jährlich 3 % der Anschaffungs- und Herstellungskosten des Gebäudes abzuschreiben. Dieser Betrag mindert Ihr zu versteuerndes Einkommen, ohne dass Sie tatsächlich Geld ausgeben müssen. In der Summe können Zinsen und AfA in den ersten Jahren leicht die Mieteinnahmen übersteigen und so zu den gewünschten steuerlichen Verlusten führen.

Steueroptimierung für Spitzenverdiener

Ein IT-Consultant mit einem Jahreseinkommen von 150.000 € kauft eine sanierungsbedürftige Wohnung. Durch geschickte Planung der Sanierungskosten (z.B. Verteilung, um die 15%-Grenze für sofort abzugsfähigen Erhaltungsaufwand nicht zu überschreiten) und die maximale Nutzung der AfA generiert er in den ersten Jahren einen steuerlichen Verlust aus seiner Vermietung. Dieser Verlust reduziert sein zu versteuerndes Gehalt. In einem konkreten Fall konnte so die jährliche Steuerlast um 18.000 € in den ersten drei Jahren gesenkt werden. Das entspricht einem monatlichen „Zuschuss“ vom Finanzamt von 1.500 €.

Heizungsgesetz (GEG): Was die Zwangssanierung für die Rendite Ihrer Altbauwohnung bedeutet

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), oft als „Heizungsgesetz“ bezeichnet, stellt für Besitzer von Bestandsimmobilien, insbesondere von Altbauten, eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar. Die Vorschriften zur schrittweisen Umstellung auf erneuerbare Energien beim Heizen zwingen Investoren, Sanierungsmaßnahmen einzuplanen, die nicht direkt zu einer höheren Miete führen. Eine neue Wärmepumpe, eine Fassadendämmung oder neue Fenster können schnell Kosten im fünfstelligen Bereich verursachen. Diese Investitionen müssen in Ihre Renditekalkulation einfließen, da sie den Kaufpreis nachträglich erhöhen und somit die Nettorendite schmälern.

Energetische Sanierung eines Altbaus mit moderner Wärmepumpentechnik

Für einen kühlen Rechner bedeutet das GEG jedoch nicht das Ende der Altbau-Investition, sondern eine neue Variable in der Kalkulation. Es ist entscheidend, den Sanierungsstau einer Immobilie vor dem Kauf genau zu bewerten. Ein Energieberater kann helfen, die anstehenden Maßnahmen und deren Kosten realistisch einzuschätzen. Gleichzeitig müssen die verfügbaren staatlichen Förderungen (z.B. von der KfW oder dem BAFA) gegengerechnet werden. Diese können einen erheblichen Teil der Kosten abdecken und die Belastung reduzieren. Der verbleibende Eigenanteil der Sanierungskosten muss dann wie eine Erhöhung des Kaufpreises behandelt und in die Renditeberechnung einbezogen werden. Ein Objekt, das vor dem Kauf eine gute Rendite verspricht, kann nach Abzug der Sanierungskosten unattraktiv werden.

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie sich Kosten und Förderungen bei einer energetischen Sanierung zusammensetzen können. Beachten Sie, dass Förderbedingungen sich ändern können.

GEG-Sanierung: Kosten vs. Förderung 2024 (Beispielrechnung)
Maßnahme Kosten Förderung Eigenanteil
Wärmepumpe 25.000€ 40% (10.000€) 15.000€
Dämmung Dach 15.000€ 20% (3.000€) 12.000€
Neue Fenster 20.000€ 20% (4.000€) 16.000€
Gesamt mit iSFP-Bonus 60.000€ 35% (21.000€) 39.000€

Baufinanzierung ohne Nachfinanzierung: Warum Sie immer 20% Puffer für „unvorhergesehene Baukosten“ einplanen müssen

Einer der häufigsten und teuersten Fehler bei Immobilieninvestitionen, insbesondere bei Neubauten oder größeren Sanierungen, ist die zu knappe Kalkulation des Finanzierungsbedarfs. Die Annahme, dass der im Kauf- oder Werkvertrag genannte Preis das Ende der Fahnenstange ist, ist gefährlich. In der Realität kommt es fast immer zu unvorhergesehenen Kosten. Dies können Preissteigerungen bei Baumaterialien, zusätzliche Anforderungen von Behörden oder schlichtweg bei der Planung übersehene Posten sein. Fehlt hier ein Puffer, droht eine teure Nachfinanzierung zu deutlich schlechteren Konditionen, da die Bank das erhöhte Risiko einpreist.

Ein professioneller Investor plant das Unerwartete von Anfang an mit ein. Eine solide Faustregel ist, einen Puffer von mindestens 15 %, besser noch 20 %, für unvorhergesehene Kosten auf die reinen Bau- oder Sanierungskosten aufzuschlagen. Wenn Ihre geplante Sanierung also 50.000 € kosten soll, sollten Sie einen Finanzierungsbedarf von 60.000 € ansetzen. Dieser Puffer sollte Teil des ursprünglichen Darlehensantrags sein. Wird das Geld nicht benötigt, kann es oft für eine Sondertilgung verwendet oder einfach nicht abgerufen werden. Diese Vorgehensweise ist weitaus günstiger und sicherer als der Versuch, während des Projekts Geld nachzuordern. Wie Erfahrungswerte aus der Baufinanzierung belegen, sind durchschnittliche Kostenüberschreitungen von 15-20 % bei privaten Bauprojekten keine Seltenheit, sondern die Regel.

Dieser Puffer schützt nicht nur Ihre Liquidität, sondern signalisiert der Bank auch eine professionelle und vorausschauende Planung. Es zeigt, dass Sie die Risiken des Bauens kennen und managen können. Für Sie als Investor bedeutet es vor allem eines: finanzielle Sicherheit und die Gewissheit, Ihr Projekt ohne existenzbedrohende Engpässe abschließen zu können. Die Hoffnung, dass schon alles glattgehen wird, hat in einer soliden Finanzplanung keinen Platz.

Eine realistische Budgetierung ist die Grundlage jeder erfolgreichen Finanzierung. Integrieren Sie den Puffer für Unvorhergesehenes als festen Bestandteil in jede Ihrer Kalkulationen.

Wohngebäudeversicherung: Warum der „Wert 1914“ für Ihren Wiederaufbau entscheidend ist

Eine Wohngebäudeversicherung ist für jeden Immobilienbesitzer Pflicht. Doch für Kapitalanleger ist das Verständnis der Details entscheidend, um im Schadensfall nicht auf einem Teil der Kosten sitzen zu bleiben. Ein zentraler, aber oft missverstandener Begriff in deutschen Versicherungspolicen ist der „Wert 1914“. Dies ist kein veralteter Wert, sondern ein genialer Mechanismus, um Versicherungssummen inflationssicher zu gestalten. Er stellt den fiktiven Wiederaufbauwert Ihres Gebäudes in Goldmark zum Stand von 1914 dar. Dieser Basiswert wird jährlich mit dem vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) festgelegten Baupreisindex multipliziert, um den heutigen Neubauwert zu ermitteln. So wird sichergestellt, dass die Versicherungssumme automatisch mit den Baukosten steigt.

Das größte Risiko für Vermieter ist die Unterversicherung. Ist der Wert 1914 zu niedrig angesetzt, wird die Versicherung im Schadensfall die Leistung nur anteilig (pro rata) erbringen. Wenn Ihr Gebäude zu 30 % unterversichert ist, kürzt die Versicherung jede Schadenszahlung um 30 %, egal wie hoch der Schaden tatsächlich ist. Deshalb ist es unerlässlich, diesen Wert bei Abschluss der Versicherung korrekt zu ermitteln und regelmäßig, insbesondere nach Modernisierungen, zu überprüfen. Zusätzlich zur reinen Gebäudeversicherung sind für Vermieter weitere Bausteine essenziell: die Elementarschadenversicherung (gegen Schäden durch Starkregen, Hochwasser, etc.), der Einschluss von grober Fahrlässigkeit und eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht, die Sie vor Ansprüchen Dritter (z.B. ein gestürzter Passant auf einem ungestreuten Gehweg) schützt.

Fallbeispiel: Die teuren Folgen der Unterversicherung

Der Wert 1914 für eine vermietete Wohnung wurde auf 15.000 Mark festgelegt. Multipliziert mit dem Baupreisindex für 2024, ergibt sich eine korrekte Versicherungssumme von über 303.000 €. Der Vermieter hatte jedoch aus Kostengründen nur eine Summe von 200.000 € versichert. Nach einem größeren Wasserschaden, der Kosten von 50.000 € verursachte, erlebte er eine böse Überraschung: Da die Immobilie um rund 34 % unterversichert war, kürzte die Versicherung die Leistung entsprechend. Der Vermieter erhielt statt 50.000 € nur 33.000 € und musste die restlichen 17.000 € aus eigener Tasche zahlen.

Die richtige Versicherung ist keine Nebensache, sondern Teil Ihrer Risikostrategie. Setzen Sie sich intensiv mit dem Konzept des Werts 1914 auseinander, um im Ernstfall vollständig geschützt zu sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fokus auf die Nettomietrendite: Der berechenbare Cashflow ist Ihr primäres Ziel, nicht die spekulative Wertsteigerung.
  • Hebelwirkung gezielt nutzen: Fremdkapital ist ein Werkzeug, um Ihre Eigenkapitalrendite zu maximieren, solange die Objektrendite über dem Fremdkapitalzins liegt.
  • Steuern als Strategie: Nutzen Sie Werbungskosten und AfA aktiv, um buchhalterische Verluste zu generieren, die Ihre Steuerlast auf andere Einkünfte senken.

Immobilienfinanzierung für Kapitalanleger: Warum Sie möglichst wenig tilgen sollten

Für private Hausbauer ist eine schnelle Tilgung ein verständliches Ziel, um schuldenfrei zu werden. Für einen renditeorientierten Kapitalanleger ist eine hohe Tilgung jedoch ein strategischer Fehler. Jeder Euro, den Sie in die Tilgung stecken, ist totes Kapital. Es steckt im „Betongold“ fest und arbeitet nicht mehr für Sie. Eine niedrige Tilgung, oft nur 1 % pro Jahr, ist für Investoren der klügere Weg. Warum? Weil das frei werdende Kapital an anderer Stelle eine höhere Rendite erwirtschaften kann als die Ersparnis durch die schnellere Schuldenfreiheit.

Der Kerngedanke ist die Opportunitätskosten-Rechnung. Das Geld, das Sie nicht in die Tilgung stecken, können Sie anderweitig investieren – beispielsweise in einen breit gestreuten Aktien-ETF, der langfristig eine durchschnittliche Rendite von 7 % p.a. erwarten lässt. Ihr Darlehen kostet Sie vielleicht 3-4 % Zinsen. Jeder Euro, den Sie also nicht zur Bank tragen, sondern am Kapitalmarkt anlegen, erwirtschaftet eine positive Differenzrendite. Eine hohe Tilgung reduziert zwar Ihre Schulden, aber sie reduziert auch Ihre Liquidität und Ihr Potenzial, weiteres Vermögen aufzubauen. Zudem schmälert jeder Euro Tilgung den steuerlich absetzbaren Zinsaufwand und damit Ihren steuerlichen Hebel.

Für 2026 rechnen wir mit moderaten Preissteigerungen – allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. Wer Qualität in Lage und Finanzierung klug wählt, kann langfristig profitieren.

– Christian Hanke, Leiter Niederlassung Berlin, Interhyp AG

Die folgende Beispielrechnung zeigt, wie sich unterschiedliche Tilgungssätze auf Ihr frei verfügbares Kapital auswirken. Die monatliche Rate sinkt, und das freiwerdende Kapital kann alternativ investiert werden.

Tilgungsstrategien im Vergleich (Beispiel)
Tilgungssatz Monatliche Rate Freies Kapital/Jahr Alternativrendite (ETF 7%)
1% 583€ 4.000€ 280€/Jahr
2% 750€ 2.000€ 140€/Jahr
3% 917€ 0€ 0€/Jahr

Die Optimierung Ihres Cashflows ist das Endziel. Eine niedrige Tilgung ist ein entscheidender Baustein in dieser Strategie, um Kapital für weitere Investitionen freizusetzen.

Der erste Schritt zu Ihrer Rendite-Maschine ist eine sorgfältige Kalkulation. Beginnen Sie jetzt damit, potenzielle Objekte anhand der hier vorgestellten Kennzahlen zu bewerten und Ihre Finanzierungsstrategie auf maximalen Cashflow auszurichten.

Häufige Fragen zum Wert 1914

Was genau ist der Wert 1914?

Ein fiktiver Gebäudewert in Goldmark von 1914, der als inflationssicherer Basiswert für die Versicherungssumme dient. Er wird jährlich mit einem Anpassungsfaktor, dem Baupreisindex, multipliziert, um den aktuellen Wiederaufbauwert zu ermitteln.

Wie berechnet sich meine Versicherungsprämie?

Die Versicherungssumme ergibt sich aus der Formel: Wert 1914 x aktueller Baupreisindex = Versicherungssumme. Die Prämie beträgt typischerweise einen Prozentsatz dieser Summe, oft zwischen 0,1 % und 0,3 % pro Jahr.

Welche Zusatzversicherungen sind für Vermieter wichtig?

Die Elementarschadenversicherung (gegen Starkregen, Hochwasser, etc.), der Einschluss von Schäden durch grobe Fahrlässigkeit und die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht sind für Vermieter neben der reinen Wohngebäudeversicherung essenziell.

Geschrieben von Michael Bauer, Bankkaufmann und geprüfter Immobilienökonom (ADI) mit 15 Jahren Erfahrung in der Baufinanzierung und Immobilienbewertung. Er berät Kapitalanleger und Eigenheimerwerber bei der Strukturierung optimaler Finanzierungskonzepte.