Veröffentlicht am März 15, 2024

Die größte Bedrohung für den Erfolg Ihrer Unternehmensnachfolge ist nicht das Finanzamt oder der Mangel an Kandidaten, sondern Ihr eigener emotionaler Bezug zu Ihrem Lebenswerk.

  • Die Kluft zwischen dem emotionalen „Wunschpreis“ und dem realen Marktwert ist die häufigste Ursache für das Scheitern von Verhandlungen.
  • Aufschieben aus Angst vor dem Loslassen („Loslass-Schmerz“) macht das Unternehmen bei unvorhergesehenen Ereignissen extrem verwundbar und mindert seinen Wert.

Empfehlung: Beginnen Sie sofort damit, emotionale Blockaden in einen strukturierten, operativen Fahrplan zu übersetzen und ziehen Sie einen externen Berater als neutralen Moderator hinzu.

Sehr geehrter Unternehmer, Sie haben Ihr Leben lang etwas aufgebaut. Ein Unternehmen, das mehr ist als eine Bilanzsumme – es ist Ihr Lebenswerk. Nun rückt der Moment näher, in dem Sie dieses Werk in andere Hände geben müssen. Statistisch gesehen gehören Sie zu einer großen Gruppe: Allein in Deutschland suchen bis Ende 2026 rund 560.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolge. Der öffentliche Diskurs dreht sich dabei meist um technische Hürden: Unternehmensbewertung, Steuerrecht, Finanzierungsmodelle. Man rät Ihnen, frühzeitig zu planen und Experten zu konsultieren. Das ist richtig, aber es kratzt nur an der Oberfläche.

Die harte Wahrheit, die viele Berater auszusprechen scheuen: Die meisten Nachfolgeprozesse scheitern nicht am Geld, sondern an Emotionen. An Ihrem „Loslass-Schmerz“, an Ihrem verständlichen Wunsch, einen Klon Ihrer selbst als Nachfolger zu finden, und an dem tiefen Konflikt zwischen dem gefühlten Wert Ihrer Firma und dem, was der Markt bereit ist zu zahlen. Dieser „emotionale Bilanzwert“, gespeist aus Jahrzehnten voller Schweiß und Entbehrungen, steht in keiner Excel-Tabelle, sabotiert aber im Hintergrund unzählige Verhandlungen. Fast 29% der mittelständischen Unternehmer sind bereits älter als 60 Jahre, und die Zeit für vage Pläne läuft ab.

Doch was, wenn die Lösung nicht darin besteht, diese Emotionen zu ignorieren, sondern sie als zentralen Faktor anzuerkennen und strategisch zu managen? Dieser Artikel durchbricht das Tabu. Er führt Sie als empathischer, aber geschäftsorientierter Berater durch die typischen emotionalen Fallstricke jeder Phase der Unternehmensnachfolge. Wir werden die technischen Aspekte nicht aussparen, aber wir werden sie konsequent durch die Brille der Unternehmerpsyche betrachten. Ziel ist es, Ihnen einen klaren Fahrplan an die Hand zu geben, um Ihr Lebenswerk nicht nur finanziell, sondern auch emotional erfolgreich zu übergeben.

Dieser Leitfaden ist strukturiert, um die kritischsten Fragen zu beantworten, mit denen Sie als Inhaber konfrontiert sind. Von der realistischen Wertermittlung über die Vorbereitung des Unternehmens bis hin zur Absicherung nach der Übergabe – jede Etappe wird beleuchtet, um Ihnen die notwendige operative Klarheit zu verschaffen.

Was ist meine Firma wert? Warum das Ertragswertverfahren oft zu anderen Zahlen kommt als Ihr Wunschpreis

Die erste und oft schmerzhafteste Frage im Nachfolgeprozess lautet: „Was ist mein Lebenswerk wert?“ Ihre Antwort darauf ist von Emotionen, Erinnerungen und Opfern geprägt. Der Markt hat jedoch eine andere, nüchterne Perspektive. Ein potenzieller Käufer bezahlt nicht für Ihre Vergangenheit, sondern für die zukünftigen Gewinne, die er erwartet. Genau hier entsteht der erste große Konflikt: Ihr emotionaler Bilanzwert kollidiert mit dem objektiven Marktwert.

Methoden wie das in Deutschland verbreitete Ertragswertverfahren (IDW S1) oder international übliche EBITDA-Multiples versuchen, diesen zukünftigen Ertrag zu kapitalisieren. Sie bewerten Potenziale, Risiken und die Abhängigkeit des Geschäfts von Ihrer Person. Das Ergebnis ist eine Zahl, die oft schmerzlich unter dem liegt, was Sie sich vorgestellt haben. In der Praxis führen unterschiedliche Bewertungsansätze oft zu einer Spanne von 30 bis 50 % zwischen dem Wunschpreis des Verkäufers und dem, was objektive Verfahren ergeben. Dieses Auseinanderklaffen ist der häufigste Grund für das Scheitern von Verhandlungen, noch bevor sie richtig begonnen haben.

Dieses Spannungsfeld lässt sich kaum besser visualisieren als im Gesicht eines Unternehmers, der sein Lebenswerk in Händen hält und über dessen wahren Wert nachdenkt.

Ein nachdenklicher deutscher Unternehmer sitzt an seinem Schreibtisch und hält ein altes Firmenfoto, was den emotionalen Wert seines Lebenswerks symbolisiert.

Wie Sie auf diesem Bild sehen, ist der Wert eines Unternehmens für seinen Gründer weit mehr als nur eine Zahl. Die entscheidende unternehmerische Leistung besteht darin, diese emotionale Lücke zu überbrücken. Der erste Schritt ist die brutale, aber notwendige Akzeptanz, dass der Markt nicht für Ihre Gefühle zahlt, sondern für zukünftige, beweisbare Erträge. Ein externer Berater kann hier als neutraler „Übersetzer“ fungieren und eine realistische, marktgerechte Bewertung herleiten, die als solide Basis für Verhandlungen dient.

Verkauf an die Mitarbeiter: Wie Sie Ihre besten Leute zu Nachfolgern machen, wenn die Kinder nicht wollen

Die familiäre Nachfolge, einst der Königsweg im Mittelstand, wird immer seltener. Die „nachrückende Inhaber-Generation ist dünn besetzt“, wie Branchenexperten feststellen. Wenn die eigenen Kinder andere Pläne haben, richtet sich der Blick oft auf eine naheliegende, aber emotional komplexe Alternative: den Verkauf an leitende Mitarbeiter (Management-Buy-Out, MBO). Sie kennen das Unternehmen, die Kultur und die Kunden. Doch hier lauert der nächste emotionale Fallstrick: Sie sehen Ihre Angestellten als loyale Umsetzer, aber selten als würdige unternehmerische Nachfolger. Trauen Sie ihnen wirklich zu, Ihr Lebenswerk fortzuführen?

Diese Zweifel führen oft dazu, dass die MBO-Option nie ernsthaft geprüft wird. Man sucht stattdessen extern nach dem „perfekten“ Nachfolger – einem Klon seiner selbst –, den es nicht gibt. Ein erfolgreicher MBO ist jedoch kein Zufall, sondern ein strategischer Prozess, der den „Loslass-Schmerz“ überwinden muss. Es geht darum, Ihre besten Leute gezielt zu Unternehmern zu entwickeln. Das erfordert eine ehrliche Einschätzung ihrer Fähigkeiten, einen klaren Entwicklungsplan und vor allem Ihr Vertrauen. Statt zu hoffen, dass jemand die Verantwortung übernimmt, müssen Sie die Übergabe aktiv gestalten.

Mehr als eine halbe Million Inhaber im Mittelstand planen in den nächsten fünf Jahren die Übergabe ihres Unternehmens und die nachrückende Inhaber-Generation ist dünn besetzt. […] Externe Unternehmensnachfolger sind ebenfalls rar gesät.

– Sage Advice, Unternehmensnachfolge im Mittelstand klug meistern

Die Finanzierung eines MBO ist oft eine große Hürde, aber lösbar. Öffentliche Förderbanken wie die KfW bieten spezielle Programme, und Verkäuferdarlehen können Eigenkapital ersetzen. Die eigentliche Herausforderung ist die psychologische: Können Sie akzeptieren, dass Ihre ehemaligen Mitarbeiter das Unternehmen vielleicht anders, aber dennoch erfolgreich führen werden? Der Schlüssel liegt in einem strukturierten Vorgehen, das Sicherheit für beide Seiten schafft.

Ihr Aktionsplan für einen erfolgreichen Management-Buy-Out

  1. Eignungsbewertung: Führen Sie eine frühzeitige und objektive Bewertung der Schlüsselmitarbeiter durch. Prüfen Sie nicht nur fachliche, sondern vor allem unternehmerische Kompetenzen wie Risikobereitschaft und strategisches Denken.
  2. Strategieentwicklung: Entwickeln Sie eine detaillierte Nachfolgestrategie über einen Zeitraum von 3-7 Jahren, inklusive eines klaren Prozessmanagements und eines Kommunikationsplans für das gesamte Team.
  3. Finanzierungskonzept: Beziehen Sie KfW-Förderprogramme (z.B. „ERP-Kapital für Gründung“) und regionale Bürgschaftsbanken frühzeitig in die Planung eines tragfähigen Finanzierungskonzepts ein.
  4. Interne Kommunikation: Etablieren Sie eine transparente und faire interne Kommunikation, um Neid, Unsicherheit und Gerüchte im Team von Anfang an zu unterbinden.
  5. Professionelle Begleitung: Ziehen Sie eine erfahrene M&A-Beratung hinzu, um den Prozess rechtlich und steuerlich abzusichern und als neutraler Moderator zwischen Ihnen und den zukünftigen Inhabern zu agieren.

Der Unternehmer-Notfallkoffer: Was passiert mit der Firma, wenn Sie morgen einen Herzinfarkt haben?

Niemand denkt gerne darüber nach, aber die Frage ist für Inhaber über 60 von existenzieller Bedeutung: Was passiert mit Ihrem Lebenswerk, wenn Sie von heute auf morgen ausfallen? Ein Schlaganfall, ein Unfall – und plötzlich herrscht Chaos. Wer ist zeichnungsberechtigt? Wer hat Zugriff auf die Konten? Wer spricht mit der Bank und den wichtigsten Kunden? Die emotionale Tendenz, die eigene Endlichkeit zu verdrängen und Entscheidungen aufzuschieben, ist menschlich, aber für Ihr Unternehmen potenziell tödlich.

Der sogenannte „Unternehmer-Notfallkoffer“ ist die rationale Antwort auf diese irrationale Verdrängung. Es handelt sich dabei nicht um einen physischen Koffer, sondern um eine systematisch geordnete Sammlung aller relevanten Dokumente, Vollmachten und Handlungsanweisungen. Er stellt sicher, dass das Unternehmen handlungsfähig bleibt, auch wenn Sie es nicht mehr sind. Das Fehlen eines solchen Notfallplans ist eine direkte Folge des „Loslass-Schmerzes“: Solange Sie alles kontrollieren, fühlen Sie sich unersetzlich – und machen Ihr Unternehmen damit maximal verwundbar.

Die Erstellung eines Notfallkoffers zwingt Sie, sich mit den unangenehmen Fragen auseinanderzusetzen und operative Klarheit zu schaffen. Wer soll im Ernstfall die Interims-Geschäftsführung übernehmen? Haben diese Personen die nötigen Vollmachten (Generalvollmacht, Kontovollmachten)? Wissen Ihre Erben, wo die wichtigen Unterlagen wie Gesellschaftsverträge, Passwortlisten und Versicherungspolicen zu finden sind? Ohne diese Vorbereitung droht im schlimmsten Fall die Zahlungsunfähigkeit innerhalb weniger Tage, weil Gehälter nicht überwiesen oder Rechnungen nicht bezahlt werden können. Dies ist keine theoretische Gefahr, sondern eine reale Bedrohung für Tausende von mittelständischen Betrieben in Deutschland.

Die Braut hübsch machen: Welche Leichen Sie vor dem Verkaufsprozess aus dem Keller holen müssen

Bevor Sie Ihr Unternehmen potenziellen Käufern präsentieren, müssen Sie es in Bestform bringen. In der M&A-Branche nennt man diesen Prozess „die Braut hübsch machen“. Es geht darum, alle Altlasten, Abhängigkeiten und versteckten Risiken zu beseitigen, die ein Käufer in der Due-Diligence-Prüfung entdecken und zur Reduzierung des Kaufpreises nutzen würde. Oft sind diese „Leichen im Keller“ das Ergebnis langjähriger Gewohnheiten und einer emotionalen Bequemlichkeit – „das haben wir schon immer so gemacht“.

Ein typisches Beispiel sind historisch gewachsene Arbeitsverträge mit inkonsistenten Regelungen, die ein hohes rechtliches Risiko darstellen. Oder eine starke Abhängigkeit von einem einzigen Großkunden oder Lieferanten, die das Geschäftsmodell extrem anfällig macht. Auch nicht finanzierte Pensionsrückstellungen sind eine tickende Zeitbombe, die den Unternehmenswert massiv drücken kann. Diese Probleme zu ignorieren, weil ihre Lösung unangenehm ist, ist ein teurer Fehler. Jeder Euro, den Sie jetzt in die Bereinigung investieren, zahlt sich beim Verkauf um ein Vielfaches aus.

Der Prozess der Bereinigung schafft nicht nur einen höheren Unternehmenswert, sondern gibt Ihnen auch die Kontrolle über den Verkaufsprozess zurück. Statt in der Defensive auf die kritischen Fragen des Käufers reagieren zu müssen, präsentieren Sie proaktiv ein transparentes, gut dokumentiertes und risikoarmes Unternehmen. Das ist ein starkes Verhandlungssignal. Die folgende Tabelle zeigt typische Problemfelder und ihre potenziellen Auswirkungen auf den Kaufpreis.

Typische Due-Diligence-Problemfelder im deutschen Mittelstand
Problembereich Häufigkeit Auswirkung auf Kaufpreis Lösungsansatz
Nicht finanzierte Pensionsrückstellungen Sehr häufig -10 bis -20% Frühzeitige Rückstellungsbildung oder Auslagerung
Historisch gewachsene Arbeitsverträge Häufig -5 bis -10% Harmonisierung und Standardisierung vor Verkauf
Fehlende Prozessdokumentation Häufig -5 bis -15% Prozesse dokumentieren, ggf. ISO-Zertifizierung anstreben
Abhängigkeit von Einzellieferanten Mittel -10 bis -25% Aktive Lieferantendiversifikation einleiten

Diese Bereinigung ist ein Akt der operativen Klarheit. Sie verwandeln diffuse Ängste vor versteckten Risiken in eine konkrete To-do-Liste. Das Ergebnis ist nicht nur ein wertvolleres Unternehmen, sondern auch ein deutlich souveränerer Verkäufer.

Kaufpreiszahlung nach Erfolg: Wie Sie als Verkäufer Risiken bei Earn-Out-Modellen minimieren

Selbst wenn Sie sich auf einen Kaufpreis geeinigt haben, ist das Geld oft noch nicht auf Ihrem Konto. Besonders wenn es eine Bewertungsdifferenz gibt, schlagen Käufer gerne sogenannte Earn-Out-Modelle vor. Das bedeutet: Ein Teil des Kaufpreises wird erst später gezahlt und ist vom zukünftigen Erfolg des Unternehmens abhängig. Für den Käufer ist das eine elegante Möglichkeit, das Risiko zu minimieren. Für Sie als Verkäufer ist es eine emotionale und finanzielle Zerreißprobe.

Der psychologische Haken: Sie geben die Kontrolle ab, bleiben aber finanziell vom Erfolg des neuen Inhabers abhängig. Was, wenn der Käufer strategische Fehler macht? Was, wenn er bewusst den Gewinn kleinrechnet, um die Earn-Out-Zahlung zu drücken? Diese berechtigte Angst führt dazu, dass viele Verkäufer solche Modelle kategorisch ablehnen und damit potenziell gute Deals platzen lassen. Wie eine Analyse zeigt, kann die Bewertungsdiskrepanz zwischen Verkäufer und Käufer Verhandlungen zum Scheitern bringen, und der Earn-Out ist oft der einzige Weg, diese Lücke zu schließen.

Anstatt ein Earn-Out-Modell aus Angst abzulehnen, sollten Sie die emotionale Skepsis in eine wasserdichte Vertragsgestaltung umwandeln. Der Schlüssel liegt darin, die Bedingungen so klar und unmissverständlich wie möglich zu definieren, um Manipulationen auszuschließen. Verankern Sie klare, nicht beeinflussbare Kennzahlen (KPIs) wie den Umsatz statt des leicht manipulierbaren EBITDAs. Bestehen Sie auf quartalsweisen Informationspflichten und Sonderprüfungsrechten. Vereinbaren Sie Veto-Rechte bei strategischen Entscheidungen, die den Earn-Out gefährden könnten. So wandeln Sie Misstrauen in ein kontrollierbares, vertraglich abgesichertes Instrument um und machen den Deal erst möglich.

Erbschaftssteuer vermeiden: Warum das „Berliner Testament“ für Ihre Kinder zur Steuerfalle wird

Auch bei der privaten Vermögensnachfolge regiert oft die Emotion über die Ratio. Das beste Beispiel ist das sogenannte „Berliner Testament“. Ehegatten setzen sich gegenseitig als Alleinerben ein, und erst nach dem Tod des zweiten Partners erben die Kinder. Emotional ist das eine sehr bequeme Lösung: Der überlebende Partner ist voll abgesichert und muss sich nicht mit den Kindern auseinandersetzen. Finanziell ist es jedoch oft eine Katastrophe.

Der Grund ist einfach: Beim ersten Erbfall werden die hohen Steuerfreibeträge der Kinder komplett verschenkt. Stirbt der Vater zuerst, geht sein gesamtes Vermögen (inklusive der Unternehmensanteile) auf die Mutter über. Erst wenn die Mutter Jahre später stirbt, erben die Kinder das gesamte, dann meist noch größere Vermögen. Da die Freibeträge der Kinder von je 400.000 € beim ersten Erbfall nicht genutzt wurden, fällt auf das geballte Vermögen eine massive Erbschaftssteuer an. Diese kann so hoch sein, dass die Kinder gezwungen sind, Teile des Unternehmens zu verkaufen, um die Steuerschuld zu begleichen – das genaue Gegenteil von dem, was Sie erreichen wollten.

Die Alternative zu dieser emotional bequemen, aber teuren Lösung sind intelligentere Gestaltungen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Schenkungen zu Lebzeiten: Alle 10 Jahre können Sie die Freibeträge Ihrer Kinder voll ausnutzen, während Sie sich durch einen Nießbrauchvorbehalt die Erträge und die Kontrolle sichern.
  • Gründung einer Familiengesellschaft: Ein Familienpool (oft eine GbR oder KG) ermöglicht die Übertragung von Vermögenswerten, während die Stimmrechte in Ihrer Hand bleiben.
  • Testamentarische Klauseln: Ein „Supervermächtnis“ im Testament gibt dem überlebenden Ehegatten die Flexibilität, Teile des Erbes steueroptimiert an die Kinder weiterzuleiten.

Diese Modelle sind komplexer, sichern aber das Familienvermögen und damit Ihr Lebenswerk für die nächste Generation. Sie erfordern den Mut, sich frühzeitig mit der Verteilung auseinanderzusetzen, statt die Entscheidung aus Bequemlichkeit in die Zukunft zu verschieben.

Die steuerliche Optimierung Ihrer privaten Erbfolge ist ein wesentlicher Teil der Unternehmenssicherung. Lassen Sie sich nicht von einfachen Lösungen blenden, sondern prüfen Sie, welche Gestaltung für Ihre Familie die beste ist.

Asset Management ab 500.000 €: Wann lohnt sich ein unabhängiger Vermögensverwalter statt der Hausbank?

Nach einem erfolgreichen Verkauf stehen Sie vor einer neuen, ungewohnten Situation. Sie sind nicht mehr der aktive Unternehmer, der sein Geld in der eigenen Firma reinvestiert, sondern ein Privatier mit einem signifikanten liquiden Vermögen. Die emotionale Umstellung ist gewaltig. Die Hausbank, die Sie jahrelang als Firmenkunde begleitet hat, wird Ihnen nun ihre hauseigenen Anlageprodukte anbieten. Hier ist höchste Vorsicht geboten.

Der entscheidende Unterschied liegt im Geschäftsmodell: Ihre Hausbank ist in der Regel ein Produktverkäufer. Der Berater verdient oft über Provisionen (Kickbacks) an den Produkten, die er Ihnen verkauft. Sein Interesse ist also nicht zwangsläufig deckungsgleich mit Ihrem. Ein unabhängiger Vermögensverwalter hingegen wird nach Gesetz (z.B. §34h GewO) ausschließlich von Ihnen bezahlt (Honorarberatung) und darf keine Provisionen von Dritten annehmen. Er ist rechtlich verpflichtet, allein in Ihrem Interesse zu handeln. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Ab einem Vermögen von ca. 500.000 € wird ein unabhängiger Verwalter interessant. Er erstellt eine individuelle Anlagestrategie, die auf Ihre persönliche Risikotragfähigkeit und Ihre Ziele zugeschnitten ist. Statt teurer, aktiver Fonds der Bank greift er oft auf kostengünstige, breit gestreute ETFs zurück. Die entscheidende Frage, die Sie stellen müssen, ist: „Arbeiten Sie für mich oder für die Bank?“ Die Umstellung vom Macher zum Vermögensverwalter erfordert ein neues Mindset: kritisches Hinterfragen statt blindem Vertrauen. Sie haben Ihr Leben lang hart für dieses Geld gearbeitet; nun geht es darum, es intelligent und kosteneffizient für sich arbeiten zu lassen.

Die Wahl des richtigen Partners für Ihr Vermögen ist die erste wichtige Entscheidung nach dem Verkauf. Verstehen Sie genau, wem Sie Ihr Geld anvertrauen und wie dieser bezahlt wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die emotionale Bindung an das eigene Unternehmen ist die größte Hürde und führt zu unrealistischen Preisvorstellungen und Verzögerungen.
  • Eine frühzeitige und professionelle Vorbereitung („Die Braut hübsch machen“) steigert den Unternehmenswert signifikant und gibt Ihnen die Kontrolle im Verkaufsprozess.
  • Ein externer M&A-Berater agiert als neutraler Puffer und Übersetzer zwischen Ihren Emotionen und den rationalen Anforderungen des Marktes.

Unternehmensberatung für den Mittelstand: Investition oder Geldverschwendung?

Die Beauftragung eines Beraters für die eigene Nachfolge fühlt sich für viele gestandene Unternehmer wie ein Eingeständnis von Schwäche an. „Das kann ich doch selbst“, ist ein häufiger Gedanke. Doch ein Nachfolgeprozess ist keine alltägliche unternehmerische Aufgabe. Es ist ein hochkomplexes, einmaliges Projekt, das tief in persönliche und familiäre Emotionen eingreift. Ein guter M&A-Berater ist hier weit mehr als ein reiner Techniker – er ist Prozessmanager, Moderator, Psychologe und oft auch der „Sündenbock“, der die unangenehmen Wahrheiten aussprechen kann, die Sie intern nicht formulieren wollen oder können.

Ein professioneller Berater zwingt Sie, einen strukturierten Fahrplan zu erstellen und einzuhalten. Er objektiviert die Diskussion um den Kaufpreis, identifiziert potenzielle Nachfolger (auch solche, die Sie selbst nicht auf dem Schirm hatten), und managt den gesamten Due-Diligence-Prozess. Das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern führt nachweislich zu besseren Ergebnissen – sei es ein höherer Kaufpreis oder eine sicherere Übergabe. Wie das folgende Praxisbeispiel zeigt, ist ein strukturierter Ansatz entscheidend.

Praxisbeispiel: Erfolgreiche Nachfolgebegleitung im technischen Mittelstand

Ein vor über 30 Jahren gegründetes Unternehmen mit mehr als 60 Mitarbeitern stand vor der Herausforderung, den operativen Ausstieg der beiden Gesellschafter innerhalb von vier Jahren zu realisieren. Durch die Begleitung einer spezialisierten Beratung gelang es, innerhalb von nur zehn Monaten eine umfassende Nachfolgestrategie zu erarbeiten. Diese umfasste ein detailliertes Prozessmanagement, eine Kommunikationsstrategie zur Vermeidung von Unruhe im Betrieb, ein Profiling für potenzielle interne und externe Kandidaten sowie eine Onboarding-Strategie für den finalen Nachfolger. Der strukturierte Prozess schuf die notwendige Klarheit und sicherte den Übergang, ohne das operative Geschäft zu gefährden.

Letztendlich ist die Investition in eine gute Beratung eine Versicherung für Ihr Lebenswerk. Sie kaufen sich nicht nur Expertise, sondern vor allem die Neutralität und die Disziplin, diesen emotionalen Marathon bis zum Ende durchzuhalten. Die Kosten für eine Beratung sind fast immer geringer als der Wertverlust, der durch einen verzögerten, schlecht vorbereiteten oder abgebrochenen Nachfolgeprozess entsteht.

Eine gelungene Unternehmensnachfolge ist kein Zufall, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen und frühzeitiger Vorbereitung. Unternehmer, die den Nachfolgeprozess aktiv angehen, schaffen nicht nur Sicherheit für ihr Unternehmen, sondern auch für sich selbst.

– Fabian Zamzau, Otter Consult GmbH

Ihre Unternehmensnachfolge ist die letzte und vielleicht wichtigste unternehmerische Aufgabe Ihres Lebens. Sie erfordert dieselbe strategische Weitsicht, die Sie beim Aufbau Ihrer Firma bewiesen haben. Der entscheidende Schritt ist, die eigenen Emotionen anzuerkennen, aber nicht von ihnen dominieren zu lassen. Der nächste logische Schritt ist daher nicht, weiter zu zögern, sondern ein unverbindliches Erstgespräch mit einem erfahrenen M&A-Berater zu führen, der Ihre Sprache spricht und die Brücke zwischen Ihrem Lebenswerk und seiner Zukunft bauen kann.

Häufig gestellte Fragen zur Unternehmensnachfolge im Mittelstand

Können Sie mir die Performance im Vergleich zu einem simplen MSCI World ETF zeigen?

Diese Frage ist exzellent und sollte jedem Vermögensverwalter gestellt werden. Viele aktiv gemanagte Bankprodukte schaffen es nach Abzug aller Kosten nicht, einen günstigen, breit gestreuten Indexfonds wie einen MSCI World ETF zu schlagen. Ein unabhängiger Verwalter sollte Ihnen transparent die Nettoperformance seiner Strategien im Vergleich zu relevanten Benchmarks aufzeigen können.

Werden Sie nach §34h GewO ausschließlich vom Kunden bezahlt?

Dies ist die Schlüsselfrage, um die Unabhängigkeit eines Beraters zu prüfen. Unabhängige Vermögensverwalter, die unter der Aufsicht der BaFin nach §34h GewO agieren, unterliegen einem Provisionsannahmeverbot. Das bedeutet, sie werden ausschließlich durch ein Honorar vom Kunden bezahlt und dürfen keine verdeckten Provisionen von Produktanbietern annehmen. Dies stellt sicher, dass ihre Beratung frei von Interessenkonflikten ist.

Geschrieben von Andreas Müller, Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht, spezialisiert auf die steuerliche Gestaltung von Unternehmensstrukturen und Vermögensnachfolge. Er betreut mittelständische Unternehmen (KMU) und vermögende Privatpersonen bei der Optimierung ihrer Steuerlast.