Veröffentlicht am März 15, 2024

Wenn die Steuerfahndung anklopft, ist Ihr langjähriger Steuerberater nicht Ihr Schutzschild, sondern eine potenzielle Haftungsfalle.

  • Ein Interessenkonflikt besteht, da er die möglicherweise fehlerhaften Erklärungen erstellt hat und als Zeuge gegen Sie aussagen könnte.
  • Ihm fehlt die strafrechtliche Expertise und die Befugnis, Sie als Strafverteidiger vor Gericht zu vertreten.

Empfehlung: Kontaktieren Sie umgehend und ausschließlich einen Fachanwalt für Steuerrecht. Nur dieser Spezialist kann eine wirksame Verteidigungsstrategie ohne Interessenkonflikte entwickeln und Sie umfassend schützen.

Der Briefumschlag mit dem Stempel der Steuerfahndung oder des Finanzamts für Steuerstrafsachen liegt auf dem Tisch. In diesem Moment setzt bei den meisten Unternehmern eine Mischung aus Schock und Panik ein. Der erste Impuls ist fast immer derselbe: Den vertrauten Steuerberater anrufen, der die Finanzen seit Jahren regelt. Doch genau dieser Impuls, so verständlich er ist, kann sich als gravierender strategischer Fehler erweisen. Was viele nicht wissen: In der akuten Krise eines Steuerstrafverfahrens ist der bisherige Berater oft nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

Die gängigen Ratschläge – Ruhe bewahren, keine Aussagen machen – sind zwar korrekt, greifen aber zu kurz. Sie übersehen den entscheidenden Punkt: den fundamentalen Interessenkonflikt, in dem sich Ihr Steuerberater nun befindet. Er hat die Steuererklärungen erstellt, die jetzt im Fokus der Ermittlungen stehen. Damit ist er nicht nur Berater, sondern potenziell auch ein wichtiger Zeuge – und zwar nicht unbedingt zu Ihren Gunsten. Die Annahme, er könne Sie nun wie gewohnt vertreten, ist ein gefährlicher Trugschluss, der Ihre Verteidigung von Anfang an untergräbt.

Doch wenn die Person, der Sie bisher blind vertraut haben, plötzlich zum Risiko wird, was ist dann die richtige Strategie? Die Antwort liegt in einer Verlagerung des Fokus: Weg von der reinen Verwaltungsroutine, hin zur spezialisierten, strategischen Verteidigung. Dieser Artikel zeigt Ihnen, warum der Wechsel zu einem Fachanwalt für Steuerrecht in dieser Situation nicht nur eine Option, sondern eine unbedingte Notwendigkeit ist. Wir analysieren die kritischen Fehler bei der Selbstanzeige, die rechtlichen Instrumente zu Ihrer Verteidigung und die klare Abgrenzung der Kompetenzen, die über Ihre finanzielle und persönliche Zukunft entscheiden kann.

Um die komplexen Zusammenhänge und die notwendigen Handlungsschritte zu verstehen, gliedert sich dieser Leitfaden in präzise Abschnitte. So erhalten Sie einen klaren Überblick über Ihre strategischen Optionen und die Fallstricke, die es unbedingt zu vermeiden gilt.

Straffrei durch Selbstanzeige: Die 3 Fehler, die Ihre „Rückkehr zur Ehrlichkeit“ unwirksam machen

Die Selbstanzeige nach § 371 AO wird oft als „goldene Brücke“ zur Straffreiheit dargestellt. Doch dieser Weg ist schmal und voller Fallstricke. Der kleinste Fehler kann die gesamte Konstruktion zum Einsturz bringen und die strafbefreiende Wirkung zunichtemachen. Gerade hier zeigt sich der fundamentale Interessenkonflikt Ihres bisherigen Steuerberaters. Da er die ursprünglichen, fehlerhaften Erklärungen möglicherweise selbst erstellt hat, befindet er sich in einer Zwickmühle zwischen der Loyalität zu Ihnen und seiner eigenen potenziellen Haftung. Eine objektive Aufarbeitung ist unter diesen Umständen kaum möglich.

Interessenkonflikt bei Selbstanzeige durch den bisherigen Steuerberater

Die drei häufigsten Fehler, die eine Selbstanzeige unwirksam machen, sind direkt mit mangelnder Spezialisierung verknüpft:

  1. Die „Salami-Taktik“: Viele versuchen, nur die offensichtlichsten Fehler zu korrigieren, in der Hoffnung, der Rest bliebe unentdeckt. Die Rechtsprechung ist hier unerbittlich: Eine Teilselbstanzeige führt zur vollständigen Unwirksamkeit der gesamten Selbstanzeige. Es muss alles auf den Tisch, ohne Ausnahme.
  2. Unvollständigkeit der Angaben: Für eine wirksame Selbstanzeige müssen alle unverjährten Steuerstraftaten einer Steuerart vollständig nachgemeldet werden. Oft wird übersehen, dass nach aktueller Rechtsprechung sogar bereits verjährte Taten aus früheren Jahren deklariert werden müssen, um die Gesamtsituation lückenlos darzustellen und die Wirksamkeit für die unverjährten Zeiträume zu sichern.
  3. Verpassen des richtigen Zeitpunkts: Die Selbstanzeige ist gesperrt, sobald die Tat entdeckt ist und der Täter dies weiß oder damit rechnen musste. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Prüfungsanordnung bekannt gegeben wird oder die Steuerfahndung erscheint. Ein Fachanwalt kann präzise einschätzen, ob das Zeitfenster noch offen ist.

Eine wirksame Selbstanzeige ist kein administrativer Akt, sondern ein hochkomplexes juristisches Manöver, das absolute Präzision erfordert. Die Beauftragung eines unbeteiligten Fachanwalts für Steuerrecht ist hier kein Luxus, sondern die Grundvoraussetzung, um diesen Weg sicher zu beschreiten.

Rechtssicherheit kaufen: Wann lohnt es sich, beim Finanzamt eine verbindliche Auskunft zu beantragen?

Ein Steuerstrafverfahren entsteht oft aus Unsicherheit über die rechtliche Zulässigkeit komplexer Sachverhalte. Um solche Krisen proaktiv zu vermeiden, bietet die Abgabenordnung ein mächtiges Instrument: die verbindliche Auskunft nach § 89 AO. Damit können Sie sich eine geplante Gestaltung vom Finanzamt vorab „absegnen“ lassen und so Rechtssicherheit für die Zukunft schaffen. Dies ist besonders bei großen Investitionen, Unternehmensumstrukturierungen oder komplexen Nachfolgeregelungen relevant.

Der Antrag auf eine verbindliche Auskunft ist jedoch kein einfacher Brief an das Finanzamt. Er muss den kompletten, für die Beurteilung relevanten Sachverhalt darlegen, eine konkrete Rechtsfrage formulieren und ein eigenes rechtliches Ergebnis vorschlagen. Dieser Prozess ist formalisiert und kostenpflichtig. Die aktuellen Gebühren für verbindliche Auskünfte richten sich nach dem Gegenstandswert; bei nicht bestimmbarem Wert wird eine Zeitgebühr berechnet. In komplexen Fällen mit hohen Gegenstandswerten können die Kosten erheblich sein. Ein vom Bundesfinanzhof entschiedener Fall zeigt, dass bei einem Wert von über 30 Mio. EUR die Höchstgebühr von 91.456 EUR festgesetzt wurde.

Es ist entscheidend, die verbindliche Auskunft nicht mit der kostenfreien Anrufungsauskunft zu verwechseln, die nur lohnsteuerliche Sachverhalte betrifft. Der folgende Vergleich zeigt die wesentlichen Unterschiede:

Vergleich: Verbindliche Auskunft vs. Anrufungsauskunft
Kriterium Verbindliche Auskunft (§ 89 AO) Anrufungsauskunft (§ 42e EStG)
Anwendungsbereich Alle Steuerarten Nur Lohnsteuer
Kosten Nach Gegenstandswert (kann erheblich sein) Grundsätzlich kostenfrei
Bearbeitungszeit Bis zu 6 Monate In der Regel schneller
Bindungswirkung Vollständig bindend für das Finanzamt Bindend nur für den Lohnsteuerabzug

Die Entscheidung, ob sich die Kosten einer verbindlichen Auskunft lohnen, ist eine strategische Abwägung. Ein Fachanwalt für Steuerrecht kann nicht nur den Antrag rechtssicher formulieren, sondern auch eine präzise Kosten-Nutzen-Analyse durchführen. Er bewertet das Risiko einer späteren Beanstandung gegen die Kosten der sofortigen Rechtssicherheit und hilft Ihnen, eine fundierte unternehmerische Entscheidung zu treffen.

Einspruch eingelegt: Wie Sie die Aussetzung der Vollziehung erreichen, um nicht sofort zahlen zu müssen

Ein Steuerbescheid, der aus einer Betriebsprüfung resultiert, ist oft mit einer hohen Nachforderung verbunden. Auch wenn Sie Einspruch einlegen, bleibt die Zahlungsverpflichtung grundsätzlich bestehen. Das Finanzamt kann also vollstrecken, obwohl die Rechtmäßigkeit des Bescheids noch gar nicht geklärt ist. Dies kann für ein Unternehmen schnell existenzbedrohend werden. Um diesen sofortigen Liquiditätsabfluss zu stoppen, gibt es das Instrument der Aussetzung der Vollziehung (AdV).

Ein Antrag auf AdV wird nur dann gewährt, wenn „ernstliche Zweifel“ an der Rechtmäßigkeit des Steuerbescheids bestehen oder die sofortige Zahlung eine „unbillige Härte“ für den Steuerpflichtigen bedeuten würde. Wie das smartsteuer Steuerlexikon treffend erläutert:

Ernstliche Zweifel liegen z.B. vor, wenn das Finanzamt von der Rechtsprechung abweicht oder die Gesetzlage unklar ist und der BFH noch keine Entscheidung getroffen hat.

– smartsteuer Steuerlexikon, Smartsteuer – Aussetzung der Vollziehung Definition

Der Antrag muss sorgfältig und mit juristischer Präzision begründet werden. Es reicht nicht aus, pauschal die Meinung des Finanzamts anzuzweifeln. Sie müssen konkret darlegen, warum die rechtliche Würdigung des Finanzamts fehlerhaft ist. Hier ist die Expertise eines Fachanwalts unerlässlich, der die aktuelle Rechtsprechung der Finanzgerichte und des Bundesfinanzhofs kennt und die Schwachstellen in der Argumentation der Behörde identifizieren kann. Gelingt der Antrag, wird die Zahlungspflicht ausgesetzt, bis über den Einspruch entschieden ist. Allerdings fallen für diesen Zeitraum Zinsen an, was bei der strategischen Planung berücksichtigt werden muss.

Ihr Plan zur erfolgreichen Beantragung der AdV

  1. Antragsstellung: Stellen Sie den Antrag auf AdV gleichzeitig mit dem Einspruch oder unmittelbar danach, um keine Zeit zu verlieren.
  2. Begründung: Führen Sie detailliert „ernstliche Zweifel“ an der Rechtmäßigkeit des Bescheids an (z.B. Abweichung von BFH-Urteilen) oder belegen Sie eine „unbillige Härte“ mit konkreten Nachweisen (z.B. Liquiditätsplanung, BWA).
  3. Nachweisführung: Legen Sie bei der Begründung mit unbilliger Härte alle relevanten wirtschaftlichen Unterlagen bei, um Ihre Argumentation zu untermauern und die Existenzgefährdung glaubhaft zu machen.
  4. Zinsrisiko bewerten: Kalkulieren Sie das Zinsrisiko von 0,15 % pro Monat (ab 2024, davor 0,5%) auf die ausgesetzte Summe ein, falls der Einspruch später scheitern sollte.
  5. Fristen überwachen: Überwachen Sie die Reaktion des Finanzamts. Lehnt es den AdV-Antrag ab, muss umgehend das Finanzgericht angerufen werden, um vorläufigen Rechtsschutz zu erlangen.

Steuergestaltungs-Check: Warum eine zweite Expertenmeinung Sie vor illegalen Steuersparmodellen schützt

Viele Steuergestaltungsmodelle bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Was heute als legale Gestaltung gilt, kann morgen von den Finanzgerichten als Gestaltungsmissbrauch (§ 42 AO) oder sogar als Steuerhinterziehung eingestuft werden. Die Verlockung, durch aggressive „Steuersparmodelle“ die Abgabenlast zu senken, ist groß, doch das Risiko einer späteren bösen Überraschung ist es auch. Der berühmte Fall Uli Hoeneß hat drastisch vor Augen geführt, wie eine als sicher geglaubte Strategie in einer Verurteilung enden kann, insbesondere wenn die Selbstanzeige scheitert.

Prüfung einer Steuergestaltung durch unabhängige Zweitmeinung

Ihr Haus-Steuerberater, der ein solches Modell vielleicht selbst empfohlen und umgesetzt hat, wird dessen Rechtmäßigkeit kaum objektiv infrage stellen. Hier ist eine unabhängige Zweitmeinung durch einen Fachanwalt für Steuerrecht unerlässlich. Er prüft das Modell nicht aus der Perspektive des Verkäufers, sondern aus der Perspektive eines potenziellen Strafverteidigers. Er analysiert, ob die Gestaltung einer kritischen Prüfung durch die Finanzverwaltung und die Gerichte standhalten würde. Dies ist ein essenzieller Schutzmechanismus, um nicht unwissentlich in die Illegalität abzurutschen.

Die Gesetzesverschärfungen der letzten Jahre haben das Klima deutlich rauer gemacht. Eine Statistik zeigt, dass die Anzahl der eingestellten Steuerstrafverfahren nach Selbstanzeigen drastisch zurückging: von 18.032 im Jahr 2013 auf nur noch 4.373 im Jahr 2016. Dies belegt, dass die Hürden höher geworden sind und Fehler härter bestraft werden. Zudem bleibt die Steuerhinterziehung bei einer Selbstanzeige nur bis zu einem Betrag von 25.000 Euro pro Tat vollständig straffrei; darüber hinaus werden empfindliche Strafzuschläge fällig. Eine zweite Meinung schützt Sie davor, sich auf Gestaltungen einzulassen, deren Scheitern Sie am Ende teuer zu stehen kommt – finanziell und persönlich.

Fachanwalt oder Steuerberater: Wer hilft besser bei komplexen Erbschaftsstreitigkeiten?

Die Unterscheidung zwischen Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht wird nirgends so deutlich wie an der Schnittstelle von Steuerrecht und anderen Rechtsgebieten, beispielsweise im Erbrecht. Ein Erbschaftsstreit ist selten ein reines Steuerproblem. Meist geht es um zivilrechtliche Ansprüche, Testamentsauslegung und Pflichtteilsrechte, die massive steuerliche Konsequenzen haben. Hier endet die Kompetenz des reinen Steuerberaters abrupt. Er darf Sie nicht vor Zivilgerichten vertreten und besitzt in der Regel nicht die tiefgehende zivilrechtliche Expertise.

Ein Fachanwalt für Steuerrecht hingegen vereint beide Welten. Er ist Volljurist und darf Sie vor allen Gerichten vertreten – sei es das Finanzgericht, das Zivilgericht oder im schlimmsten Fall das Strafgericht. Diese Doppelkompetenz ist entscheidend. Er kann die zivilrechtliche Auseinandersetzung führen und gleichzeitig die steuerlichen Folgen optimieren. Er koordiniert Bewertungsgutachten und entwickelt eine Gesamtstrategie, die alle rechtlichen Aspekte berücksichtigt. Der Steuerberater ist hier oft nur noch ein Zulieferer für die rein buchhalterischen Daten.

Der Kompetenzvergleich macht die Unterschiede unmissverständlich klar:

Kompetenzvergleich bei Erbschaftsstreitigkeiten
Aspekt Fachanwalt für Steuerrecht Steuerberater
Zivilrechtliche Vertretung Vollumfänglich möglich Nicht möglich
Vertretung vor Finanzgericht Ja Eingeschränkt
Strafverteidigung Ja Nein
Bewertungsgutachten Koordination möglich Erstellung möglich

Diese klare Abgrenzung ist das Kernargument, warum Sie im Krisenfall eines Steuerstrafverfahrens einen Spezialisten benötigen. Ihr Steuerberater ist Experte für die Deklaration, der Fachanwalt ist Experte für die Verteidigung. Wie Dr. Hennig von der Kanzlei HT Strafrecht betont, ist die Situation oft zeitkritisch und erfordert höchste Spezialisierung:

Es bedarf für die Ausarbeitung nicht nur sicherer strafrechtlicher, sondern auch exzellenter steuerrechtlicher Kenntnisse. Oft steht nur ein ausgesprochen kurzes Zeitfenster für die straf- und steuerrechtliche Bewertung zur Verfügung.

– Dr. Hennig, HT Strafrecht

Compliance als Haftungsschutz: Wie Sie als Geschäftsführer die persönliche Haftung bei Regelverstößen vermeiden

Als Geschäftsführer tragen Sie eine immense Verantwortung – nicht nur für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Unternehmens, sondern auch für die Einhaltung sämtlicher steuerlicher Pflichten. Verstöße können nicht nur zu hohen Nachzahlungen für die GmbH führen, sondern auch Ihre persönliche Haftung als Geschäftsführer auslösen und strafrechtliche Konsequenzen haben. Der beste Schutz vor diesem Szenario ist ein proaktives Vorgehen: die Implementierung eines Tax Compliance Management Systems (Tax CMS).

Ein Tax CMS ist kein Ordner, der im Schrank verstaubt, sondern ein lebendiges System aus Prozessen, Kontrollen und Verantwortlichkeiten, das sicherstellt, dass alle steuerlichen Regelungen im Unternehmen eingehalten werden. Es dient dazu, Risiken frühzeitig zu erkennen, Fehler zu vermeiden und die Einhaltung der Gesetze systematisch zu dokumentieren. Ein solches System ist Ihr wirksamstes Schutzschild. Sollte es dennoch zu einem Fehler kommen, können Sie durch das dokumentierte Tax CMS nachweisen, dass Sie Ihrer Organisations- und Aufsichtspflicht als Geschäftsführer nachgekommen sind. Dies kann im Ernstfall den Vorwurf des Vorsatzes oder der Leichtfertigkeit entkräften und Sie so vor der persönlichen Haftung und einer strafrechtlichen Verfolgung bewahren.

Praxisbeispiel: Das Tax CMS als präventiver Schutz

Ein mittelständisches Unternehmen implementiert auf Anraten eines Fachanwalts ein Tax CMS nach dem Standard des IDW (PS 980). Es werden klare Prozesse für die Umsatzsteuermeldung und die Verrechnungspreisdokumentation eingeführt. Jahre später stellt eine Betriebsprüfung einen Fehler in der Verrechnungspreisdokumentation fest. Anstatt sofort ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Gewinnverkürzung einzuleiten, erkennt die Finanzverwaltung an, dass der Fehler trotz eines funktionierenden Kontrollsystems aufgetreten ist. Der Vorwurf des Vorsatzes wird fallen gelassen. Der Geschäftsführer vermeidet die persönliche Haftung; es kommt lediglich zu einer Steuernachzahlung für die GmbH. Das Tax CMS hat hier als entscheidender „Enthaftungsbeweis“ fungiert.

Die Einrichtung eines Tax CMS ist eine Investition in die Sicherheit des Unternehmens und in Ihre persönliche Sicherheit als Geschäftsführer. Ein Fachanwalt für Steuerrecht berät Sie nicht nur bei der strafrechtlichen Verteidigung, sondern hilft Ihnen vor allem dabei, durch präventive Maßnahmen sicherzustellen, dass es gar nicht erst so weit kommt.

Ein funktionierendes Compliance-System ist die Grundlage, um die persönliche Haftung als Geschäftsführer wirksam zu begrenzen.

Fiskalische Beratung statt bloße Verwaltung: Wie Sie durch vorausschauende Gestaltung die Steuerlast Ihrer GmbH um 20% senken

Ein exzellenter Berater schützt Sie nicht nur vor den Unwägbarkeiten des Steuerstrafrechts, er zeigt Ihnen auch proaktiv Wege auf, Ihre Steuerlast legal und nachhaltig zu optimieren. Der Fokus verschiebt sich von der reinen Verwaltung der Vergangenheit (Deklaration) zur aktiven Gestaltung der Zukunft. Hier liegen enorme Potenziale, die weit über das hinausgehen, was ein auf Standardprozesse ausgerichteter Steuerberater üblicherweise leistet.

Visualisierung einer Holding-Struktur zur Steueroptimierung

Ein klassisches Beispiel ist die Gründung einer Holding-Struktur. Während die Gewinne einer operativen GmbH der vollen Körperschaft- und Gewerbesteuer unterliegen, können Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen an Tochtergesellschaften unter dem Dach einer Holding zu 95 % steuerfrei vereinnahmt werden (§ 8b KStG). Diese Gestaltung ist besonders für Unternehmer relevant, die langfristig einen Exit planen oder mehrere Geschäftsbereiche getrennt voneinander aufbauen wollen. Eine solche Struktur muss jedoch sorgfältig geplant und umgesetzt werden, um nicht als Gestaltungsmissbrauch gewertet zu werden.

Ein weiteres Feld ist die Optimierung des Geschäftsführergehalts. Die richtige Balance aus Festgehalt, Tantiemen, Sachbezügen und einer betrieblichen Altersvorsorge kann die Steuerlast für den Geschäftsführer und die GmbH erheblich senken. Solche Gestaltungen erfordern oft eine verbindliche Auskunft beim Finanzamt, deren Kosten sich angesichts der langfristigen Ersparnis schnell amortisieren. Ein Fachanwalt für Steuerrecht denkt unternehmerisch: Er rechnet die Kosten der Beratung gegen den langfristigen finanziellen Vorteil und entwickelt so eine Strategie, die sich für Sie auszahlt. Es geht nicht darum, Steuern zu vermeiden, sondern darum, nicht mehr zu zahlen als gesetzlich notwendig.

Die Umstellung von reaktiver Verwaltung auf proaktive Gestaltung ist der Schlüssel, um das volle Potenzial der steuerlichen Optimierung auszuschöpfen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Steuerstrafverfahren ist Ihr bisheriger Steuerberater wegen Interessenkonflikten ein Risiko. Kontaktieren Sie ausschließlich einen Fachanwalt für Steuerrecht.
  • Eine Selbstanzeige erfordert absolute Vollständigkeit. Teilgeständnisse führen zur Unwirksamkeit und vollen Strafbarkeit.
  • Proaktive Instrumente wie die verbindliche Auskunft schaffen Rechtssicherheit, während reaktive Mittel wie die Aussetzung der Vollziehung Ihre Liquidität schützen.

Leistungsfall abgelehnt: Warum das Prinzip der Spezialisierung auch jenseits des Steuerrechts gilt

Das Prinzip, im Krisenfall auf einen hochspezialisierten und unabhängigen Experten statt auf den gewohnten Ansprechpartner zu setzen, gilt nicht nur im Steuerstrafrecht. Ein ähnliches Szenario kann Sie treffen, wenn Ihre Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung die Zahlung im Leistungsfall verweigert. Auch hier ist der ursprüngliche Versicherungsvermittler, der die Police verkauft hat, selten der richtige Partner, um Ihre Ansprüche gegen den Konzern durchzusetzen.

In solchen Fällen bietet sich oft der Weg über den Versicherungsombudsmann an. Dieses Schlichtungsverfahren ist für den Verbraucher in der Regel kostenlos und bietet eine außergerichtliche Möglichkeit, eine Entscheidung des Versicherers überprüfen zu lassen. Der Ombudsmann kann Entscheidungen bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro für den Versicherer verbindlich fällen. Für eine erfolgreiche Beschwerde ist eine präzise und lückenlose Dokumentation entscheidend.

  • Sammeln Sie die vollständige Kommunikation mit dem Versicherer.
  • Erstellen Sie eine sachliche, emotionsfreie Darstellung des Sachverhalts.
  • Fügen Sie alle relevanten Vertragsunterlagen und ärztlichen Belege bei.
  • Formulieren und begründen Sie eine klare Forderung.

Auch wenn dieses Feld anders gelagert ist, ist die strategische Logik identisch: Sobald ein Konflikt entsteht, benötigen Sie einen Vertreter, der ausschließlich auf Ihrer Seite steht und die spezifischen Regeln und Fallstricke des jeweiligen Rechtsgebiets kennt. Ob es um das Finanzamt oder einen Versicherungskonzern geht – im Ernstfall zählt nicht die vertraute Beziehung, sondern die spezialisierte Durchsetzungskraft.

Die Entscheidung, im Angesicht eines Steuerstrafverfahrens sofort einen Fachanwalt für Steuerrecht zu mandatieren, ist die wichtigste Weichenstellung für Ihre Zukunft. Es ist kein Misstrauensvotum gegen Ihren langjährigen Berater, sondern ein Gebot der strategischen Vernunft. Um Ihre Verteidigung auf ein solides Fundament zu stellen und alle Optionen zu prüfen, ist eine spezialisierte Analyse Ihrer Situation der unumgängliche nächste Schritt.

Geschrieben von Andreas Müller, Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht, spezialisiert auf die steuerliche Gestaltung von Unternehmensstrukturen und Vermögensnachfolge. Er betreut mittelständische Unternehmen (KMU) und vermögende Privatpersonen bei der Optimierung ihrer Steuerlast.