Veröffentlicht am März 12, 2024

Eine externe Beratung ist für den Mittelstand dann eine Top-Investition, wenn der Fokus nicht auf der Analyse, sondern auf der knallharten Umsetzung liegt.

  • Der Erfolg hängt weniger vom Berater ab als von Ihrem proaktiven Management interner Widerstände.
  • Vertraglich fixierte, messbare Ergebnisse (KPIs) sind Ihr wichtigster Hebel gegen Geldverschwendung.

Empfehlung: Ihr entscheidender Hebel ist nicht der Berater selbst, sondern die von Ihnen geschaffenen Strukturen, die seine Arbeit erst wirksam machen.

Als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens stehen Sie an einem Punkt, an dem das bewährte Modell an seine Grenzen stößt. Das Wachstum stagniert, die Prozesse knirschen, und der Wettbewerb schläft nicht. Der Gedanke an eine Unternehmensberatung kommt auf, dicht gefolgt von der drängenden Frage: Ist das die dringend benötigte Initialzündung oder eine teure Übung, die am Ende nur in einer weiteren Schublade verstaubt? Viele Unternehmer fürchten, viel Geld für standardisierte PowerPoint-Folien auszugeben, die an der Realität ihres Betriebs vorbeigehen.

Die üblichen Ratschläge sind bekannt: Man solle auf Referenzen achten und die Ziele klar definieren. Doch diese oberflächlichen Weisheiten greifen zu kurz. Sie ignorieren die eigentlichen Fallstricke, die eine Beratung scheitern lassen. Es geht nicht nur darum, *wen* Sie engagieren, sondern *wie* Sie den Prozess steuern. Die Wahrheit ist: Die meisten Beratungs-Projekte scheitern nicht an der Kompetenz des Beraters, sondern an internen Hürden, unklaren Erfolgskriterien und einer fehlenden Umsetzungsstrategie.

Doch was wäre, wenn die wahre Stellschraube für den Erfolg nicht die brillante Strategie des Beraters ist, sondern Ihre Fähigkeit als Führungskraft, die Rahmenbedingungen für echten Wandel zu schaffen? Dieser Artikel bricht mit der passiven Sichtweise auf Beratung. Er liefert Ihnen als Geschäftsführer die strategischen Werkzeuge, um externe Expertise gezielt zu hebeln, finanzielle Risiken zu minimieren und sicherzustellen, dass aus der Ausgabe eine messbare Investition wird. Wir werden beleuchten, wie Sie vom ersten Gespräch an die Spreu vom Weizen trennen, wie Sie Ihr Team zu Mitstreitern machen und wie Sie Verträge so gestalten, dass der Erfolg zur Pflicht wird.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden Phasen, um eine Unternehmensberatung zu einem echten Erfolg für Ihr Unternehmen zu machen. Das nachfolgende Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die strategischen Hebel, die Sie als Geschäftsführer in der Hand haben.

Berater oder Schwätzer: Mit welchen 3 Fragen Sie im Erstgespräch die Kompetenz prüfen

Der Markt ist unübersichtlich. Allein in Deutschland gibt es rund 20.000 Unternehmensberatungen, vom Solo-Selbstständigen bis zum globalen Konzern. Im Erstgespräch präsentieren sich alle professionell. Ihre Aufgabe ist es, hinter die Fassade zu blicken und die wahre Problemlösungskompetenz zu testen. Vergessen Sie Standardfragen nach dem Werdegang. Echte Kompetenz zeigt sich nicht in der Vergangenheit, sondern in der Anwendung auf Ihre Gegenwart. Fordern Sie einen Live-Stresstest.

Bereiten Sie eine anonymisierte Mini-Fallstudie aus Ihrem Unternehmen vor – ein reales, aber eingegrenztes Problem. Bitten Sie den Berater, live seine ersten Denkansätze zu skizzieren. Ein echter Experte wird sofort die richtigen Rückfragen stellen, Hypothesen bilden und einen klaren Analysepfad aufzeigen. Ein Schwätzer wird in Allgemeinplätzen und vagen Strategiefloskeln verharren. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, noch bevor ein Angebot geschrieben ist.

Zweitens, werden Sie bei Referenzen präzise. Die Frage nach Referenzen ist eine Selbstverständlichkeit. Ihre Frage muss lauten: „Nennen Sie uns bitte drei deutsche Mittelständler unserer Größenordnung (z.B. 50-250 Mitarbeiter) aus einer produzierenden Branche, bei denen Sie ein ähnliches Projekt umgesetzt haben.“ Diese Spezifität zwingt den Berater, Farbe zu bekennen. Verfügt er über relevante Branchenerfahrung im deutschen Mittelstand oder nur über theoretisches Wissen aus Konzernprojekten?

Drittens, stellen Sie die Unabhängigkeitsfrage. Viele Berater haben Partnerschaften mit Softwareanbietern oder anderen Dienstleistern. Fragen Sie direkt: „Gibt es vertragliche oder provisionsbasierte Verbindungen zu Anbietern, deren Produkte Sie uns im Rahmen des Projekts empfehlen könnten?“ Ein unabhängiger Berater empfiehlt die beste Lösung für Sie, nicht die, die ihm eine Provision einbringt. Transparenz und Unabhängigkeit sind nicht verhandelbar und müssen von Anfang an geklärt werden.

Widerstand der Belegschaft: Warum Strategien nicht am Markt, sondern in der Kaffeeküche scheitern

Die brillanteste Strategie ist wertlos, wenn sie am Widerstand der eigenen Mitarbeiter zerschellt. Dieses „Kaffeeküchen-Veto“ – der passive, informelle Widerstand langjähriger Mitarbeiter – ist der häufigste Grund für das Scheitern von Veränderungsprojekten. Ein externer Berater wird oft als Bedrohung wahrgenommen: Er versteht „unser Geschäft“ nicht, will bewährte Abläufe über den Haufen werfen und gefährdet im schlimmsten Fall Arbeitsplätze. Diese Angst ist der Nährboden für Blockaden.

Ihre Aufgabe als Geschäftsführer ist es, diesen Widerstand nicht zu bekämpfen, sondern zu kanalisieren. Der Schlüssel liegt in der Partizipation. Anstatt die Belegschaft vor vollendete Tatsachen zu stellen, müssen Sie die Meinungsführer und respektierten Veteranen im Unternehmen von Anfang an einbinden. Machen Sie diese zu Verbündeten, nicht zu Gegnern. Ernennen Sie sie zu internen „Change Agents“ oder „Prozess-Paten“, die die Brücke zwischen dem Berater und der Belegschaft bauen.

Fallbeispiel: Akzeptanzsteigerung durch interne Botschafter

Ein deutscher Mittelständler aus dem Maschinenbau wollte seine Produktion digitalisieren. Die Skepsis in der Belegschaft war enorm. Auf Anraten der Beratung wurden zwei erfahrene Meister, die im Team hohes Ansehen genossen, zu „Digital-Lotsen“ ernannt. Sie wurden früh in die Planung einbezogen, testeten neue Software als Erste und übersetzten die Vorteile in die Sprache der Werkshalle. Das Ergebnis: Laut einer Analyse des Projekts konnte die Akzeptanz für das Digitalisierungsprojekt um über 30% gesteigert und die Einführungszeit verkürzt werden, weil die Mitarbeiter ihren Kollegen vertrauten.

Die Einbindung des Betriebsrats ist dabei kein lästiges Übel, sondern eine strategische Notwendigkeit. Informieren Sie das Gremium proaktiv und transparent über die Ziele und den Umfang der Beratung. Positionieren Sie den Berater nicht als Kontrolleur, sondern als Ressource, die dem Unternehmen und damit auch der Belegschaft hilft, zukunftsfähig zu bleiben. Eine offene Kommunikation verhindert Gerüchte und baut Vertrauen auf, bevor Misstrauen überhaupt entstehen kann.

Betriebsratssitzung mit externem Berater in deutschem Mittelstandsunternehmen

Letztendlich geht es darum, eine gemeinsame Erzählung zu schaffen. Die Veränderung ist keine externe Bedrohung, sondern eine gemeinsame Anstrengung, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Wenn die Mitarbeiter verstehen, was auf dem Spiel steht und wie sie Teil der Lösung sein können, verwandelt sich das „Kaffeeküchen-Veto“ in konstruktive Energie.

Messbare Ergebnisse: Wie Sie vertraglich festlegen, was die Beratung finanziell bringen muss

Die Angst vor „Geldverschwendung“ ist berechtigt, wenn der Erfolg nicht definiert ist. Ein Beratungsvertrag darf kein Einkaufszettel für Tagessätze sein, sondern muss ein vertraglicher Hebel zur Ergebnissicherung werden. Der entscheidende Punkt ist die Verankerung von messbaren Kennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs). Anstatt vager Ziele wie „Optimierung der Prozesse“ müssen Sie konkrete, quantifizierbare Ergebnisse festschreiben, an denen der Berater gemessen wird.

Beispiele für solche KPIs sind: „Senkung der Durchlaufzeiten in der Produktion um 15%“, „Steigerung der Konversionsrate im Onlineshop um 10%“ oder „Reduzierung der Personalkosten im Bereich X um 5% durch Prozessautomatisierung“. Diese KPIs bilden die Grundlage für eine erfolgsabhängige Vergütung. Ein Teil des Honorars wird nur fällig, wenn die vereinbarten Ziele innerhalb eines festgelegten Zeitraums erreicht werden. Dies schafft ein gemeinsames Interesse am Projekterfolg und zwingt den Berater, von der Analyse in die Umsetzung zu kommen.

Ein weiterer wichtiger Vertragsbestandteil sind klare Meilensteine und Exit-Klauseln. Ein Projekt sollte in Phasen mit definierten Zwischenzielen unterteilt werden. Wird ein entscheidender Meilenstein nicht erreicht, muss der Vertrag eine Ausstiegsmöglichkeit für Sie vorsehen. Das schützt Sie vor endlosen Projekten ohne greifbare Fortschritte. Der Vertrag wird so zu Ihrem Risikomanagement-Instrument.

Die folgende Tabelle, basierend auf Empfehlungen von Branchenverbänden wie dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU), zeigt beispielhaft, wie solche Elemente im Vertrag verankert werden können.

KPI-Verankerung im Beratungsvertrag
Vertragsbestandteil Konkrete Messgröße Zeitrahmen
Erfolgsabhängige Vergütung Senkung Durchlaufzeit um 10% 9 Monate
Qualitative KPIs Verkürzung Time-to-Hire um 20 Tage 6 Monate
Exit-Klausel Nichterreichen Meilenstein X Nach Y Monaten

Ihr Plan zur Vertragssicherheit: Das Consulting-Lastenheft

  1. Ziele und Nicht-Ziele klar definieren: Schreiben Sie auf, was das Projekt erreichen soll und, was bewusst nicht Teil des Auftrags ist.
  2. Scope des Projekts exakt eingrenzen: Legen Sie die betroffenen Abteilungen, Prozesse und Standorte fest.
  3. Messgrößen (KPIs) präzise festlegen: Definieren Sie 3-5 quantifizierbare Kennzahlen, die den Erfolg des Projekts eindeutig messen.
  4. Meilensteine mit Zeitrahmen verankern: Teilen Sie das Projekt in logische Phasen mit klaren Ergebnissen und Deadlines.
  5. Exit-Bedingungen formulieren: Bestimmen Sie, unter welchen Umständen (z.B. Nichterreichen von Meilenstein 2) Sie den Vertrag vorzeitig beenden können.

BAFA-Beratungsförderung: Wie Sie sich 50% des Beraterhonorars vom Staat zurückholen

Eine der größten ungenutzten Chancen für den Mittelstand ist die staatliche Förderung von Beratungsleistungen. Viele Geschäftsführer scheuen die Investition in externe Expertise, ohne zu wissen, dass der Staat einen erheblichen Teil der Kosten übernimmt. Die wichtigste Anlaufstelle ist das Programm „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“ des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Hier können Sie sich bis zu 50% des Beraterhonorars (maximal 3.000 €) erstatten lassen.

Der Clou liegt jedoch in der strategischen Kombination verschiedener Programme. Die BAFA-Förderung ist auf allgemeine Beratungen ausgerichtet. Geht es jedoch um spezifische Themen wie Digitalisierung oder IT-Sicherheit, öffnen sich weitere Fördertöpfe, die oft miteinander kombinierbar sind. Programme wie „Digital Jetzt“ oder „go-digital“ bieten ebenfalls Zuschüsse von bis zu 50%. Ein geschickter Berater kennt diese Programme und hilft Ihnen, eine Förder-Architektur zu bauen, die die Belastung für Ihr Unternehmen minimiert. So sind in der Praxis, wie eine aktuelle Analyse des BDU zeigt, durch die clevere Kombination von BAFA und „Digital Jetzt“ Förderungen, Förderquoten von bis zu 70% möglich.

Die Beantragung mag auf den ersten Blick bürokratisch wirken, ist aber für einen erfahrenen, BAFA-gelisteten Berater Routine. Wichtig ist: Der Antrag muss in der Regel vor Vertragsbeginn mit dem Berater gestellt werden. Die Auswahl eines Beraters, der nicht nur fachlich, sondern auch in der Fördermittellandschaft kompetent ist, zahlt sich doppelt aus.

Deutsche Förderprogramme für KMU-Beratung im Überblick
Förderprogramm Förderquote Maximalbetrag Zielgruppe
BAFA-Beratung 50% 3.000€ KMU allgemein
Digital Jetzt 40-50% 50.000€ Digitalisierung
go-digital 50% 16.500€ IT-Sicherheit

Diese Förderungen sind kein Almosen, sondern ein klares politisches Signal: Der Staat will den deutschen Mittelstand bei der Modernisierung unterstützen. Es wäre fahrlässig, dieses Geld nicht in Anspruch zu nehmen. Es reduziert nicht nur Ihr finanzielles Risiko, sondern ermöglicht es Ihnen auch, in eine qualitativ hochwertigere und umfassendere Beratung zu investieren, als Sie es sonst vielleicht getan hätten.

Das „Schubladen-Konzept“ vermeiden: Warum die Umsetzung wichtiger ist als die Analyse

Das typische Ende vieler Beratungsprojekte: Der Berater präsentiert eine beeindruckende Abschlusspräsentation, überreicht einen dicken Ordner mit Analysen und Empfehlungen, und nach ein paar Wochen landet das Ganze in der Schublade. Das Tagesgeschäft übernimmt wieder die Kontrolle, und die teuer bezahlte Strategie bleibt Theorie. Dieses „Schubladen-Konzept“ ist der größte Feind jedes Return on Investment. Eine gute Analyse ist nur 10% des Erfolgs; 90% sind die konsequente Umsetzung.

Um das zu verhindern, müssen Sie von Anfang an eine starke Umsetzungs-DNA im Projekt verankern. Das beginnt mit der Etablierung eines einfachen, aber wirkungsvollen „Umsetzungs-Cockpits“. Dies kann ein simples Trello-Board, eine OKR-Struktur (Objectives and Key Results) oder ein anderes Projektmanagement-Tool sein. Wichtig ist, dass die verabschiedeten Maßnahmen in konkrete Aufgaben zerlegt, mit klaren Verantwortlichkeiten und Deadlines versehen und für alle relevanten Mitarbeiter transparent gemacht werden.

Ein entscheidender Hebel sind wöchentliche oder zweiwöchentliche Review-Meetings, in denen der Fortschritt gemessen und Blockaden sofort adressiert werden. Diese Meetings sollten kurz, diszipliniert und absolut ergebnisorientiert sein. Die Frage lautet nicht „Woran haben wir gearbeitet?“, sondern „Was haben wir erreicht und was hindert uns am nächsten Schritt?“.

Mitarbeiter-Workshop zur Umsetzung von Beratungsempfehlungen

Einige der besten Berater bieten nach dem eigentlichen Projektende ein kosteneffizientes Sparrings-Modell an. Sie bleiben mit wenigen Stunden pro Monat an Bord, um bei der Umsetzung zu coachen, als externer „Antreiber“ zu fungieren und die Einhaltung des Plans sicherzustellen. Dies ist oft eine sehr lohnende Investition, um die Nachhaltigkeit des Projekterfolgs zu garantieren.

Fallbeispiel: Nachhaltiger Erfolg durch Post-Consulting-Sparring

Die TMS Unternehmensberatung, ein auf den deutschen Mittelstand spezialisierter Anbieter, hat das Problem des „Schubladen-Konzepts“ erkannt. Sie bietet ihren Kunden seit 1995 ein Retainer-Modell an, bei dem der verantwortliche Berater nach Projektende für eine feste Anzahl von Stunden pro Monat zur Verfügung steht. Seine Aufgabe ist es, in den regelmäßigen Review-Meetings gezielt nach dem Umsetzungsstand zu fragen und bei aufkommenden Blockaden sofort mit dem Managementteam Lösungsansätze zu entwickeln. Dieses Modell sichert den Transfer von der Strategie in den operativen Alltag.

Liquiditätsplanung für KMU: Wie Sie die „Insolvenzfalle“ trotz voller Auftragsbücher vermeiden

Es ist ein Paradox, das viele Geschäftsführer im Mittelstand kennen: Die Auftragsbücher sind voll, die Produktion läuft auf Hochtouren, und trotzdem ist das Konto am Ende des Monats leer. Diese „Insolvenzfalle“ ist eine der größten Gefahren für wachsende Unternehmen. Der Grund liegt oft in einem negativen Cashflow-Zyklus: Lange Zahlungsziele von Großkunden, hohe Vorleistungen für Material und Personal und unerwartete Ausgaben fressen die Liquidität auf, bevor die Einnahmen fließen.

Eine professionelle Liquiditätsplanung ist hier überlebenswichtig, wird aber im Eifer des Gefechts oft vernachlässigt. Ein externer Berater kann hier einen unschätzbaren, neutralen Blick einbringen. Er ist nicht betriebsblind und kann die kritischen Punkte im Working Capital Management schnell identifizieren. Oft sind es nicht die großen Strategien, sondern kleine, operative Hebel, die die größte Wirkung entfalten.

Ein klassisches Beispiel ist die Analyse und Optimierung von Zahlungszielen. Während Sie als Lieferant oft in einer schwächeren Verhandlungsposition gegenüber Großkunden sind, kann ein Berater mit Branchen-Benchmarks und einer externen Autorität argumentieren. Er kann aufzeigen, dass die geforderten Zahlungsziele im Branchenvergleich unüblich lang sind und so eine Neuverhandlung auf Augenhöhe ermöglichen.

Fallbeispiel: Liquidität gesichert durch reduzierte Zahlungsziele

Ein mittelständischer Automobilzulieferer litt unter den extrem langen Zahlungszielen eines Großkunden (90 Tage), die seine Liquidität stark belasteten. Ein externer Finanzberater analysierte die Benchmarks der Branche und trat als neutraler Vermittler in die Verhandlungen ein. Er konnte nachweisen, dass ein Ziel von 45-60 Tagen branchenüblich ist. Durch seine externe Autorität und die faktenbasierte Argumentation gelang es, das Zahlungsziel auf 45 Tage zu reduzieren, was die Liquidität des Zulieferers entscheidend und nachhaltig verbesserte.

Darüber hinaus kann ein Berater helfen, Finanzierungsinstrumente wie Factoring oder Warenkreditversicherungen zu bewerten und zu implementieren, die kurzfristig Liquidität schaffen. Er hilft, ein rollierendes Liquiditäts-Cockpit aufzubauen, das nicht nur die Vergangenheit abbildet, sondern zukünftige Engpässe frühzeitig prognostiziert. Diese Vorausschau gibt Ihnen den Handlungsspielraum, den Sie brauchen, um nicht vom eigenen Erfolg überrollt zu werden.

Volle Auftragsbücher sind kein Garant für finanziellen Erfolg. Eine proaktive Liquiditätssteuerung ist der entscheidende Faktor für stabiles Wachstum.

Unternehmensnachfolge im Mittelstand: Warum 50% der Übergaben an emotionalen, nicht finanziellen Hürden scheitern

Die Unternehmensnachfolge ist die vielleicht größte strategische Herausforderung für den deutschen Mittelstand. Laut aktuellen Studien suchen rund 215.000 Betriebe aktiv nach einer Nachfolgelösung, während erschreckende 230.000 eine Stilllegung in Betracht ziehen, weil sie keinen passenden Nachfolger finden. Diese Zahlen zeigen die enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Themas. Doch die größten Hürden sind oft nicht finanzieller oder steuerlicher Natur, sondern liegen im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich.

Der Senior-Unternehmer, der sein Lebenswerk loslassen muss. Die Erwartungen der Familie, die nicht immer mit den Fähigkeiten oder Wünschen der Kinder übereinstimmen. Die Angst der Belegschaft vor dem „Neuen“. Diese emotionalen Fallstricke sind es, die eine sorgfältig geplante Übergabe im letzten Moment zum Scheitern bringen können. Ein externer Berater kann hier die entscheidende Rolle als neutraler Moderator und Mediator einnehmen.

Er ist nicht Teil der Familiengeschichte und kann die oft unausgesprochenen Interessen und Ängste aller Beteiligten (Übergeber, Nachfolger, Familie, Management) objektiv analysieren und besprechbar machen. Er hilft, eine klare Rollentrennung zwischen Familie und Unternehmen zu etablieren und einen realistischen Fahrplan für den schrittweisen Rückzug des Seniors zu entwickeln. Diese Moderationsfunktion ist oft wertvoller als die rein technische Bewertung des Unternehmens.

Diese Herausforderung ist gleichzeitig eine immense Chance, wie Jean-Claude Baumer, Vorsitzender des Fachverbands Unternehmensnachfolge im BDU, betont:

Die Chancen für erfahrene, aber auch junge Fach- und Führungskräfte stehen also gut, mit einer Gründung durch Nachfolge, ihr eigenes Geschäft aufzubauen und unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.

– Jean-Claude Baumer, Vorsitzender Fachverband Unternehmensnachfolge im BDU

Ein Berater hilft nicht nur, den richtigen Nachfolger zu finden und den Übergabeprozess zu strukturieren, sondern auch, die Chancen für externe Kandidaten zu bewerten. Er schafft einen fairen und transparenten Prozess, der sicherstellt, dass die beste Lösung für die Zukunft des Unternehmens gefunden wird – unabhängig von familiären Verflechtungen.

Die Nachfolge ist mehr als ein reiner Finanz-Deal. Die Moderation der emotionalen Aspekte ist der Schlüssel für eine gelungene Übergabe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Erfolg einer Beratung hängt von Ihrem proaktiven Management interner Widerstände und der konsequenten Umsetzung ab, nicht nur von der Strategie des Beraters.
  • Verträge mit messbaren KPIs, erfolgsabhängiger Vergütung und Exit-Klauseln sind Ihr wichtigster Hebel, um aus einer Ausgabe eine kontrollierbare Investition zu machen.
  • Staatliche Förderungen wie BAFA oder Digital Jetzt können die Kosten erheblich senken und sollten strategisch in die Planung einbezogen werden.

Make or Buy Entscheidung: Wann ist Outsourcing billiger als das eigene Personal?

Jeder Geschäftsführer steht regelmäßig vor der „Make or Buy“-Entscheidung: Soll ich eine neue Kompetenz im eigenen Haus aufbauen und Personal einstellen oder die Aufgabe an einen externen Spezialisten vergeben? Gerade bei hochspezialisierten Themen wie einer komplexen IT-Implementierung, einer internationalen Markteintrittsstrategie oder einer Restrukturierung stellt sich diese Frage. Der Impuls, einen neuen Mitarbeiter einzustellen, scheint oft naheliegend, doch eine reine Gehaltsrechnung greift zu kurz.

Eine Total Cost of Ownership (TCO) Analyse zeigt oft ein anderes Bild. Die wahren Kosten eines Mitarbeiters liegen weit über dem Bruttogehalt. Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kosten für Arbeitsplatz und Weiterbildung, Verwaltungsaufwand und Beiträge zu Kammern müssen einkalkuliert werden. Ein externer Berater wird auf Stunden- oder Projektbasis bezahlt – diese Nebenkosten entfallen komplett. Der deutsche Beratungsmarkt mit einem Umsatz von 48,7 Mrd. Euro im Jahr 2023 zeigt, wie stark diese Option genutzt wird.

Der entscheidende Vorteil des „Buy“-Ansatzes ist jedoch die Flexibilität und Skalierbarkeit. Sie kaufen spezialisiertes Wissen genau dann ein, wenn Sie es brauchen, und nur für die Dauer des Projekts. Sie vermeiden den Aufbau fixer Personalkosten für eine Kompetenz, die Sie nach Abschluss des Projekts möglicherweise nicht mehr in diesem Umfang benötigen. Zudem profitieren Sie von der Erfahrung des Beraters aus Dutzenden ähnlichen Projekten – eine Lernkurve, die ein neuer Mitarbeiter erst durchlaufen müsste.

Total Cost of Ownership Analyse: Intern vs. Extern
Kostenfaktor Internes Personal Outsourcing (Berater)
Arbeitgeberanteil Sozialversicherung ca. 20% des Bruttogehalts Entfällt
Lohnfortzahlung bei Krankheit Bis zu 6 Wochen Entfällt
Betriebsrat-Kosten/Umlagen Variable Kosten Entfällt
IHK-Beiträge Jährlich Entfällt

Die „Make“-Entscheidung ist dann sinnvoll, wenn es sich um eine strategische Kernkompetenz handelt, die langfristig und dauerhaft im Unternehmen benötigt wird. Für zeitlich begrenzte, hochspezialisierte Projekte oder um schnell auf Marktveränderungen zu reagieren, ist die „Buy“-Option – also die Beauftragung eines Beraters – oft die wirtschaftlich klügere und strategisch flexiblere Wahl.

Der entscheidende Schritt ist jetzt, diese strategischen Überlegungen auf Ihre individuelle Situation anzuwenden. Beginnen Sie damit, eine ehrliche „Make or Buy“-Analyse für Ihre dringendste Wachstumsblockade durchzuführen.

Geschrieben von Andreas Müller, Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht, spezialisiert auf die steuerliche Gestaltung von Unternehmensstrukturen und Vermögensnachfolge. Er betreut mittelständische Unternehmen (KMU) und vermögende Privatpersonen bei der Optimierung ihrer Steuerlast.