Veröffentlicht am Mai 16, 2024

Entgegen der Werbung ist die 0%-Finanzierung selten kostenlos; sie ist ein psychologisches Instrument, um Sie an teure Folgeprodukte und langfristige Finanzverträge zu binden.

  • Das „kostenlose“ Darlehen dient oft nur dazu, Ihnen einen teuren Rahmenkredit mit Zinsen von bis zu 17 % unterzuschieben.
  • Falsche Anfragen bei der SCHUFA („Kreditanfrage“ statt „Konditionenanfrage“) können Ihre Bonität für zukünftige, wichtigere Kredite ruinieren.
  • Der Widerruf ist gesetzlich möglich, aber an strikte Fristen und Formalitäten gebunden, die Sie kennen müssen.

Empfehlung: Bestehen Sie bei jedem Kreditvergleich auf einer „Anfrage Kreditkonditionen“ und lehnen Sie alle Zusatzverträge, insbesondere Restschuldversicherungen und Kreditkarten, konsequent und schriftlich ab.

Der neue 85-Zoll-Fernseher leuchtet Ihnen im Prospekt entgegen. Daneben das magische Versprechen: „0 % effektiver Jahreszins“. Der Gedanke ist verlockend. Warum das Ersparte angreifen, wenn der Händler Ihnen das Geld scheinbar schenkt? Genau hier beginnt die psychologische Falle. Die meisten Verbraucher glauben, es ginge darum, die Konditionen für einen einfachen Ratenkauf zu prüfen. Sie vergleichen vielleicht noch den Produktpreis, lesen das Kleingedruckte und wiegen sich in Sicherheit. Doch dieser Fokus auf den unmittelbaren Kauf ist genau das, was die Anbieter wollen.

Die Wahrheit ist: Die Null-Prozent-Finanzierung ist oft nur der Köder. Ihr wahrer Zweck ist nicht, Ihnen einen Fernseher zu verkaufen, sondern Sie unbemerkt in ein komplexes und teures Finanz-Ökosystem zu ziehen. Es geht um gekoppelte Kreditkarten, teure Rahmenkredite, die nach der Zinsfrei-Phase greifen, und um überflüssige Restschuldversicherungen. Das eigentliche Geschäft für die Bank beginnt erst, nachdem Sie den Laden mit dem neuen Gerät verlassen haben. Die 0 % sind keine Finanzierungshilfe, sondern eine hochentwickelte Marketingstrategie, die auf Impulskäufe und die mangelnde finanzielle Aufklärung der Kunden setzt.

Doch was, wenn die wahre Gefahr nicht der Zinssatz ist, sondern die Struktur des Vertrags selbst? Was, wenn der kleine Unterschied bei einer SCHUFA-Anfrage über Ihre finanzielle Zukunft entscheidet? Dieser Artikel deckt die Mechanismen hinter den Lockangeboten auf. Wir sezieren die Tricks der Anbieter, erklären Ihre Rechte als Verbraucher und geben Ihnen konkrete Werkzeuge an die Hand, um informierte Entscheidungen zu treffen und nicht in die Schuldenfalle zu tappen.

Um die komplexen Fallen der Konsumfinanzierung vollständig zu durchschauen, beleuchten wir in diesem Leitfaden die entscheidenden Aspekte Schritt für Schritt. Von den versteckten Zinsen über Ihre Widerrufsrechte bis hin zur Optimierung Ihrer Bonität – hier finden Sie alle wichtigen Informationen, um sich zu schützen.

Online vs. Filialbank: Warum der Zinssatz im Schaufenster fast nie der ist, den Sie bekommen

Der beworbene Null-Prozent-Zinssatz ist das Aushängeschild der Verkaufsstrategie, aber selten die ganze Wahrheit. Der effektive Jahreszins, der alle Kosten eines Kredits umfassen sollte, ist bei diesen Angeboten oft irreführend. Der Trick liegt darin, die 0 % an ein anderes, viel teureres Finanzprodukt zu koppeln. In der Praxis schließen Sie oft nicht nur einen Ratenkredit für Ihr Wunschgerät ab, sondern gleichzeitig einen unbefristeten Rahmenkredit mit einer zugehörigen Kreditkarte. Die 0 % gelten dann nur für die erste Verfügung – also den Kauf des Fernsehers. Jede weitere Nutzung der Karte oder eine nicht fristgerechte Tilgung führt zu drastisch höheren Zinsen.

Diese Praxis ist so verbreitet, dass Gerichte bereits einschreiten mussten. In einem wegweisenden Urteil gegen die MMS E-Commerce GmbH, die hinter MediaMarkt und Saturn steht, hat das Oberlandesgericht München klargestellt, dass solche Praktiken irreführend sind. Das Gericht urteilte, dass Unternehmen „klar und unmissverständlich“ auf gekoppelte Rahmenkredite hinweisen müssen. Zum Zeitpunkt der Abmahnung durch die Verbraucherzentrale lag der tatsächliche effektive Jahreszins für diesen versteckten Kredit bei satten 15,9 Prozent. Dies zeigt, dass der Schaufenster-Zinssatz oft nur ein Lockvogel für ein weitaus teureres Finanz-Ökosystem ist.

Der Sollzins beschreibt dabei nur die reinen Zinskosten für das geliehene Geld, während der effektive Jahreszins alle zusätzlichen Kosten wie Bearbeitungsgebühren enthalten muss. Bei Null-Prozent-Angeboten werden die Kosten jedoch oft in andere Produkte ausgelagert, wodurch der effektive Zins künstlich niedrig erscheint. Seien Sie daher extrem misstrauisch, wenn Sie neben dem Kreditvertrag auch eine Kreditkarte oder einen Kontorahmen unterschreiben sollen.

Kauf bereut? Wie Sie Finanzierung und Kaufvertrag innerhalb von 14 Tagen rückgängig machen

Sie haben im Eifer des Gefechts unterschrieben und bereuen den Kauf oder die Finanzierung? Keine Sorge, der deutsche Gesetzgeber schützt Sie. Handelt es sich bei dem Kauf- und dem Kreditvertrag um ein sogenanntes „verbundenes Geschäft“ (§ 358 BGB), was bei Händlerfinanzierungen die Regel ist, können Sie sich von beidem lösen. Wenn Sie den Kreditvertrag widerrufen, gilt auch der Kaufvertrag als widerrufen – und umgekehrt.

Hierfür haben Sie nach Vertragsabschluss eine Frist von 14 Tagen. Diese Frist beginnt erst, wenn Sie ordnungsgemäß über Ihr Widerrufsrecht belehrt wurden. Der Widerruf muss keine Begründung enthalten, sollte aber aus Beweisgründen immer schriftlich erfolgen, am besten per Einwurfeinschreiben an die Bank. Mit dem erfolgreichen Widerruf wird der gesamte Vertrag rückabgewickelt. Sie müssen die Ware an den Händler zurückgeben und die Bank darf keine Zinsen oder Gebühren verlangen.

Ein besonderer Schutzmechanismus wurde zudem für die oft nutzlosen und teuren Restschuldversicherungen (RSV) eingeführt. Um den Druck beim Abschluss zu reduzieren, gilt eine wichtige Neuregelung: Ab dem 1. Januar 2025 darf eine Restschuldversicherung erst sieben Tage nach der Kreditvergabe abgeschlossen werden. Diese „Abkühlphase“ gibt Ihnen Zeit, die Notwendigkeit und die Kosten des Versicherungsvertrags in Ruhe zu prüfen, ohne dem Verkaufsdruck am Point of Sale ausgesetzt zu sein. Für Verträge, die zwischen 2018 und Ende 2024 geschlossen wurden, gilt zudem eine besondere Regel: Prüfen Sie, ob Sie eine Woche nach Vertragsabschluss eine erneute Widerrufsbelehrung in Textform erhalten haben. Falls nicht, könnte Ihre Widerrufsfrist unter Umständen noch laufen.

Konditionenanfrage vs. Kreditanfrage: Der kleine Unterschied, der Ihren Score ruiniert

Viele Verbraucher, die Kredite vergleichen, tappen unwissentlich in eine Falle, die ihren SCHUFA-Score und damit ihre zukünftige Kreditwürdigkeit erheblich beeinträchtigen kann. Der Grund liegt in einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied: der Art der Anfrage, die eine Bank an die SCHUFA stellt. Es gibt die „Anfrage Kreditkonditionen“ und die „Anfrage Kredit“. Während erstere neutral ist, kann letztere Ihren Score ruinieren.

Eine „Anfrage Kreditkonditionen“ (auch Konditionenanfrage genannt) ist SCHUFA-neutral. Sie dient lediglich dazu, dass die Bank Ihre Bonität prüft, um Ihnen ein unverbindliches Angebot zu erstellen. Diese Anfrage ist nur für Sie selbst in Ihrer SCHUFA-Auskunft für 12 Monate sichtbar, nicht aber für andere Banken. Sie können also mehrere Konditionenanfragen bei verschiedenen Banken stellen, ohne Ihren Score zu gefährden.

Ganz anders die „Anfrage Kredit“ (auch Kreditanfrage). Diese wird von der Bank gestellt, wenn Sie einen verbindlichen Kreditantrag einreichen. Sie wird in Ihrer SCHUFA-Akte vermerkt und ist für andere Kreditinstitute zehn Tage lang sichtbar. Wenn Sie innerhalb kurzer Zeit mehrere Kreditanfragen bei verschiedenen Banken stellen, signalisiert dies der SCHUFA und anderen Banken ein potenziell hohes Risiko. Es sieht so aus, als wären Sie bei mehreren Banken abgelehnt worden und nun verzweifelt auf der Suche nach Geld. Dies führt fast immer zu einer Herabstufung Ihres Scores. Um dies zu vermeiden, sollten Sie bei jedem Kreditvergleich explizit darauf bestehen, dass nur eine Konditionenanfrage gestellt wird.

Visualisierung des Unterschieds zwischen Konditionsanfrage und Kreditanfrage bei der SCHUFA

Die folgende Formulierung hat sich in der Praxis bewährt, um sicherzustellen, dass die Bank die richtige, SCHUFA-neutrale Anfrage stellt:

Ich möchte explizit nur eine Konditionenanfrage nach § 34 Abs. 4 BDSG

– Empfohlene Formulierung, Verbraucherschutz-Empfehlung

Ballonfinanzierung vs. Ratenkredit: Warum die niedrige Rate am Ende oft zur teuren Falle wird

Niedrige monatliche Raten sind ein starkes Verkaufsargument, besonders bei hochpreisigen Gütern. Doch Vorsicht ist geboten, wenn es sich um eine Ballonfinanzierung handelt. Diese Finanzierungsform, die oft im Automobilbereich, aber auch bei teurer Elektronik angeboten wird, lockt mit geringen Raten während der Laufzeit, endet aber mit einer sehr hohen Schlussrate, dem sogenannten „Ballon“. Diese muss am Ende auf einen Schlag bezahlt werden. Kann der Kreditnehmer das nicht, muss er eine teure Anschlussfinanzierung aufnehmen, oft zu deutlich schlechteren Konditionen. Unterm Strich ist die Ballonfinanzierung aufgrund der über die gesamte Laufzeit höheren Zinslast fast immer die teurere Option im Vergleich zu einem klassischen Ratenkredit.

Ein weiteres, oft übersehenes Risiko ist die Zinsfalle nach Ablauf der Null-Prozent-Phase bei gekoppelten Rahmenkrediten. Der Vertrag für die 0%-Finanzierung Ihres Fernsehers ist oft an eine Kreditkarte mit eigenem Kreditrahmen gebunden. Nach Ablauf der meist kurzen zinsfreien Zeit für den Fernseher (z. B. 12 Monate) greift für alle weiteren Verfügungen oder den nicht getilgten Saldo ein extrem hoher Zinssatz. Bei MediaMarkt beispielsweise beträgt der veränderliche Sollzinssatz nach der 0%-Phase aktuell 17,43% für Folgeverfügungen. Diese psychologische Kostenfalle ist darauf ausgelegt, dass Kunden die Karte weiter nutzen und so in eine teure, langfristige Verschuldung rutschen.

Die folgende Vergleichstabelle verdeutlicht, wie eine Ballonfinanzierung im Vergleich zu einem klassischen Ratenkredit bei der Finanzierung eines 20.000-Euro-Fernsehers über 48 Monate abschneidet. Trotz der niedrigeren Monatsrate entstehen am Ende erhebliche Mehrkosten.

Kostenvergleich: 20.000€ Fernseher-Finanzierung über 48 Monate
Finanzierungsart Monatliche Rate Schlussrate Gesamtkosten Mehrkosten
Ballonfinanzierung (4,5% eff.) 257,15 € 10.000 € 25.171,99 € + 1.532,10 €
Klassischer Ratenkredit (4,5% eff.) 394,00 € 0 € 23.639,89 € Referenz
Dispokredit (10%) flexibel 0 € ca. 24.000 € + 360,11 €

Kredit für 30 Tage: Warum Minikredite mit Zusatzgebühren effektive Zinsen von 100% haben können

Kurzfristige finanzielle Engpässe können jeden treffen. Anbieter von sogenannten Minikrediten oder Kurzzeitkrediten versprechen schnelle und unbürokratische Hilfe. Sie werben oft mit scheinbar günstigen Zinsen für kleine Summen (z. B. 500 Euro für 30 Tage). Die wahre Kostenfalle liegt hier jedoch nicht im Zinssatz selbst, sondern in den teuren Zusatzgebühren für essentielle Dienstleistungen, die den effektiven Jahreszins in absurde Höhen treiben können.

Das Geschäftsmodell basiert darauf, den Grundkredit günstig anzubieten, aber für eine schnelle Auszahlung (oft als „Express-Option“ oder „Blitzüberweisung“ bezeichnet) horrende Gebühren zu verlangen. Ohne diese Option dauert die Auszahlung oft so lange, dass der Kredit seinen Zweck – die schnelle Überbrückung – verfehlt. Diese Gebühren für die Beschleunigung können leicht 50 bis 100 Euro betragen. Rechnet man diese Gebühr auf einen Kleinkredit von wenigen hundert Euro mit kurzer Laufzeit um, ergibt sich ein effektiver Jahreszins von mehreren hundert oder sogar über tausend Prozent.

Darstellung der versteckten Kosten bei Minikrediten durch Zusatzgebühren

Diese Praktiken sind legal, da die Gebühren nicht als Zinsen, sondern als Kosten für eine optionale Zusatzleistung deklariert werden. Für den Verbraucher macht das jedoch keinen Unterschied: Das geliehene Geld wird extrem teuer. Eine weitere Kostenquelle sind teure Versicherungen. Zwar hat der Gesetzgeber hier regulierend eingegriffen, indem eine seit dem 01.07.2022 geltende Regelung die Provision für Restschuldversicherungen auf maximal 2,5% des Darlehensbetrags begrenzt, was den Anreiz für Banken reduziert. Bei Minikrediten liegt die Gefahr aber primär in den Servicegebühren.

Bevor Sie einen Minikredit in Erwägung ziehen, sollten Sie alle Alternativen prüfen: den Dispokredit des eigenen Girokontos (der trotz hoher Zinsen meist günstiger ist), einen Rahmenkredit bei Ihrer Hausbank oder die Bitte um einen Gehaltsvorschuss beim Arbeitgeber. Minikredite sollten die absolute letzte Option sein.

Teure Altkredite umschulden: Wann lohnt sich die Vorfälligkeitsentschädigung für den Zinswechsel?

Haben Sie in der Vergangenheit einen teuren Ratenkredit abgeschlossen und ärgern sich nun über die hohen Zinsen, während die aktuellen Angebote deutlich günstiger sind? Eine Umschuldung, also die Ablösung des alten Kredits durch einen neuen, günstigeren, kann eine erhebliche Ersparnis bringen. Doch die Bank, bei der Sie den Altkredit haben, wird Ihnen für die vorzeitige Kündigung eine Gebühr in Rechnung stellen: die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung.

Die gute Nachricht für Verbraucher: Bei Konsumentenkrediten ist diese Entschädigung in Deutschland streng gesetzlich geregelt. Nach § 502 BGB ist die Vorfälligkeitsentschädigung für Konsumkredite auf maximal 1% der Restschuld gedeckelt. Beträgt die Restlaufzeit des Kredits weniger als ein Jahr, sinkt die maximale Gebühr sogar auf 0,5 % der Restschuld. Diese Deckelung macht eine Umschuldung für Verbraucher oft sehr attraktiv.

Die Berechnung ist einfach: Vergleichen Sie die Zinsersparnis, die Sie durch den neuen, günstigeren Kredit über die gesamte Restlaufzeit erzielen, mit der einmaligen Vorfälligkeitsentschädigung. Ist die Ersparnis höher als die Gebühr, lohnt sich die Umschuldung. Ein weiterer positiver Nebeneffekt kann die Verbesserung Ihres SCHUFA-Scores sein. Wenn Sie mehrere kleine Kredite (z. B. von verschiedenen Null-Prozent-Finanzierungen) zu einem einzigen, größeren Ratenkredit zusammenfassen, wirkt sich das oft positiv auf Ihre Bonitätsbewertung aus, da Sie als strukturierter und zuverlässiger wahrgenommen werden. Aber Vorsicht: Banken werden Ihnen bei der Umschuldung oft wieder eine neue Restschuldversicherung anbieten. Die Verbraucherzentralen raten davon dringend ab, da diese Produkte teuer sind und selten leisten, was sie versprechen.

Eine Umschuldung ist eine strategische Entscheidung. Die entscheidende Frage ist stets, ob die Zinsersparnis die Kosten der Vorfälligkeitsentschädigung übersteigt.

SCHUFA-Score verbessern: Wie Sie Ihre Bonität vor dem Kreditantrag „aufräumen“

Ihr SCHUFA-Score ist die wichtigste Kennzahl für Ihre Kreditwürdigkeit in Deutschland. Er entscheidet nicht nur darüber, ob Sie einen Kredit bekommen, sondern auch, zu welchen Konditionen. Ein guter Score bedeutet niedrige Zinsen, ein schlechter Score hohe Zinsen oder eine Ablehnung. Glücklicherweise sind Sie Ihrem Score nicht passiv ausgeliefert. Mit gezielter Bonitäts-Hygiene können Sie ihn aktiv verbessern, bevor Sie eine wichtige Finanzierung wie einen Immobilienkredit oder eine größere Anschaffung planen.

Der erste und wichtigste Schritt ist Transparenz. Jeder Bürger hat das Recht, einmal pro Jahr eine kostenlose Datenkopie (nach Art. 15 DSGVO) von der SCHUFA anzufordern. Nutzen Sie dieses Recht, um alle über Sie gespeicherten Daten auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Falsche oder veraltete Einträge (z. B. über längst abbezahlte Kredite oder nicht mehr existierende Konten) sind keine Seltenheit und können Ihren Score unnötig verschlechtern. Finden Sie Fehler, müssen Sie die Korrektur umgehend bei der SCHUFA und dem meldenden Unternehmen beantragen.

Der SCHUFA-Basisscore ist ein Prozentwert, der die Wahrscheinlichkeit angibt, mit der Sie Ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Der Basisscore ist ein Prozentwert zwischen 0 und 100 – da aber für jede Person eine statistische Sterbewahrscheinlichkeit besteht, kann niemand 100% erreichen. Ein Wert über 97,5 % gilt als ausgezeichnet. Neben der Korrektur falscher Daten können Sie Ihren Score durch weitere Maßnahmen verbessern: Gleichen Sie Ihren Dispokredit aus, kündigen Sie unnötige Girokonten und Kreditkarten (zu viele werden negativ bewertet) und zahlen Sie alle Rechnungen stets pünktlich. Eine gute Bonitäts-Hygiene ist die Grundlage für günstige Finanzierungen.

Ihre Checkliste zur Bonitäts-Hygiene

  1. Fordern Sie mindestens einmal jährlich eine kostenlose SCHUFA-Datenkopie an, um fehlerhafte oder veraltete Daten zu ermitteln.
  2. Beantragen Sie die umgehende Korrektur aller fehlerhaften Einträge bei der SCHUFA und dem meldenden Unternehmen.
  3. Gleichen Sie Ihren Dispokredit nach Möglichkeit vollständig aus, da eine dauerhafte Nutzung als negatives Merkmal gewertet wird.
  4. Reduzieren Sie die Anzahl Ihrer Girokonten und Kreditkarten auf das notwendige Maß; zu viele Konten können den Score senken.
  5. Zahlen Sie ausnahmslos alle Rechnungen und Raten pünktlich, um negative Einträge von vornherein zu vermeiden.

Ein guter SCHUFA-Score ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Pflege. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Bonität aktiv aufzuräumen, um für zukünftige Finanzvorhaben bestens aufgestellt zu sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der 0%-Köder: Das Angebot dient primär dazu, Sie in einen Vertrag mit einem teuren Rahmenkredit (bis zu 17% Zinsen) und unnötigen Versicherungen zu locken.
  • Die SCHUFA-Falle: Eine falsche „Kreditanfrage“ statt einer neutralen „Konditionenanfrage“ kann Ihren Bonitätsscore für zukünftige, wichtigere Kredite beschädigen.
  • Ihr Recht als Verbraucher: Bei verbundenen Geschäften (Kauf + Finanzierung) haben Sie ein 14-tägiges Widerrufsrecht für beide Verträge.

Finanzanalyse nach DIN 77230: Warum standardisierte Normen besser sind als das Bauchgefühl Ihres Beraters

Warum tappen so viele Menschen in die Falle der Null-Prozent-Finanzierung? Weil die Entscheidung oft emotional und impulsiv getroffen wird, anstatt auf einer rationalen Analyse zu basieren. Das „Bauchgefühl“ oder der freundliche Berater im Elektromarkt sind schlechte Ratgeber, wenn es um komplexe Finanzprodukte geht. Um Verbraucher vor solchen Fehlentscheidungen zu schützen, wurde die DIN-Norm 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“ entwickelt. Sie bietet einen objektiven und standardisierten Rahmen zur Bewertung der eigenen Finanzsituation.

Die Logik der DIN-Norm lässt sich auch auf kleine Konsumkredite anwenden. Statt sich zu fragen „Kann ich mir die Rate leisten?“, stellt die Norm die richtigen Fragen: Ist die Anschaffung wirklich notwendig? Gefährdet die Ratenzahlung den Aufbau einer notwendigen Liquiditätsreserve (empfohlen: 3-6 Netto-Monatsgehälter)? Passt der Kauf zu meinen langfristigen finanziellen Zielen? Eine Studie zeigt, dass 64% aller finanzierten Käufe im Handel ohne die Finanzierungsmöglichkeit nicht erfolgt wären. Dies belegt den starken Impulscharakter, den eine standardisierte Analyse kanalisieren kann.

Ein standardisierter Ansatz schützt auch vor dem Aufschwätzen unnötiger Produkte wie der Restschuldversicherung (RSV). Wie sehr Verbraucher hier unter Druck gesetzt werden, zeigt eine BaFin-Untersuchung aus dem Jahr 2023: 6% der Testkäufer fühlten sich zum Kauf einer RSV gedrängt. Die Finanzaufsicht bemängelte zudem die teils hohen Kosten und geringen Leistungsquoten. Hierzu passt die Einschätzung von Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv):

Restschuldversicherungen leisten oft nicht das, was sie vorgeben zu leisten, sind überteuert, lückenhaft und unnötig

– Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzmarkt beim vzbv

Eine objektive Finanzanalyse nach standardisierten Kriterien hätte in den meisten Fällen ergeben, dass ein solches Produkt für den individuellen Bedarf ungeeignet ist.

Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Bauchgefühl, sondern nutzen Sie objektive Kriterien. Eine strukturierte Finanzanalyse nach der Logik der DIN 77230 ist der beste Schutz vor teuren Impulskäufen.

Um sich dauerhaft vor den psychologischen Tricks der Konsumfinanzierung zu schützen, ist es unerlässlich, die grundlegenden Mechanismen zu verinnerlichen. Der beworbene Zinssatz ist nur die Spitze des Eisbergs; die wahre Gefahr liegt im unsichtbaren Finanz-Ökosystem, das Ihnen mit dem Kauf aufgedrängt wird. Indem Sie die hier vorgestellten Strategien anwenden – von der Prüfung Ihrer SCHUFA-Daten bis zum konsequenten Widerruf zweifelhafter Verträge – erlangen Sie die Kontrolle über Ihre Finanzen zurück.

Geschrieben von Michael Bauer, Bankkaufmann und geprüfter Immobilienökonom (ADI) mit 15 Jahren Erfahrung in der Baufinanzierung und Immobilienbewertung. Er berät Kapitalanleger und Eigenheimerwerber bei der Strukturierung optimaler Finanzierungskonzepte.