
Entgegen der landläufigen Meinung ist eine hohe Tilgung für Immobilieninvestoren in Deutschland strategisch unklug und mindert die Rendite.
- Eine minimale Tilgung maximiert den monatlichen Cashflow und erhöht die absetzbaren Zinskosten, was zu einer direkten Steuerersparnis führt.
- Der überschüssige Cashflow wird zu „rollierendem Eigenkapital“, das Sie für die Anzahlung der nächsten Immobilie nutzen und so Ihr Portfolio exponentiell skalieren können.
Empfehlung: Betrachten Sie Ihre Immobilienfinanzierung nicht als Schuldenlast, die schnell getilgt werden muss, sondern als strategischen Fremdkapitalhebel, den es zur Maximierung Ihres Cash-on-Cash-Returns zu managen gilt.
Für die meisten Menschen ist der Leitsatz klar: Schulden müssen so schnell wie möglich zurückgezahlt werden. Ein hoher Tilgungssatz beim Immobilienkredit gilt als Zeichen von finanzieller Solidität und Vernunft. Doch für Sie als Kapitalanleger ist genau diese Denkweise der größte strategische Fehler, den Sie begehen können. Während der private Bauherr sein Eigenheim entschulden will, verfolgen Sie ein anderes Ziel: die Maximierung der Rendite auf Ihr eingesetztes Kapital. Ihr Fokus liegt nicht auf dem schuldenfreien Besitz, sondern auf einem stetig wachsenden, positiven Cashflow und der Skalierung Ihres Portfolios.
Die herkömmliche Beratung zielt oft auf Sicherheit durch schnelle Entschuldung ab. Man empfiehlt Ihnen eine hohe Tilgung und möglichst lange Zinsbindungen. Doch dieser Ansatz ignoriert die mächtigsten Werkzeuge des Investors: den Fremdkapitalhebel und die steuerliche Absetzbarkeit von Zinsen. Die wahre Kunst der Immobilienfinanzierung für Kapitalanleger liegt nicht darin, die Bank zufriedenzustellen, sondern die Struktur des Darlehens so zu gestalten, dass sie Ihre finanziellen Ziele aktiv unterstützt. Es geht darum, die monatliche Belastung zu minimieren, um maximalen finanziellen Spielraum für weitere Investitionen zu schaffen.
Die eigentliche Frage lautet also nicht: „Wie schnell kann ich meine Schulden loswerden?“, sondern: „Wie kann ich die Finanzierungsstruktur nutzen, um meinen Cash-on-Cash-Return zu optimieren und mein Wachstum zu beschleunigen?“. Dieser Artikel bricht mit den Mythen der konventionellen Finanzierungsberatung. Wir analysieren, warum eine minimale Tilgung für Sie als Investor in Deutschland nicht nur sinnvoll, sondern essenziell ist. Wir werden die Mechanik hinter endfälligen Darlehen, die Psychologie der Bankenbewertung und die Strategien zur Skalierung eines Portfolios jenseits der ersten Immobilie beleuchten.
Dieser Leitfaden ist Ihr Handbuch für eine professionelle Finanzierungsstrategie. Wir navigieren durch die wichtigsten Entscheidungen, von der Wahl des Darlehenstyps über die Risikobewertung bis hin zu fortgeschrittenen Konzepten wie der Diversifizierung Ihres Bankenportfolios. Entdecken Sie, wie Sie die Regeln des Finanzsystems zu Ihrem Vorteil nutzen.
Inhaltsverzeichnis: Strategien zur Optimierung Ihrer Immobilienfinanzierung
- Tilgung gegen Bausparer: Wann lohnt sich das endfällige Darlehen statt der Annuität?
- Immobilie als Kapitalanlage: Warum die Mietrendite wichtiger ist als die Hoffnung auf Wertsteigerung
- 5, 10 oder 15 Jahre Zinsbindung: Welche Laufzeit ist in der aktuellen Zinskurve die Wette wert?
- Vollfinanzierung ohne Eigenkapital: Für wen ist das Risiko tragbar und wer geht baden?
- Banken-Einwertung: Warum die Bank Ihre Traum-Immobilie viel niedriger bewertet als der Makler
- Klumpenrisiko Bank: Warum Sie ab der 3. Immobilie dringend die Bank wechseln sollten
- Denkmalimmobilien: Steuersparmodell für Spitzenverdiener oder Sanierungsgrab?
- Mietkauf als Alternative: Wie Sie ohne Bankkredit zur Immobilie kommen (und wo die Haken sind)
Tilgung gegen Bausparer: Wann lohnt sich das endfällige Darlehen statt der Annuität?
Das Annuitätendarlehen ist der Standard: Eine konstante Rate aus Zins und Tilgung, bei der der Tilgungsanteil über die Zeit wächst. Für den Eigennutzer ist das sinnvoll. Für Sie als Kapitalanleger ist es oft eine Kapitalkosten-Falle. Der entscheidende Nachteil: Mit jeder Tilgungsrate vernichten Sie absetzbare Schuldzinsen und binden Kapital im Objekt, das Ihnen nicht mehr für neue Investitionen zur Verfügung steht. Hier kommt das endfällige Darlehen ins Spiel, oft in Kombination mit einem Tilgungsersatzprodukt wie einem Bausparvertrag oder einem ETF-Sparplan. Während der Laufzeit zahlen Sie nur die Zinsen an die Bank, die Tilgung des gesamten Darlehens erfolgt am Ende in einer Summe aus dem angesparten Kapital.
Der strategische Vorteil ist immens: Ihre monatliche Belastung sinkt drastisch, da die Tilgungskomponente entfällt. Dies maximiert Ihren monatlichen Cashflow. Gleichzeitig bleiben die Schuldzinsen über die gesamte Laufzeit maximal hoch und sind als Werbungskosten voll steuerlich absetzbar. So können Sie laut Berechnungen bis zu 40% der Darlehenszinsen vom Finanzamt erstattet bekommen. Der freigesetzte Cashflow wird zu Ihrem „rollierenden Eigenkapital“ – dem Treibstoff für Ihr nächstes Investment. Während ein Bausparvertrag als Tilgungsersatz oft niedrige Renditen und hohe Gebühren aufweist, kann die Besparung eines globalen ETF-Portfolios eine deutlich höhere Rendite erzielen und so die Gesamtkosten des Modells weiter optimieren. Die Differenz zwischen der ETF-Rendite und dem Bausparzins ist Ihre Rendite-Arbitrage.
Ihr Aktionsplan: Prüfung der Tilgungsaussetzung
- Renditevergleich durchführen: Stellen Sie die prognostizierte Rendite eines breit gestreuten ETF-Sparplans (historisch oft über 7 % p.a.) den mageren Zinsen eines Bausparvertrags gegenüber.
- Effektive Nettobelastung berechnen: Kalkulieren Sie Ihre monatliche Liquidität nach Steuern bei beiden Modellen (Annuität vs. endfällig). Berücksichtigen Sie die volle Absetzbarkeit der Zinsen beim endfälligen Darlehen.
- Flexibilität bewerten: Prüfen Sie, wie flexibel die Tilgungsersatzprodukte auf Lebensveränderungen oder neue Investmentchancen reagieren. Ein ETF-Depot ist jederzeit liquidierbar.
- Versteckte Kosten analysieren: Decken Sie alle Gebühren auf. Insbesondere bei Bausparverträgen lauern Abschluss- und Darlehensgebühren, die die Effektivrendite schmälern.
- Rollierendes Eigenkapital bewerten: Quantifizieren Sie den zusätzlichen Cashflow, den die Tilgungsaussetzung generiert, und projizieren Sie, wie schnell Sie damit das Eigenkapital für Ihr nächstes Objekt ansparen können.
Immobilie als Kapitalanlage: Warum die Mietrendite wichtiger ist als die Hoffnung auf Wertsteigerung
Viele Einsteiger in den Immobilienmarkt fokussieren sich auf die potenzielle Wertsteigerung. Sie kaufen in A-Lagen in der Hoffnung, dass die Preise weiter explodieren. Als professioneller Investor wissen Sie: Wertsteigerung ist eine Wette auf die Zukunft, Cashflow ist ein Fakt der Gegenwart. Eine positive Mietrendite ist das Fundament jeder soliden Kapitalanlage. Sie sorgt für Liquidität, deckt laufende Kosten und die Finanzierungsrate und generiert im besten Fall einen monatlichen Überschuss. Dieser Überschuss ist Ihre tatsächliche, passive Einnahmequelle und der Beweis für ein funktionierendes Investment.
Die Konzentration auf die Mietrendite zwingt Sie zu einer disziplinierten und analytischen Kaufentscheidung. Statt auf Hypes zu setzen, analysieren Sie knallharte Zahlen: Mietspiegel, Instandhaltungskosten, Mietausfallwagnis und die nicht umlagefähigen Betriebskosten. Die einfache, aber effektive Faustformel für die erste Einschätzung empfiehlt die Deutsche Bank zur Berechnung der Nettorendite: (Jahresnettomiete x 100) / Nettokaufpreis. Ein Objekt, das sich von Tag eins nicht selbst trägt, ist keine Kapitalanlage, sondern ein Zuschussgeschäft. Es macht Sie abhängig von der Hoffnung auf Wertsteigerung, um am Ende profitabel zu sein – eine riskante Spekulation.
Im Zentrum einer Immobilienfinanzierung für Kapitalanlageobjekte steht die Cashflow-Optimierung, um optimale Erträge aus der vermieteten Immobilie zu generieren.
– Qvestcon Finanzberatung, Finanzierungen für Kapitalanleger
Eine hohe Mietrendite gibt Ihnen zudem einen Puffer gegen unvorhergesehene Ereignisse wie Mietausfälle oder steigende Zinsen bei der Anschlussfinanzierung. Ein Objekt, das nur auf Wertsteigerung ausgelegt ist, kann bei stagnierenden oder fallenden Märkten schnell zu einer finanziellen Belastung werden. Die Wertsteigerung ist der willkommene Bonus, der nach Ablauf der zehnjährigen Spekulationsfrist steuerfrei realisiert werden kann. Die Mietrendite ist Ihr tägliches Brot.

5, 10 oder 15 Jahre Zinsbindung: Welche Laufzeit ist in der aktuellen Zinskurve die Wette wert?
Die Wahl der Zinsbindung ist keine reine Sicherheitsentscheidung, sondern eine strategische Wette auf die Zinsentwicklung und eine Anpassung an Ihre Investmentstrategie. Eine lange Zinsbindung von 15 oder 20 Jahren bietet maximale Planungssicherheit, kostet aber in der Regel einen Zinsaufschlag. Diese „Versicherungsprämie“ gegen steigende Zinsen erkaufen Sie sich mit einer geringeren Rendite und hoher Unflexibilität. Eine hohe Vorfälligkeitsentschädigung macht einen vorzeitigen Verkauf extrem teuer. Für den klassischen Buy-and-Hold-Investor, der eine Immobilie langfristig im Bestand halten will, kann dies dennoch die richtige Wahl sein.
Eine kurze Zinsbindung von 5 Jahren bietet in der Regel die niedrigsten Zinsen und damit den höchsten anfänglichen Cashflow. Sie ist ideal für eine Fix-and-Flip-Strategie, bei der Sie eine Immobilie sanieren und schnell wieder verkaufen wollen. Das Risiko liegt auf der Hand: Steigen die Zinsen in den fünf Jahren stark an, wird die Anschlussfinanzierung teuer und kann den gesamten Business Case gefährden. Die 10-Jahres-Bindung ist der gängige Kompromiss. Sie bietet einen guten Ausgleich zwischen Zinssicherheit und Kosten. Interessanterweise fällt sie oft mit der zehnjährigen Spekulationsfrist in Deutschland zusammen, nach der ein Verkauf steuerfrei möglich ist. Dies gibt Ihnen die Option, am Ende der Zinsbindung die Situation neu zu bewerten: halten und neu finanzieren oder steuerfrei verkaufen.
Fallstudie: Das Kombinations-Modell zur Risikominimierung
Professionelle Investoren nutzen oft eine Darlehensaufteilung (Splitting), um Risiken zu minimieren. Ein Darlehen von 400.000 € wird beispielsweise in zwei Tranchen aufgeteilt: 200.000 € werden mit einer Zinsbindung von 7 Jahren und die anderen 200.000 € mit 15 Jahren finanziert. Läuft die erste Tranche aus, muss nur die Hälfte des Volumens zu den dann aktuellen Zinsen refinanziert werden. Dies reduziert das Zinsänderungsrisiko erheblich und schafft gleichzeitig Flexibilität, da eine Tranche früher für eine Umschuldung oder einen Teilverkauf zur Verfügung steht.
Die Entscheidung hängt letztlich von der Zinskurve und Ihrer Risikobereitschaft ab. In einem Niedrigzinsumfeld kann es sinnvoll sein, sich die günstigen Konditionen lange zu sichern. Erwarten Sie jedoch fallende oder seitwärts tendierende Zinsen, kann eine kürzere Laufzeit die profitablere Wette sein.
Die folgende Tabelle fasst die strategischen Überlegungen zusammen:
| Zinsbindung | Vorteile | Nachteile | Optimal für |
|---|---|---|---|
| 5 Jahre | Niedrigere Zinsen, hohe Flexibilität | Zinsänderungsrisiko | Fix-and-Flip Strategie |
| 10 Jahre | Balance zwischen Sicherheit und Kosten | Mittlere Vorfälligkeitsentschädigung | Spekulationsfrist-Strategie |
| 15 Jahre | Hohe Planungssicherheit | Höhere Zinsen, hohe Vorfälligkeitsentschädigung | Buy-and-Hold Ansatz |
Vollfinanzierung ohne Eigenkapital: Für wen ist das Risiko tragbar und wer geht baden?
Eine Vollfinanzierung, also der Kauf einer Immobilie komplett ohne Eigenkapital, klingt für viele Investoren verlockend. Der Hebel des Fremdkapitals wird hier auf die Spitze getrieben. Theoretisch ermöglicht dies einen unendlichen Cash-on-Cash-Return, da kein eigenes Kapital eingesetzt wird. In der Praxis ist das Risiko jedoch enorm und das Modell nur für eine sehr kleine, spezifische Gruppe von Investoren tragbar. Die meisten Banken fordern seit der Wohnimmobiliarkreditrichtlinie 2016 zumindest die Deckung der Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) durch Eigenkapital. Eine Finanzierung von 110% ist zur absoluten Ausnahme geworden.
Wer kann dieses Risiko eingehen? In erster Linie Investoren mit einem extrem hohen und sicheren monatlichen Einkommen, das weit über den Lebenshaltungskosten liegt. Dazu zählen oft Mediziner, leitende Angestellte oder erfolgreiche Unternehmer. Dieses „Humankapital“ dient der Bank als zusätzliche Sicherheit. Sie muss darauf vertrauen können, dass Sie auch bei einem kompletten Mietausfall die Rate aus Ihrem laufenden Einkommen problemlos bedienen können. Ein weiterer Faktor ist ein bereits vorhandenes, unbelastetes Immobilien- oder Wertpapiervermögen, das als zusätzliche Sicherheit dienen kann, auch wenn es nicht direkt für den Kauf eingesetzt wird.
Das Risiko für den Investor ist ein negativer Hebel. Fallen die Immobilienpreise auch nur leicht, ist das nicht vorhandene Eigenkapital sofort „unter Wasser“. Der Wert der Immobilie ist geringer als die darauf lastenden Schulden. Ein Verkauf wird unmöglich, ohne der Bank eine hohe Summe nachzuschießen. Zudem sind die Zinsen für eine Vollfinanzierung aufgrund des hohen Risikos für die Bank deutlich höher, was den monatlichen Cashflow von vornherein schmälert und das Investment anfälliger für Störungen macht. Für die meisten Investoren ist daher eine solide Eigenkapitalquote von 10-20% der vernünftigere und nachhaltigere Weg zum Portfolio-Aufbau.

Banken-Einwertung: Warum die Bank Ihre Traum-Immobilie viel niedriger bewertet als der Makler
Sie haben Ihre Traum-Immobilie gefunden, der Kaufpreis scheint fair. Doch dann kommt die Ernüchterung: Die finanzierende Bank bewertet das Objekt deutlich niedriger. Dieses Phänomen ist normal und basiert auf einem fundamentalen Unterschied in der Perspektive. Der Makler will den höchstmöglichen Preis erzielen (Verkehrswert), während die Bank den sichersten Wert für den Fall einer Zwangsversteigerung ermitteln muss (Beleihungswert). Der Beleihungswert ist das Ergebnis einer vorsichtigen, konservativen Kalkulation und liegt in der Regel 10-30% unter dem Marktwert.
Banken nutzen unterschiedliche Verfahren zur Wertermittlung. Für Kapitalanlageobjekte steht das Ertragswertverfahren im Vordergrund. Hierbei wird der Wert primär aus den nachhaltig erzielbaren Mieteinnahmen abgeleitet. Eine hohe Miete führt zu einem hohen Ertragswert. Das Sachwertverfahren, das sich an den reinen Herstellungskosten und dem Bodenwert orientiert, spielt bei Renditeobjekten oft eine untergeordnete Rolle. Regionale Institute wie Sparkassen legen oft noch mehr Wert auf den Sachwert, während überregionale Banken und Spezialfinanzierer stärker auf den Cashflow aus dem Ertragswert schauen.
Diese Diskrepanz zwischen Kaufpreis und Beleihungswert hat direkte Auswirkungen auf Ihre Finanzierung. Die Bank finanziert in der Regel nur einen bestimmten Prozentsatz (z.B. 80%) des *ihrerseits ermittelten* Beleihungswertes. Ist dieser deutlich niedriger als der Kaufpreis, vergrößert sich die Lücke, die Sie mit Eigenkapital schließen müssen. Ein Beispiel: Kaufpreis 300.000 €, Beleihungswert der Bank 250.000 €. Bei einer 80%-Finanzierung erhalten Sie nur 200.000 € (80% von 250.000 €), nicht 240.000 €. Sie müssen plötzlich 100.000 € Eigenkapital aufbringen statt der erwarteten 60.000 €. Ein professioneller Investor kennt diese Mechanik und kalkuliert sie von vornherein ein.
Die folgende Übersicht zeigt die typischen Bewertungsansätze deutscher Bankengruppen.
| Banktyp | Bewertungsverfahren | Fokus | Typische Beleihung |
|---|---|---|---|
| Sparkassen | Sachwertverfahren | Bausubstanz & Grundstückswert | 60-80% |
| Überregionale Banken | Ertragswertverfahren | Mieteinnahmen & Rendite | 70-80% |
| Spezialfinanzierer | Kombiniert | Individuell | bis 90% |
Klumpenrisiko Bank: Warum Sie ab der 3. Immobilie dringend die Bank wechseln sollten
Die erste Immobilie ist finanziert, die zweite auch – beides lief reibungslos über Ihre Hausbank. Es scheint naheliegend, auch das dritte und vierte Objekt dort zu finanzieren. Doch genau hier lauert eine oft übersehene Gefahr: das Klumpenrisiko aus Sicht der Bank. Wenn Ihr gesamtes Portfolio bei einem einzigen Institut finanziert ist, wird die Bank zunehmend nervös. Jeder weitere Kredit an Sie erhöht ihr spezifisches Risiko, sollte es bei Ihnen zu Zahlungsschwierigkeiten kommen. Die Folge: Ihr internes Scoring bei der Bank verschlechtert sich, die Konditionen für neue Kredite werden schlechter, oder weitere Finanzierungen werden komplett abgelehnt – egal, wie gut Ihr neues Investment-Objekt ist.
Erfolgreiche Kapitalanleger vermeiden dieses Risiko durch eine strategische Diversifikation ihres Bankenportfolios. Statt alle Sicherheiten bei einer Bank zu bündeln, verteilen sie ihre Immobilien auf verschiedene Institute. Objekt 1 bei Bank A, Objekt 2 bei Bank B, Objekt 3 bei einer regionalen Sparkasse. Diese Strategie hat mehrere Vorteile. Sie bleiben für jede einzelne Bank ein „kleinerer“ Kunde mit einem überschaubaren Risiko und erhalten so bessere Konditionen. Sie bauen Beziehungen zu mehreren Ansprechpartnern auf und können so für jedes neue Projekt die Bank mit der passendsten Expertise und dem besten Angebot auswählen.
Portfolio-Strategie für Mehrfach-Investoren
Ein Investor besitzt zwei Immobilien, beide bei seiner Hausbank finanziert. Für das dritte Objekt holt er Angebote bei zwei neuen Banken ein. Er entscheidet sich für eine Direktbank, die auf Kapitalanleger spezialisiert ist und das neue Objekt rein auf Basis seines Ertragswertes finanziert, ohne die anderen Immobilien als Sicherheit heranziehen zu wollen. Dadurch vermeidet er eine Globalgrundschuld, die alle Objekte miteinander verknüpft, und behält maximale Flexibilität. Der freigesetzte Cashflow der ersten beiden Objekte (sein „rollierendes Eigenkapital“) dient als Eigenkapitalnachweis für die neue Finanzierung, ohne dass die Hausbank davon erfährt.
Ein entscheidender Punkt dabei ist die Vermeidung einer Globalgrundschuld. Viele Banken versuchen, sich nicht nur auf das neue Objekt, sondern auf Ihren gesamten Immobilienbesitz als Sicherheit eintragen zu lassen. Dies sollten Sie als Investor unbedingt ablehnen. Jede Immobilie sollte eine eigene, separate Grundschuld bei der finanzierenden Bank haben. Dies sichert Ihre Flexibilität, einzelne Objekte zu verkaufen oder umzuschulden, ohne das gesamte Portfolio neu verhandeln zu müssen.
Denkmalimmobilien: Steuersparmodell für Spitzenverdiener oder Sanierungsgrab?
Denkmalgeschützte Immobilien locken mit einem einzigartigen Versprechen: enormen Steuervorteilen. Für Kapitalanleger ermöglicht das deutsche Einkommensteuergesetz die Abschreibung der Sanierungskosten über nur 12 Jahre (§§ 7i, 7h EStG). Bei einem Spitzensteuersatz kann dies zu einer erheblichen Reduzierung der Steuerlast führen und die Immobilie quasi „vom Finanzamt mitfinanzieren“ lassen. Der Charme eines Altbaus in bester Lage kombiniert mit staatlicher Förderung – was kann da schon schiefgehen? Eine ganze Menge.
Das Investment in eine Denkmalimmobilie ist ein hochkomplexes Unterfangen und birgt erhebliche Risiken. Die Sanierungskosten sind oft schwer kalkulierbar, da die strengen Auflagen des Denkmalschutzamtes zu unvorhergesehenen Ausgaben führen können. Ein großzügiger Kostenpuffer ist daher unerlässlich. Das größte Risiko liegt jedoch oft beim Bauträger. Nicht selten werden Projekte von unerfahrenen oder unseriösen Anbietern mit überhöhten Kostenkalkulationen und mangelhafter Sanierungsqualität vertrieben. Eine gründliche Prüfung der Bauträger-Bonität, seiner Referenzen und abgeschlossener Projekte ist die wichtigste Hausaufgabe für jeden Investor.
Zudem ist der Wiederverkauf einer Denkmalimmobilie oft schwieriger. Der Pool an potenziellen Käufern, die bereit sind, die spezifischen Gegebenheiten und Einschränkungen zu akzeptieren, ist kleiner. Die Steuervorteile der Sanierungs-AfA gelten nur für den Ersterwerber nach Sanierung; ein späterer Käufer kann diese nicht mehr geltend machen. Dies kann den erzielbaren Verkaufspreis limitieren. Eine Denkmalimmobilie ist daher kein Standard-Investment, sondern ein Spezialinstrument für erfahrene Anleger mit hohem Einkommen, die eine langfristige Haltestrategie verfolgen und bereit sind, eine intensive Due Diligence durchzuführen. Ohne einen erfahrenen Steuerberater, der eine individuelle Prognose rechnet, sollten Sie einen solchen Kauf niemals tätigen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Finanzierungsstruktur ist Ihr wichtigster Hebel zur Renditemaximierung, nicht nur ein notwendiges Übel.
- Fokus auf Cashflow (Mietrendite) statt auf spekulative Wertsteigerung ist die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.
- Diversifizieren Sie Ihr Bankenportfolio frühzeitig, um ein Klumpenrisiko zu vermeiden und Ihre Skalierungsfähigkeit zu erhalten.
Mietkauf als Alternative: Wie Sie ohne Bankkredit zur Immobilie kommen (und wo die Haken sind)
Der Mietkauf erscheint als die ideale Lösung für alle, die von der Bank keinen Kredit bekommen. Das Prinzip: Sie mieten eine Immobilie und erwerben gleichzeitig das Recht, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Ein Teil der gezahlten Miete wird dabei auf den Kaufpreis angerechnet. Doch dieses Modell ist mit erheblichen Nachteilen und Risiken behaftet und in den meisten Fällen teurer als eine klassische Finanzierung. Oft liegen sowohl die monatliche Miete als auch der finale Kaufpreis deutlich über dem aktuellen Marktniveau. Der Verkäufer lässt sich das eingegangene Risiko und die Kapitalbindung teuer bezahlen.
Ein weiterer Haken ist die rechtliche Struktur. Geht der Verkäufer während der Mietphase insolvent, ist Ihr angespartes Kapital und Ihr Kaufrecht in Gefahr. Ein Mietkaufvertrag ist zudem nach deutschem Recht (§ 311b BGB) nur mit notarieller Beurkundung gültig. Private Vereinbarungen sind rechtlich wertlos. Zudem sind Sie während der Mietphase oft bereits für Instandhaltungen verantwortlich, obwohl Ihnen die Immobilie noch nicht gehört. Für Verkäufer, die ein solches alternatives Finanzierungsmodell anbieten, raten Experten zu einer soliden Eigenkapitalquote von mindestens 20% des Käufers, um das Risiko zu minimieren, was den ursprünglichen Zweck oft ad absurdum führt.
Seriöse Mietkaufmodelle sind selten, aber es gibt sie. Einige Wohnungsbaugenossenschaften bieten faire Optionskaufmodelle an, bei denen Mitglieder nach einer bestimmten Mietdauer die Option haben, die Wohnung zu kaufen. Für die meisten Kapitalanleger ist der Mietkauf jedoch keine strategische Alternative. Er ist in der Regel eine Notlösung mit ungünstigen Konditionen. Wenn die klassischen Banken eine Finanzierung ablehnen, hat das meist gute Gründe, die durch einen Mietkauf nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben und verteuert werden.
Um Ihre Finanzierungsstrategie zu professionalisieren, ist der nächste logische Schritt, eine detaillierte Analyse Ihrer persönlichen Situation und Ihrer Ziele durchzuführen. Bewerten Sie jetzt die für Ihre Bedürfnisse am besten geeignete Finanzierungsstruktur, um Ihr Immobilienportfolio erfolgreich auf- und auszubauen.
Häufige Fragen zur Immobilienfinanzierung für Kapitalanleger
Sind Mietkauf-Vereinbarungen ohne Notar gültig?
Nein, nach BGB ist die notarielle Beurkundung zwingend erforderlich für die Rechtsgültigkeit.
Wie hoch sind die wahren Kosten eines Mietkaufs?
Oft liegen Miete und Kaufpreis über Marktniveau, was zu höheren Gesamtkosten als bei klassischer Finanzierung führt.
Gibt es seriöse Mietkauf-Anbieter?
Ja, einige Wohnungsbaugenossenschaften bieten faire Mietkauf- oder Optionskaufmodelle an.